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21.12.1979 - 

Eggheads und Underdogs im Erwerbsleben der Zukunft?

EGB: Jobkiller Nr. 1 ist der Mikro

BONN (CW) - "Die mikroelektronische Revolution hat in einigen Schlüsselindustrien und Dienstleistungszweigen zu erheblichen Verlusten an Arbeitsplätzen geführt, und für die 80er Jahre muß mit weiteren Verlusten gerechnet werden." Dies ist die Hauptaussage eines kürzlich vom Europäischen Gewerkschaftsinstitut (EGI) vorgelegten Berichts über den "Einfluß der Mikroelektronik auf die Beschäftigung in Westeuropa in den 80er Jahren".

Der Bericht wurde vom EGI, einem 1978 vom Europäischen Gewerkschaftsbund gegründeten Marktforschungsunternehmen, Ende November anläßlich der Brüsseler Arbeitswochen präsentiert. In ihm heißt es, daß die Arbeitsplatzbedrohung besonders die Arbeitnehmer in der Uhren-, Registrierkassen- und Büromaschinenindustrie betreffe, aber auch die im Fernmeldewesen. Die Studie prognostiziert als Schreckgespenst eine Qualifikationspolarisierung. Es soll demnach in Zukunft nur hochqualifizierte Techniker einerseits und angelernte Arbeiter andererseits geben.

Erhard Ulrich, Bereichsleiter für Technologie und Betriebswirtschaft am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (Bundesanstalt für Arbeit), erklärt dazu, die Polarisierungsthese beruhe auf Fallstudien. Langfristig könne sogar eine Abnahme der Unqualifizierten auf dem Arbeitsmarkt festgestellt werden; er halte daher diese Gefahr nicht für sehr real. Die angespannte Arbeitsmarktlage, so habe sich herausgestellt, sei nicht durch die Mikroelektronik initiiert; höchste Entlassungszahlen zeigten sich vielmehr dort, wo konventionelle Techniken im Einsatz sind.

Für einige Arbeitnehmer, räumt Ulrich ein, haben sich sicherlich negative Auswirkungen der Mikroelektronik erwiesen; im großen Mittel gebe es aber kaum weniger oder schlechtere Arbeitsplätze, "da wir bisher noch ausreichen des Wachstum der Produktivität hatten".

Dr. Günter Friedrichs, Leiter der Abteilung Automation beim Vorstand der IG Metall, nennt einige der Fallbeispiele, auf denen die gewerkschaftlichen Vorwürfe gründen:

- Ein Mann am Fernschreiber bei Standard Elektrik Lorenz erhält für die gleiche Verrichtung statt wie bisher Lohngruppe 10 jetzt Gruppe 9 ausbezahlt.

- Durch billigere NC-Steuerteile können verstärkt Maschinen an den Drehbänken eingesetzt werden.

- Die Streiks der Maschinenarbeiter und der Druckereiangestellten seien ein Indikator für die schwierige Lage.

- Sogar auf Herstellerseite rede bereits der eine oder andere offen über diese Problematik: So habe Bruno Lamborghini von er Olivetti Corporation in Ivrea auf einem Vortrag im September in Stantford (Holland) erklärt: "Wir müßten unsere Produktionszahlen verdreifachen, wenn wir alle Leute halten wollen."