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22.10.1993 - 

Bewerbungsstrategien und Karriereplanung in der Rezession (Teil 9)

Egozentriker und Delegierer sind nicht besonders beliebt

22.10.1993

Kandidaten sehen die Anforderungen an eine Bewerbung oft einaeugig. Sie halten sich und ihre Bewerbung fuer sehr wichtig und lassen das auch offen durchblicken. Sie machen sich zuwenig Gedanken ueber Situation und Verhalten der Einsteller. Das Resultat sind dann nach Auffassung von Bernd Andersch* Anschreiben, die die Chance auf eine Einstellung stark vermindern.

Da findet sich im Bewerbungsanschreiben eines Umschuelers folgender Satz: "Wenngleich ich in gewisser Weise ein Newcomer im DV-Bereich bin, glaube ich, durch meine Hotel-Management-Studien in ... und Kurse in Human-Relations und Accounting an der University of ..., meine Berufserfahrung als selbstaendiger und angestellter Betriebsleiter und meine qualifizierte Ausbildung zum Programmierer und Organisationsprogrammierer im IBM-autorisierten Lernzentrum der ... in ... ein interessanter Mitarbeiter fuer Sie sein kann." Auf derartige "Bandwuermer" in Anschreiben sollten die Bewerber verzichten.

Beim ersten Querlesen gleich positiv auffallen

Um den Sinn des Satzes zu verstehen, muss man ihn mehrmals lesen. Dazu hat aber angesichts der heutigen Bewerberzahlen niemand Zeit. Die Folge: Es werden durch solche Formulierungen keine Informationen an den Leser transportiert. Der Bewerber verpasst damit eine Chance, sich fuer eine weitere Sichtung der Bewerbungsunterlagen interessant zu machen. Wenn eine Unterlage beim ersten Querlesen nicht interessant erscheint, wird sie eben zur Seite gelegt. Daher sollten lesefreundliche Saetze gebildet werden. Sie gehen nicht viel ueber acht Worte hinaus und enthalten keine Satzverschachtelungen. Der Jobsuchende sollte aber auch auf ein "Overselling" im Anschreiben verzichten. Dies liegt dann vor, wenn der Kandidat jede Menge an Qualifikationen, Erfahrungen und persoenlichen Eigenschaften herunterbetet, die in der Stellenanzeige nicht gefordert werden. Diese Informationen sind fuer den Einsteller belanglos. Es besteht eher die Gefahr, dass im Wust unwichtiger Mitteilungen entscheidende, weil fuer den Leser interessante Inhalte des Anschreibens untergehen. Zu haeufig erscheint in Anschreiben das schoene Wort "ich" am Anfang von Saetzen. Hier verraet sich der Egozentriker. Wenn das Wort schon sehr oft im Anschreiben verwendet wird, sollte es moeglichst nicht am Anfang eines jeden Satzes anzutreffen sein.

Aber auch der "Delegierer" ist unter den Bewerbern vertreten. Er uebertraegt Bewerberarbeiten an den Einsteller. "Die in der Anzeige genannten Voraussetzungen erfuelle ich. Im einzelnen koennen Sie meine Kenntnisse dem beigefuegten Stoffplan meiner Umschulung entnehmen. Weitere Informationen zu meinem beruflichen und schulischen Werdegang ergeben sich aus dem Lebenslauf." Konstruktivitaet laesst dieser Kandidat nicht erkennen. Vielmehr muesste sich der Leser jetzt in muehevoller Kleinarbeit alle passenden Informationen selbst zusammensuchen.

Noch dicker kommt es, wenn sich die "Stars" auf dem Arbeitsmarkt bewegen. Da schreibt ein gestandener Berufspraktiker folgende Saetze: "Das enorme Wachstum und die schnelle Akzeptanz Ihres Produktangebotes im DV-Markt hat mich bei der noch sehr jungen Entwicklung Ihres Hauses beeindruckt. Meines Erachtens nach ist es aber in der Rezession entscheidend, hervorragende und engagierte Mitarbeiter im Unternehmen zu haben, und hier kann ich einiges anbieten ..." Solche Saetze spiegeln die Einstellung vieler DV- Profis wider, die jahrelang in einer gutgehenden Branche arbeiteten.

Absolventen sollten Besserwisserei vermeiden

Der Einsteller denkt sich: Der Bewerber sagt mir, worauf ich bei meiner Mannschaft zu achten habe? Da wir ohnehin eine gute Entwicklung vorweisen, waren unsere Mitarbeiter doch immer hervorragend und engagiert. Ohne diese Praedikate waeren wir doch nicht so gut.

Ausserdem ist an dieser Stelle keine Beurteilung und erst recht keine Verurteilung durch den Bewerber gefragt!" Da zieht jemand ueber die ganze Mannschaft her und spricht ihr hervorragendes Verhalten und Engagement ab. Er als Bewerber ist offensichtlich das Mass der Dinge.

Aber auch der "altkluge" Hochschulabsolvent kommt im Bewerbungsgeschaeft schlecht an: "Aus meiner Taetigkeit als Trainee bei einem DV-Hersteller weiss ich, dass Ihr Unternehmen haeufig neue und richtige Wege geht ..." Hier teilt ein Youngster einem Weltkonzern sein wohlwollendes Urteil mit. Bei einem Bewerber, der sich dazu kompetent fuehlt, duerfte sich selbst der maechtigste Vorstandsvorsitzende ganz klein vorkommen.

*Bernd Andersch hat in Fach- und Fuehrungsfunktionen Org./DV gearbeitet und ist heute selbstaendiger Karriere-und Unternehmensberater sowie Management-Trainer in Detmold.