Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

02.08.1991 - 

Geldgeber und seine Banken kritisiert

Ehemaliger DOS-Chef Rohn setzt sich gegen Vorwürfe zur Wehr

MÜNCHEN (hv) - Egbert Bekker, Geschäftsführer der in Auflösung begriffenen Wiesbadener DOS Software GmbH, muß sich Kritik gefallen lassen: Nicht ein zu expansives Vertriebskonzept, sondern eine in allen Belangen zweifelhafte Unternehmenspolitik hat nach Angaben des ehemaligen Geschäftsführers Hans-Peter Rohn das Wiesbadener Softwarehaus in die Knie gezwungen.

Becker hatte gegenüber der COMPUTERWOCHE ausgeführt, das 1990 beschlossene und von Aufbaumanager Rohn getragene offensive Marketingkonzept seines Unternehmens habe zu überproportional steigenden Vertriebskosten geführt. Schließlich seien personeller Aderlaß sowie eine Reorganisation unerläßlich gewesen (vergleiche CW Nr. 27 vom 5. Juli 1991, Seite 1: "Reorganisation soll IBM-Partner..."). Rohn widerspricht diesen Ausführungen Beckers.

Zivilklage gegen das Unternehmen

Der Ex-lBMer betont, daß die von ihm eingeführte organisatorische und vertriebstechnische Umstrukturierung schon nach wenigen Monaten erste Früchte getragen hat: "Von uns wurde erwartet, daß wir im vierten Quartal 1990 einen Auftragseingang von zwei Millionen Mark nachweisen können. Gelungen sind uns effektiv 3,9 Millionen", so der ehemalige Geschäftsführer Rohn. Auch sei eine deutliche Senkung der Verlustrate zu erwarten. Im Rahmen seines "DOS-2000-Konzeptes" wollte er dem Unternehmen einerseits den bisher vernachlässigten Midrange- und PC-Markt erschließen und zum anderen das Geschäft mit der Großrechnersoftware ausbauen. Vorgesehen war der Zukauf verschiedener finanziell schwach gestellter Softwarehäuser. "lch wollte aus mehreren schwachen Firmen im Großrechnerbereich, die keine Expansionschance mehr haben, eine schlanke, gesunde, starke Firma machen", erklärt der Ex-Geschäftsführer. Gleichzeitig wurde ein expansives Vertriebskonzept gefahren: Über die Eröffnung neuer Geschäftsstellen und die Einstellung zusätzlichen Personals sollte der Markt besser durchdrungen werden.

Die organisatorischen Zustände, auf die Rohn bei seiner Einstellung traf, entsetzten den ehemaligen IBMer: "Man hatte in sogenannte Profit Center eingeteilt, was bei dem integrativen Angebot der Firma DOS überhaupt keinen Sinn machte." Die Arbeitskräfte wurden untereinander ausgetauscht - "wer etwas konnte, wurde herumgereicht." Hinzu kam ein Auftragsbestand von 4,2 Millionen Mark, der wegen organisatorischer Mängel nicht abgearbeitet werden konnte. Betroffen seien Kunden wie die Deutsche Bank oder die Allianz.

Rohn hat eigenen Angaben zufolge erstmals eine Querverrechnung und eine Stab-Linien-Organisation eingeführt, in der Produktion, Service, Marketing und Vertrieb, Finanzen und Administration voneinander getrennt wurden. Ein kooperativer Managementstil sollte eine eindeutige, von allen getragene Beschlußlage in der Führungsetage ermöglichen.

Das ganze DOS-2000-Projekt sei schließlich gecancelt worden, so die Vermutung Rohns, weil die Hausbank des Hofheimer Geldgebers Müpro GmbH schon immer gegen das Engagement des Fabrikanten gewesen sei und ihm wohl von einem weiteren Engagement bei der DOS Software GmbH abgeraten habe. "Müller ist 1988 in die Firma hineingegangen, weil er aus Abschreibungsgründen Verluste gesucht hat. Er hat dem in arge Not geratenen Becker unter die Arme gegriffen", erklärt Rohn. "Wahrscheinlich wollte Herr Müller jetzt weitere Investitionen in anderen Geschäftsfeldern tätigen, woraufhin die Bank die Bedingung gestellt hat, auszusteigen."

Rohn, der weder eine Abmahnung noch einen Beiratsbeschluß zu sehen bekam und der sich aufgrund positiver Bestätigungen bis zuletzt im Einvernehmen mit der Unternehmensführung wähnte, hat beschlossen sich zur Wehr zu setzen: Der Ex-IBMer hat eine Zivilklage gegen das Unternehmen angestrengt, die auf Zurücknahme der fristlosen Kündigung mangels Beweisen lautet.