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01.02.1991 - 

EG verliert gegenüber Japan und USA weiter an Boden

EIC-Präsident fordert einheitliche Strategie für Europas IT-Branche

PARIS (IDG) - Die europäische Computerindustrie kann nach Meinung von Abel Farnoux, dem Präsidenten des Marktforschungs-Unternehmens Electronics International Corp. (EIC), nur dann überleben, wenn die Verantwortlichen sich entschließen, Komponenten vor allem bei europäischen Firmen zu kaufen. In einem Interview mit der CW-Schwesterpublikation "Le Monde Informatique" verlangte er außerdem eine europäische Industriepolitik für diesen Bereich.

In ihrer jährlichen Analyse des weltweiten Elektronik-Marktes kommt die EIC zu dem Schluß, daß Europa besonders bei Computern und Halbleitern, verloren hat. Elektronik-Unternehmen der Alten Welt, die 1990 rund 19 Prozent des Weltbedarfs produzierten, kontrollieren demnach nur noch jeweils zehn Prozent des weltweiten Rechner- und Chip-Marktes, obwohl Europa allein 30 Prozent des Bedarfs repräsentiert.

Zur Lösung des Problems schlägt Farnoux eine europäische Politik vor, die den heimischen Unternehmen eine Überlebenschance bietet: "In den vergangenen 20 Jahren hat uns Japan gezeigt, daß ein Land mit stabiler Währung, mit entsprechender Kultur und einem adäquaten Heimmarkt tun kann, was es will, sobald die industriellen Ziele politisch definiert worden sind." Nicht von ungefähr habe sich die japanische Handelsbilanz seit 1982 ununterbrochen positiv entwickelt.

Die Früchte von 15 Jahren Arbeit

So sei Japan heute auf dem Elektronik-Sektor überaus erfolgreich, obwohl es praktisch bei Null angefangen hätte. Aber 15 Jahre entschiedene und kontinuierliche Anstrengungen trügen nun ihre Früchte. Der EIC-Studie zufolge produzierte Nippon im vergangenen Jahr 25 Prozent des Weltbedarfs, was nicht zuletzt drei japanischen Unternehmen einen Platz unter den sechs größten der Welt eingebracht habe.

Als ersten Schritt schlägt der EIC-Präsident vor, die europäische Industrie zu schützen, weil sie eine Branche repräsentiere, die pro Jahr weltweit um mehr als zehn Prozent wachse. Die Ursache für das schwache Abschneiden der heimischen Unternehmen liegt für Farnoux zum einen in der "Überdiversifizierung" der Rechnerhersteller und in der mangelhaften Unterstützung der Halbleiter-Produzenten. Ein Programm wie Jessi kann seiner Meinung nach den Trend allein nicht umkehren. Vielmehr hätten die Japaner den Kampf um Anteile am Halbleiter-Markt auch deswegen gewonnen, weil dort ein Produzent von Fertiggeräten nie auf den Gedanken kommen würde, Komponenten von ausländischen Lieferanten zu beziehen. Europa habe es hingegen - genauso wie die USA - versäumt, sich eine solche Regel zu eigen zu machen. Erst wenn europäische Firmen prinzipiell ihre Halbleiter bei heimischen Herstellern kaufen würden, könne diese Situation auch mit Hilfe von Programmen wie Jessi geändert werden.

Für Farnoux ist es aber noch nicht zu spät: "Genauso wie Europa die Verantwortung für seine östliche Hälfte wahrnehmen muß, ist es dringend erforderlich und gerade noch zur rechten Zeit, daß Europa eine Strategie zum Wiedererstarken der eigenen elektronischen Industrie definiert und umsetzt."