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07.04.1977

Eigenbrötelei der Ressorts ohne den EDV-Chef?

Diesmal ein "Thema der Woche", das als "Hilferuf der Anwender" verstanden werden soll: Selten mußten wir so viele Klagen hören, wie bei den Recherchen zu dieser Frage. Der Anruf eines Betroffenen brachte den Stein ins Rollen - wir haben offensichtlich in ein Wespennest gestochen.

Daß dezentrale Insellösungen im Unternehmen von Fall zu Fall ganz sicher die günstigere Losung sind, soll hier nicht angezweifelt werden - zur Diskussion steht das Verkaufsverhalten mancher MDT-Hersteller. Ist es in unserer heutigen Zeit, wo der EDV-Anwender danach strebt, mündig zu werden, tatsächlich nötig, EDV-Systeme "an der Hintertür" zu verkaufen? Kann der Leiter der zentralen Datenverarbeitung umgangen werden, indem gewiefte Vertriebsbeauftragte ganz bewußt versuchen, der Fachabteilung "eigene Lösungen" aufzuschwatzen? Hierzu drei Stellungnahmen:

Dipl.-Kfm. Wolfgang Werner Direktor und Leiter des Bereiches Organisation und Datenverarbeitung, Maizena Gesellschaft mbH, Heilbronn

Kommt Häschen (sprich User) zum EDV-Chef: Hattu MDT?... Den Rest kennen Sie. User schafft MDT-Anlage an, ohne EDV-Chef zu fragen.

Das Thema löst kein besonderes Erstaunen aus, wenn man davon ausgeht, daß in vielen Unternehmen immer noch konzeptionslos organisiert wird und großrechnerfixierte EDV-Chefs ein- gestörtes Verhältnis zur Umfeldorganisation haben.

Wenn dann auch noch die Kommunikation versagt (wie kann denn so etwas unbemerkt passieren?), ziehen Fachabteilungen den für sie einzig möglichen Schluß: (...)lich des Wartens auf Hilfe müde geworden, nehmen sie die Sache selbst in die Hand. Ja, Herrschaften, da muß man raus aus dem selbstgewählten Bit- und Byte-Abseits der EDV-Schmollecke und hingehen in die Diaspora zum User (Kunde gefällt mir besser). Gute Kontakte zu den Fachbereichen pflegen, den Beweis erbringen, daß man Probleme auch ohne EDV lösen kann. Vor allem Alternativen aufzeigen.

Wer staunt denn da noch, daß es fast immer eine noch wirtschaftlichere Lösung gibt.

"Na so 'ne einfache Lösung hätte ich natürlich auch anbieten können." Schon gehört solche Bemerkungen?... Denkste; hätte der nicht. Seine Grundeinstellung hindert den Typ nämlich daran, mit dem MDT-Berater überhaupt ernsthafte Gespräche zu führen. (Vielleicht mußte er auch gerade ein neues Release generieren.)

Den ersten Schritt muß der beleidigte, weil übergangene EDV-Chef bitte recht schön schon selber machen.

Hic transit gloria EDV

Joachim Zierau, Leiter der Datenverarbeitung und Organisation Neunkircher Eisenwerk AG,

Neunkirchen

Über die Notwendigkeit des Einsatzes dezentraler Rechensysteme kann man heute nicht mehr streiten. In Unternehmen mit einer bestimmten Größenordnung ist es oft ein Muß, mit dezentralen Stand-Alone-Systemen zu arbeiten. So werden in unserer Firma über 20 dezentrale Rechner unterschiedlicher Hersteller eingesetzt. Einsatz und Installation dieser dezentralen Anlagen erfolgten nach Unternehmens- oder Anwendungsprioritäten unter Berücksichtigung entsprechender Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen. In allen diesen Fällen hat sich herausgestellt, daß die dezentrale Lösung sinnvoller war als die Verarbeitung im Zentralrechner.

Der Einsatz solcher MDT-Systeme muß - das gilt auch für Mini- und Mikrocomputer - zentral gesteuert und überprüft werden. Alle Investitionsanträge lauten im Rahmen des Antragsverfahrens über die zentrale Datenverarbeitung und Organisation. So ist sichergestellt, daß diese Investitionen koordiniert verlaufen und daß keiner "sein Süppchen vor sich hin kocht", also beispielsweise Daten mehrfach erfaßt werden oder andere Doppelarbeiten erfolgen. Auch muß verhindert werden, daß Insellösungen entstehen, die später in keinen integrierten Ablauf passen.

Verkäufern von MDT-Systemen kann man keinen Schwarzen Peter zuschieben, wenn sie versuchen, wirklich zu verkaufen. Um derartiges "Übergehen" zu vermeiden, sollte der EDV-Chef seinem Management klarmachen, daß er bei solchen Entscheidungen hinzugezogen werden muß. Wenn tatsächlich in einer Fachabteilung MDT-Computer installiert werden, und der EDV-Leiter ist der Meinung, durch die Verarbeitung in der zentralen EDV wäre diese Lösung billiger zu erreichen, und er kann das auch beweisen, wird er durchsetzen können, daß vor weiteren Investitionen seine Zustimmung eingeholt wird. In jedem großen Unternehmen gibt es heute Verfahrensrichtlinien zur Vorbereitung, Beantragung, Bewilligung und Kontrolle von Investitionen, in denen festgehalten werden sollte, daß für die Planung aller büroorganisatorischen Investitionen (Büroeinrichtungen, Büromaschinen, EDV-Anlagen, Computer, Datenerfassungsgeräte etc.) grundsätzlich vor Einreichen der Antragsunterlagen die Zustimmung des Leiters der Organisation und EDV erforderlich ist, unabhängig von der Investitionssumme. Somit können keine MDT- oder andere Systeme angeschafft werden, ohne daß eine zentrale Koordination erfolgt. Ob diese Koordination durch den Leiter der EDV erfolgt oder eine andere Stabsstelle des Hauses, spielt letztlich keine Rolle, wichtig ist, daß sachverständig koordiniert wird.

Dipl.-Kfm. Rodger H. Greve, Greve, Kappmeyer & Graeber, Unternehmensberater BdU, Saarbücken

Die EDV-Puritaner in der Funktion "Leitung, Organisation und Datenverarbeitung" glauben immer noch, das Rechenzentrum sei der Nabel der Unternehmensorganisation. Sie wundern sich wenn dezentral kleine Computer installiert werden für Aufgaben, die von der zentralen Datenverarbeitung bisher nicht berücksichtigt wurden. Ist es wirklich verwunderlich? Aus der Sicht mancher Organisationseinheiten (bis zur Größe einer Abteilung oder einer eigenständigen Betriebsstätte) bestimmt nicht! Ihre berechtigten Wünsche nach schnellerem Informationsumschlag oder sogar nach Rationalisierung der eigenen Arbeit wurden vom Rechenzentrum immer wieder abgelehnt (die bekannten Gründe...). So wächst die Datenverarbeitung dezentral: kleine Computer und Software zu oft niedrigeren Preisen als die bisherige Kostenbelastung, und man hat die eigenen Probleme gelöst. Nein, verwunderlich ist dieses Vorgehen nicht, aber auch nicht zu empfehlen. Ob zentral oder dezentral - das ist eine Frage der Organisationsstrategie der Untemehmensleitung und darf nicht der Taktik einzelner Organisationseinheiten überlassen bleiben. Die Informationstechnologie ist heute ausreichend flexibel, um Organisation wieder an Aufgaben und Menschen zu orientieren und nicht allein auf das Rechenzentrum (closed shop!) auszurichten.