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08.01.1999 - 

Eigene Produktgruppe wird wieder eingegliedert

Eigene Produktgruppe wird wieder eingegliedert Compaqs leiser Rückzug aus dem Netzgeschäft

MÜNCHEN (CW) - Einen Abschied auf Raten aus dem Geschäft mit Netzkomponenten vollzieht die Compaq Computer Corp. So jedenfalls interpretieren Marktbeobachter die Reintegration der 1996 gegründeten Communications Products Group in andere Unternehmensbereiche.

Fehleinschätzung des Marktes, Probleme im Management und eine falsche Händlerstrategie haben nach Einschätzung von Experten dazu geführt, daß der PC-Multi seine Aktivitäten im Netzmarkt drastisch zurückfährt. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, löst Compaq zum 1. Januar die 1996 eigens gegründete Gruppe für Kommunikationsprodukte auf und bringt große Teile der Netzressourcen in Computer- und Servicedivisionen ein. Die Produktion von Netzkomponenten wird demnach beendet, Entwicklergruppen werden aufgelöst.

Bei Compaq ist hingegen lediglich von einer Reorganisation der Networking-Sparte die Rede. John Ardini, Vice-President der Division Network and Access Communications (NAC), erklärte, Teile dieser Sparte würden in andere Produktgruppen eingebracht. "Die NAC-Division bleibt weiter bestehen, aber sie wird kleiner sein", so der Manager. Die Reorganisation bedeute durchaus nicht, daß sich Compaq aus dem Netzwerkmarkt zurückziehe. Ziel des Vorhabens sei es, den Kunden durch die Zusammenführung von Computer- und Netzprodukten integrierte Lösungen anbieten zu können.

Tom Nolle, President des Netzwerk-Beratungshauses Cimi Corp. im US-Bundesstaat New Jersey, beurteilt das Argument, Synergien nutzen zu wollen, kritisch. Über die Anschaffung von Hardware- und Netzwerkprodukten werde in Unternehmen meistens separat entschieden.

"Es ist die Ausnahme, daß die Käufer von Servern dieselben sind wie die von Netzwerkausrüstung", so der Manager. Das sei auch der Grund dafür, daß keiner der führenden Networking-Anbieter auch Computer fertige. Umgekehrt täten sich die Netzwerkdivisionen etwa von IBM und Hewlett-Packard schwer am Markt.

Compaqs Engagement im Networking-Geschäft begann bereits 1995. Damals kauften die Texaner die Thomas-Conrad Corp., einen Anbieter von Hubs und Ethernet-Switches, sowie die Networth Inc., Hersteller von Switching-Produkten. Im Frühjahr 1997 folgte die Übernahme von Microcom Inc., einem Hersteller von Modem- und Fernzugriffssoftware. Um die Netzaktivitäten weiter zu stärken, hatte Compaq im Juni 1996 die Communications Products Group gegründet.

Im Rahmen einer strategischen Allianz mit Intel planten die Texaner außerdem, Forschungs- und Entwicklungsprojekte für schnelle Netzprodukte zu betreiben. "Wir sind sicher, daß diese Zusammenarbeit die Kräfteverhältnisse im Netzwerkmarkt nachhaltig verändern wird", hatte Alan Lutz, Senior Vice-President und General Manager der Communications Products Group, seinerzeit verkündet (siehe CW 39/97, Seite 1).

Hat Compaq den Markt falsch eingeschätzt?

Von diesem ehrgeizigen Vorhaben scheint nicht mehr viel übriggeblieben zu sein. Zwar hat Compaq mit Digital Equipment ein Unternehmen aufgekauft, dessen Produkte im Netzbereich einen guten Namen haben - kurz zuvor hatte sich jedoch Cabletron eben diesen Bereich für 430 Millionen Dollar einverleibt. Ein breit angelegtes OEM-Abkommen soll nun den Vertrieb von Cabletron-Netzprodukten zusammen mit Compaq-Servern ermöglichen. (siehe CW 41/98, Seite 1). Bislang erweist sich diese Allianz aber als wenig erfolgreich. Cabletron mußte für das dritte Quartal 1998 Verluste melden und machte unter anderem auch die schleppenden Verkäufe des texanischen Vertriebspartners dafür verantwortlich.

Nicht wenige Marktbeobachter meinen, Compaq habe den Networking- Markt von Anfang an falsch eingeschätzt. Der Hersteller konzentrierte sich zunächst in erster Linie auf Netzprodukte für kleine und mittelgroße Unternehmen. Das Wachstum in diesem Segment blieb jedoch deutlich hinter den Erwartungen zurück. Offensichtlich hinkten die Texaner auch der technischen Entwicklung im Netzgeschäft hinterher. Zu einer Zeit, als etwa Cisco oder 3Com bereits mit modernen Switching-Produkten für mittlere Betriebe auf den Markt kamen, begann Compaq gerade erst damit, die älteren Router-Systeme feilzubieten.

Auch die angestammte Händlerschaft konnte Compaq offenbar nicht in ausreichendem Maße für seine Netzprodukte gewinnen. Jonathan Katz etwa, President der Omnitec Corporate Solutions, eines Vertriebsunternehmens für Computer- und Netzprodukte, sieht keine Notwendigkeit, neben Compaq-Computern auch Netzprodukte des Anbieters zu verkaufen: "Sie haben nichts, was andere Unternehmen nicht auch anbieten."

Auch im personellen Bereich konnte Compaq von den einschlägigen Akquisitionen nicht im gewünschten Maße profitieren. Hochrangige Manager und Ingenieure von Microcom und Networth verließen nur wenige Monate nach der Übernahme durch die Texaner das Unternehmen, um eigene Firmen zu gründen. Auch in der 1994 gegründeten Network Division hielten es die Führungskräfte nicht lange aus. Nach dem Kauf von Networth trat Compaqs Vice-President für die Netzsparte, Doug Pushard, zurück.

Sein Nachfolger, der ehemalige Northern-Telecom-Manager Alan Lutz, warf nach 20 Monaten das Handtuch, um zu Newbridge Networks zu wechseln.