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28.03.1986 - 

Das CeBIT-Experiment ist noch nicht zu Ende:

Eigenes Gesicht gesucht

Das "Handelsblatt" (Nr. 56/ 1986) setzt sich kritisch mit dem Thema "Messeteilung in Hannover" auseinander:

In den Premieren-Beifall, den sich die Messe-Direktion und die Teilnehmer an der CeBIT für Büro-, Informations- und Kommunikationstechnik selber spendeten, mischten sich zu guter Letzt doch noch einige mißbilligende Pfiffe. Der Zentralverband der Elektrotechnischen Industrie merkte am Ende der acht Messetage kritisch an, trotz beachtenswerter Geschäftserfolge in manchen Teilgebieten hätten die Hersteller konsumnaher Produkte der Mikroelektronik besonders stark gespürt, daß branchenübergreifende Begegnungen in diesem Jahr nicht wie erhofft stattfanden. Ursprüngliche "Industriebesucher", die früher auch in das CeBIT gegangen seien und dort spontan orderten, habe es nicht mehr in diesem Maße gegeben, wodurch eine Reihe von Herstellern und Anbietern nicht unerhebliche Geschäftseinbußen erlitten hätten.

Hinter den Kulissen soll es einigen Streit über die vom ZVEI deutlicher als beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau und beim Bundesverband Vertriebsunternehmen Büro-Informations- und Kommunikationstechnik herausgestellten Schwachpunkte der erstmals losgelöst von der traditionellen Hannover-Messe veranstalteten CeBIT gegeben haben. Dabei wurde der Vorwurf laut, die Messeleitung habe die Stellungnahme des Verbandes zu unterdrücken versucht.

Freilich sparten auch die anderen Verbände wie auch die Aussteller nicht mit dem Hinweis, daß die CeBIT ihre endgültige Form noch nicht gefunden habe und Nachbesserungen in der Konzeption wie in der Organisation auf jeden Fall notwendig seien. Am stärksten wurde allenthalben der "Synergie-Effekt" vermißt, der in früheren Jahren der Computerbranche die Entscheidungsgewaltigen aus der Investitionsgüterindustrie quasi hereinwehte. Die Veranstalter meinen selbst daß die richtige Ausformung der CeBIT noch nicht gefunden ist und daß es wohl noch zweier Jahre bedarf, bis die Informatik-Messe ihren eigenen Charakter gefunden haben wird.

Zu den Erfahrungen der diesjährigen CeBIT gehört, daß die räumliche Vergrößerung der Ausstellung viele Firmen vor Probleme stellte, die sie eigentlich nicht erwartet hatten. Selbst große Unternehmen wie Siemens klagten darüber, daß zu wenig Kunden zu ihren abseits in den weiter entfernt gelegenen Hallen eingerichteten Ständen gefunden hätten. Und das, obwohl dort Personal Computer, Automatisierungstechnik und Nachrichtentechnik zu besichtigen waren, die auf der Veranstaltung besonders gut im Trend lagen. Von einer besseren Plazierung im Besucherstrom hätte sich die Gesellschaft doch mehr Aufträge erwartet. Dabei war es gerade das Gedränge der früheren Jahre gewesen, dem die Computerindustrie hatte ausweichen wollen, zumal es sich herausgestellt hat, daß die Qualität des Publikums mit einem Fachbesucheranteil von über 90 Prozent doch erheblich zugenommen hat.

Die Zweiteilung der Hannover-Messe, die aus allen Nähten zu platzen drohte, war von vornherein ein umstrittenes Experiment, und die Diskussion, in welcher Weise es fortgesetzt werden soll, wird anhand der gewonnenen Erfahrungen jetzt erst richtig beginnen. Sicher kommt es bei der Beurteilung nicht darauf an, "die Köpfe zu zählen, sondern ihr Gewicht zu messen".