Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

Leben mit der ständigen Unsicherheit


05.03.2004 - 

"Eigentlich hat man es nie so richtig geschafft"

Ob Ich-AG oder Freiberufler - der Weg in die berufliche Selbständigkeit birgt viele Risiken. Die Unternehmensberaterin Sabine Smentek erklärt in ihrem Erste-Hilfe-Handbuch für Kleinunternehmen und Selbständige gängige Fehler und vor allem, wie sie vermeidbar sind. In einem Gespräch mit CW-Redakteurin Ingrid Weidner erläutert sie die Herausforderungen der beruflichen Selbständigkeit.

CW: Sie beraten seit zehn Jahren Existenzgründer und kleinere Unternehmen. Was sind typische Anfängerfehler?

SMENTEK: Die erste Krise droht oft schon mit der Unternehmensgründung. Einige stolpern förmlich in die Selbständigkeit hinein, ohne sich einen genauen Zeitplan zu erstellen. Andere sind schon in finanziellen Schwierigkeiten, bevor sie ein marktreifes Produkt haben.

CW: Was empfehlen Sie Interessenten, die den Weg in die berufliche Selbständigkeit wagen möchten?

SMENTEK: Am Anfang steht eine fundierte Marktanalyse und Recherche, die folgende Fragen beantworten sollte: Wer sind die zukünftigen Kunden? Welche Konkurrenten gibt es? Der Zeitplan, bis sich das neue Unternehmen rechnet, ist meistens zu knapp gewählt. Oft empfehle ich, den Termin der Gründung um drei Monate nach hinten zu verschieben, denn das Produkt oder die Dienstleistung sollte wirklich verfügbar sein. Ich rate dringend davon ab, nur aus einer Not heraus den Weg in die Selbständigkeit zu wählen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder voreilig zu kündigen. Eine Zeit lang zweigleisig zu fahren und neben der Berufstätigkeit die eigene Firma aufzubauen ist ein guter Testlauf, um seine eigene Belastbarkeit auszuloten.

CW: Eine solide Finanzierung stellt eine weitere Hürde dar. Ist es heute schwieriger, an Kredite zu kommen?

SMENTEK: Manche Gründer schlittern sehr schnell in ihre erste finanzielle Krise. Aus einer falsch verstandenen Moral heraus - "Ich mache keine Schulden" - finanzieren sie auch größere Anschaffungen aus den laufenden Einnahmen; das Geld fehlt ihnen dann in der Kasse. Andere drücken sich durch hohe Kreditraten selbst die Luft ab. Für die richtige Finanzierung sollten Gründer die bestehenden Beratungsangebote nutzen. Auch heutzutage bewilligen die Banken noch Kredite, wenn Interessenten einen vernünftigen Business-Plan vorlegen. Aber es ist nicht mehr so einfach wie vor fünf Jahren.

CW: Gibt es Eigenschaften, die ein Gründer mitbringen sollte?

SMENTEK: Wer den Schritt in die berufliche Selbständigkeit wagt, sollte in der Lage sein, mit ständiger Unsicherheit zu leben. Es kommt nämlich nie der Zeitpunkt, an dem man sagen kann: "Ich habe es geschafft." Von den persönlichen Voraussetzungen her kommen Leute besser mit dieser Unsicherheit klar, die neugierig, risikofreudig, offen und unverkrampft sind. Gründern sollte es Spaß machen, ihr Produkt zu verkaufen. Manche leben mit dem Trugschluss, ihre Idee sei so genial, dass die Kunden schon von alleine kämen. Das kann sich fatal auswirken. Wer kein Interesse am Vertrieb hat, aber ein guter Tüftler und Erfinder ist, sollte sich deshalb mit jemandem zusammentun, der gerne verkauft und auf Kunden zugehen kann.

CW: Gibt es Alarmsignale, an denen sich Gründer orientieren können, um rechtzeitig die Notbremse zu ziehen?

SMENTEK: Es ist wichtig, sich Umsatzziele zu setzen, also Einnahmen und Ausgaben zu planen. Werden die Umsatzziele drei Monate hintereinander nicht erreicht, braucht es keinen Unternehmensberater, um festzustellen, dass es strukturelle Probleme gibt. Dann muss gehandelt werden, um das Schlimmste zu verhindern. Das bedeutet auch, eigene Fehler zu korrigieren.

CW: Verfügen Jungunternehmer über genügend kritische Distanz, eigene Fehler einzugestehen?

SMENTEK: Krisen rechtzeitig zu erkennen ist ein echtes Problem, denn andere Schuldige lassen sich leicht finden. Da sind blöde Kunden, die fiese Konkurrenz oder auch die Politik. Erfolgreiche Unternehmer dürfen nicht in diese Falle tappen, denn Branchenzyklen gibt es immer. Sie müssen wach sein, den Markt genau beobachten und entscheidungsfreudig sein, keinesfalls zu zweifelnd oder abwartend.

CW: Was raten Sie Ihren Klienten in Krisen?

SMENTEK: Wichtig ist es, rechtzeitig zu handeln. Manchmal kann das auch die Unternehmensaufgabe bedeuten, weil es für die Firma keine Zukunft mehr gibt. Die Chancen, einen Job nach der Unternehmensaufgabe zu finden, sind nicht so schlecht. Schließlich kann man die Erfahrung der unternehmerischen Tätigkeit vorweisen. Und wirtschaftlich denkende Menschen werden gesucht.

Buch-Tipp

Sabine Smentek/Dörte Behrmann: Das Erste-Hilfe-Handbuch für Kleinunternehmen und Selbständige. Wie Sie auch schwierige Zeiten überleben. Eichborn, Frankfurt am Main, 2003. 206 Seiten, 19,90 Euro.