Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

30.05.1975

"Eigentlich hat sich nur der Preis geändert"

Mit Otto Paul, EDV/Org.-Leiter der DER-Deutsches Reisebüro GmbH - sprach CW-Chefredakteur Dr. Gerhard Maurer

- Bis zum April 1974 hatten Sie zwei Jahre lang Ihre 370/145 bei IBM gemietet, seither ist sie ein Jahr bei der CIG geleast. Was hat sich für Sie geändert?

In erster Linie hat sich der Preis geändert. Ansonsten haben wir die gleiche Anlage, - und die läuft vorzüglich.

- Sie haben Ihren Schritt, ins Leasing zu gehen, also noch nicht bereut?

Im Gegenteil, ohne das Leasing wären wir nicht zu der jetzigen Konfiguration gekommen, - bei Beibehaltung unseres vorherigen Budgets.

- Ihr Ziel war also, Kapazitätserweiterung ohne zusätzliche Kosten.

Genau. Im Jahre 1973 ergab sich, daß wir unsere Anlage erweitern mußten. Unser Ziel war, eine Erweiterung ohne zusätzliche Kosten durchzuführen.

- Was war damals installiert?

Wir hatten seinerzeit eine 370/145 mit 160 K, mit sechs Plattenlaufwerken 2319 und vier Bandlaufwerken 3420, 120 KB, ferner Kartenleser, Kartenstanzer, ein Drucker. Wir konnten klar erkennen, daß wir mit dieser Konfiguration auf Dauer gesehen nicht auskommen würden.

- Im Regelfall stellt man dann beim Vorstand einen Antrag auf ein höheres Budget.

Wir sind ja eine Art Service-Rechenzentrum. Wir müssen scharf auf Kosten achten, weil wir Dienstleistungsarbeiten für das Reisebüro-Gewerbe durchführen und unseren Kunden Preise bieten wollen, die zumindest nicht über denen anderer Rechenzentren liegen, - wenn es geht, darunter. Ich hatte mir also freiwillig das Ziel gesetzt, mit dem vorhandenen Budget eine Anlagenerweiterung durchzuführen.

- Woher kamen die Denkanstöße ?

Es war damals gerade die Zeit, in der sehr viel über Kostenbewußtsein geschrieben wurde. Die Leasing-Gesellschaften selbst haben viel annonciert und auch von seiten der Geschäftsführung wurde öfters auf solche Schriften hingewiesen.

- Als dann der Entschluß gefaßt war, die Möglichkeiten des Leasings zu überprüfen, haben Sie ja nicht einfach Briefe verschickt, sondern hatten eine Strategie.

Es erscheint mir als sehr wichtig, darauf hinzuweisen, daß man nicht ohne Ziel und Konzept in diesen Markt einsteigen sollte. Wir sind folgendermaßen vorgegangen: Wir haben uns zirka 15 Leasing-Gesellschaften herausgesucht, haben unsere damalige Konfiguration aufgeführt und auch detailliert die Anlage, wie wir sie haben wollten. Wir baten die Firmen, uns Angebote darüber zu unterbreiten, ob sie in der Lage sind, uns genau diese Anlage anzubieten.

- Sie haben also nicht gefragt: "Was habt Ihr?", sondern gefordert: "Bitte, was kostet das, was wir wollen."

Ich wußte genau, was wir wollten. Das Echo war zunächst sehr schwach, wir mußten nachhaken, aber dann bekamen wir doch zwei sehr interessante Angebote.

- Was steht denn heute im DER-Rechenzentrum ?

Wir haben die gleiche CPU wie seinerzeit 1972 von der IBM angemietet. Dies war auch eine Bedingung, weil wir diese CPU behalten wollten, mit der wir sehr zufrieden waren. Wir haben nach wie vor 160 K die von IBM stammen. Zusatz-Hauptspeicher sind 224 K von CMI, des weiteren sind jetzt angeschlossen sechs Laufwerke 3330 von BASF, sowie sechs Bandlaufwerke 3420 mit 320 KB, ebenfalls von BASF, ferner noch ein zweiter Drucker 1403.

- Was kostet die Konfiguration und was sparen Sie?

Wir zahlen zur Zeit für diese Anlage 960 000 Mark jährlich, für die gleiche Anlage reinrassig von IBM würden uns Mehrkosten von 260 000 Mark jährlich entstehen.

- Jetzt kommt natürlich der Einwand: Wie lange ist die Laufzeit Ihres Vertrages?

Die Laufzeiten sind gestaffelt. Wir haben die CPU für sechs Jahre angemietet, die Bandlaufwerke für fünf Jahre und die Plattenlaufwerke für vier Jahre.

-Warum nicht alles einheitlich?

Ich bin davon ausgegangen, daß die CPU für uns mit den gegebenen Möglichkeiten für die nächsten sechs Jahre ausreichen wird. Wir glauben, daß es nicht richtig ist, immer die neuesten Einheiten zu installieren, ohne vorher alle Möglichkeiten, die das alte System bietet, voll auszunutzen. Ich glaube, daß auch die Möglichkeiten der 145 - heutzutage aufrüstbar bis 2 Megabyte - noch lange nicht voll ausgenutzt sind. Wir haben uns den Markt betrachtet. Die 360-Serie, die ja schon seit 1965 auf dem Markt ist, wird heute noch von Leasing-Firmen für mehrere Jahre vermietet. Wir liegen mit einer Vertrags-Zeit von sechs Jahren sicherlich nicht verkehrt.

- Warum die kürzeren Laufzeiten bei der Peripherie?

Es hat sich gezeigt, daß die Entwicklung bei der Peripherie stürmischer ist als bei den Zentraleinheiten. Man sollte sich wie wir bei Abschluß von Leasing-Verträgen ein Tauschrecht vorbehalten.

Wir haben mit unserer Leasing-Firma vereinbart, daß wir jederzeit diese Einheiten gegen neuere aus dem Angebot der Leasing-Firma ersetzen können.

- Sie haben also IBM-CPU, CMI-Hauptspeicher und von BASF Platten und Bänder. Bringt das nicht ein ganz erhebliches Risiko? Wie steht es um die Schnittstellen?

Zunächst muß einmal gesagt werden, daß wir es nur mit einem Vertragspartner zu tun haben. Die Leasing-Gesellschaft hat für uns das gesamte Paket zusammengestellt und es gab für uns nur eine einzige Unterschrift. Anders ist es bei der Wartung. Hier haben wir mit den verschiedenen Herstellern Wartungsabkommen abgeschlossen.

- Gibt es nicht das Problem, daß bei Störungen jeder die Schuld auf den anderen schiebt?

Durch die heutigen Diagnostik-Programme ist an und für sich jeder Hersteller in der Lage, sehr schnell festzustellen, in welchem System die Fehler aufgetreten sind.

- Die Einsparungen sind erheblich, das System läuft zufriedenstellend. Haben Sie denn nun gar keine Sorgen und Probleme gehabt?

Ganz so reibungslos ging es auch bei uns nicht. Es erscheint mir zum Beispiel sehr wichtig, darauf hinzuweisen, daß man sich Lieferzeiten und Termine garantieren lassen sollte.

- Was für Probleme gab es denn bei Ihnen?

Wir hatten bei der Anlieferung der Plattenlaufwerke und auch des Speichers echte Probleme, da die mit der Leasing-Gesellschaft vereinbarten Liefertermine nicht eingehalten wurden. Wir hatten die installierten IBM-Geräte bereits gekündigt, hatten auch unsere neuen Anwendungsgebiete bereits aufgrund der neuen Peripherie terminiert und standen plötzlich vor der Situation, daß wir aufgrund der nicht eingehaltenen Termine unsererseits ebenfalls zugesagte Zeiten nicht halten konnten.

- Wie lange dauerte dieses Fiasko?

Bei der Installation der Plattenlaufwerke knapp zwei Monate und bei der Installation des Speichers dauerte die Verzögerung fünf Monate, wir bekamen schließlich einen anderen Speicher als die Leasing-Firma zunächst vorgesehen hatte.

- Den Lesern wird es bei dieser Aussage kalt über den Rücken laufen.

Unser System ist deswegen nicht gleich zusammengebrochen. Kollegen brauchten erst gar nicht in diese Situation zu kommen, wenn Lieferzeiten und Termine dergestalt garantiert werden, daß eventuell die Erstattung der Differenz zur höheren Herstellermiete von der Leasing-Gesellschaft getragen wird. Man könnte auch Konventionalstrafen vereinbaren. Die Leasing-Gesellschaften sind durchaus bereit, ins Obligo zu gehen. Man sollte solche zusätzlichen Vereinbarungen auf separaten Vertragsanlagen festlegen, wobei hierbei noch einmal auf die Möglichkeit des frühzeitigen Austritts, des Tauschrechts und der Kaufoption hingewiesen werden sollte.

- Wie war denn die Reaktion im Management auf Ihre Vorschläge?

Ich konnte die Geschäftsführung davon überzeugen, daß in der langfristigen Anmietung für uns kein Risiko liegt. Außerdem standen ja 260 000 Mark auf der anderen Seite dagegen.

Otto Paul (37)

ist seit knapp 20 Jahren in der EDV tätig. 1968 kam er zur Deutschen Reisebüro GmbH (Tochterunternehmen der Bundesbahn), wo er ein Jahr später die Abteilung EDV/Organisation übernahm, die heute sechzig Mitarbeiter zählt. Eine seiner ersten Taten war es für die damalige IBM 360/30 Mixed Hardware zu installieren.

Im DER-Rechenzentrum, das für etwa 800 Reisebüros arbeitet, ist heute eine IBM 370/145 (DOS/WS) installiert, die mit Mixed Hardware ausgestattet ist und auf der verschiedene Fremd-Software-Pakete (Grasp, TP-Monitor TICS) gefahren werden. Paul: "Aufgabe eines EDV-Leiters ist nicht allein, daß seine Anlage läuft, sondern auch, daß sie kostengünstig läuft."