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14.12.2001 - 

Vorerst nur Nischenanwendungen in Sicht

Eignet sich Peer-to-Peer für Unternehmen?

MÜNCHEN (ws) - Seit einiger Zeit versuchen Hersteller, P-to-P-Technologien für den professionellen Einsatz fruchtbar zu machen. Naheliegend sind Groupware-Anwendungen wie "Groove" des Notes-Erfinders Ray Ozzie.

Als einer der ersten großen Softwareanbieter begann die IBM-Tochter Lotus vor drei Jahren, mit "Sametime" P-to-P-Technologien in "Notes" zu integrieren. Mittlerweile zog Hauptkonkurrent Microsoft mit derartigen Funktionen nach. Der "Exchange 2000 Conferencing Server" greift dabei auf die Funktionen des "Windows Messenger" zurück, der seit längerem Teil des Betriebssystems ist. Auch Microsoft bemüht sich um eine enge Verzahnung der P-to-P-Dienste mit "Outlook". So lassen sich beispielsweise aus dem Kalender heraus Einladungen für Chats planen und verschicken.

Auf den ersten Blick scheinen die Instant-Messaging-Funktionen beide Systeme ideal zu ergänzen: Sowohl in Notes/Domino als auch in Exchange beruhen viele Workflow- und Groupware-Funktionen auf der eingebauten E-Mail-Infrastruktur. So werden Benutzer nach Bearbeitung eines Vorgangs oder nach dem Erscheinen eines neuen Beitrags in einem Diskussionsforum üblicherweise auf diesem Weg benachrichtigt. E-Mail als asynchrones Medium stellt es dem Empfänger indes frei, zu einem späteren Zeitpunkt darauf zu reagieren. Das neue Echtzeit-Messaging hingegen zwingt den Adressaten zu einer sofortigen Reaktion, was für bestimmte Anwendungen vorteilhaft sein könnte. Trotz der Marketing-Anstrengungen der beiden Anbieter scheinen sich Unternehmen bei der Nutzung dieser Features aber zurückzuhalten.

Ein Grund für diese geringe Akzeptanz könnte darin liegen, dass der P-to-P-Charakter des Instant Messaging verloren geht, wenn man es in die komplexen Client-Server-Systeme der beiden Anbieter einbindet. Die Betreuung von Notes/Domino- und Exchange-Installationen obliegt wegen ihrer geschäftskritischen Funktionen schon lange der IT-Abteilung. Die durch Spontaneität gekennzeichneten P-to-P-Anwendungen wie Chat, Austausch von Dateien oder Einrichten von Diskussionsforen unterliegen daher zentralen Regularien und Sicherheitsrichtlinien. Auch Entwickler von "ernsthaften" Business-Anwendungen schätzen aufgrund ihres "kulturellen" Hintergrunds die P-to-P-Techniken meist wenig.

Groupware unter zentraler KontrolleNachdem Notes spätestens seit der Übernahme durch die IBM dem Stadium des Groupware-Tools für Abteilungen entwuchs, übernahmen die ersten spontan entstandenen Intranets für Arbeitsgruppen die Aufgabe der Informationsverteilung. Da aber auch Intranets in den meisten Firmen mittlerweile einer zentralen Politik unterliegen, versuchen Anbieter von neuen P-to-P-Tools, in diese Lücke zu stoßen. Dabei überrascht es nicht, dass der Notes-Erfinder Ray Ozzie mit seiner neuen Company Groove Networks (http://www.groove.net) hier seine Chance sieht.

Die gleichnamige Software bietet die typischen Funktionen, die sich Teams für die spontane, projektbezogene Kooperation häufig wünschen. Interessanterweise stimmen diese weitgehend mit jenen überein, die private Surfer aus dem Internet kennen: Austausch von Dateien (etwa "Morpheus" oder "Napster"), Chat (AOLs "AIM" oder Microsofts "MSN Messenger") oder gar Spiele. Hinzu kommen noch ein Gruppenkalender, eine einfache Adressliste, Diskussionsforen, ein Editor für Aufzählungen (etwa für Stichpunkte), Telefonie sowie eine Tafel zum Zeichnen von Skizzen. Groove funktioniert innerhalb des Firmennetzes als reine P-to-P-Lösung und benötigt keinen Server. Soll sich hingegen die Kommunikation über Firewalls hinweg erstrecken, dann bedarf die Software zentraler Services zum Auffinden aktiver User und zur Übermittlung von Daten an alle Rechner einer Gruppe. Auch in Bezug auf die Datenhaltung verfolgt Groove einen durchgängig dezentralen Ansatz und repliziert sämtliche Daten an alle Mitglieder eines virtuellen Arbeitsraumes, von der Firma "Space" genannt. Im Gegensatz zu privaten Tools für den Tausch von Musikstücken verschlüsselt Groove dabei grundsätzlich alle Informationen.

File-Sharing statt File-Server?Gerade diese ausgefeilte Kommunikationstechnik könnte Projektgruppen oder Fachabteilungen vom Nutzen solcher Software überzeugen, auch wenn sie keine prinzipiell neuen Funktionen bietet. Die typische Aufgabe einer P-to-P-Software, das Verteilen von Informationen, könnte zwar notfalls auch ein freigegebenes Windows-Verzeichnis leisten. Dessen Benutzung inklusive Rechteverwaltung ist aber komplizierter und funktioniert nicht über Firewalls hinweg. Außerdem sehen derartige Datengräber keine gemeinsame Bearbeitung von Dateien vor. Bei P-to-P-Lösungen wie Groove öffnet jeder seine eigene Kopie eines Dokuments, die Änderungen werden nach dem Speichern an alle Beteiligten repliziert. Dabei ist die Software schlau genug, Replikationskonflikte zu erkennen und in diesem Fall mehrere Versionen einer Datei vorzuhalten. Weitergehende Ansprüche wie jene nach Check-in und Check-out oder Sperren geöffneter Dokumente kann das Tool indes nicht erfüllen.

Selbstbestimmung von TeamsDie einfache Bedienung und die Kontrolle durch die Benutzer selbst lassen auch Funktionen interessant erscheinen, die innerhalb von Unternehmen oft schon durch andere Anwendungen abgedeckt werden. Dazu zählen etwa Diskussionsforen oder Terminkalender. Deren Einrichtung für einzelne Projekte oder temporäre Arbeitsgruppen erscheint aber bei zentral gewarteten Systemen häufig als zu aufwändig.

Da P-to-P-Anwendungen immer nur das Repertoire der einschlägigen Funktionen bieten, werden sie vorerst in der Unternehmens-DV wohl nur eine Nischenposition einnehmen. Sie empfehlen sich dort für die spontane, projektbezogene Zusammenarbeit nicht allzu großer Teams. Offenbar gibt es für eine "Datenschleuder" vom Schlage Grooves derzeit keine weitere Killerapplikation - der Hersteller hätte sonst das Funktionsangebot nicht mit einem eingebauten Schachspiel oder der Möglichkeit zum gemeinsamen Web-Surfen krampfhaft aufgeblasen. In ihrer Basisfunktion der Datenverteilung konkurrieren P-to-P-Lösungen hauptsächlich mit E-Mail. Die ist zwar weniger sicher und führt bei großen Verteilerlisten schnell zur Unübersichtlichkeit - aber immerhin verschont sie Benutzer von lästigen Chat-Einladungen.

GrooveGroove bietet auf Basis von P-to-P-Technik einige bekannte Groupware-Funktionen. Dazu zählen etwa ein Kalender, Diskussionsforen, Messaging in Form von Chat, gemeinsam nutzbare virtuelle "Schmierzettel" sowie der Austausch von Dateien. Obwohl sich Mail-Nutzer zu einem gewissen Grad einbinden lassen (beispielsweise können Einladungen zu einem Space auf diesem Weg erfolgen), beruht das Kommunikationssystem von Groove primär auf dem synchronen Instant Messaging und den eingebauten Replikationsmechanismen. Damit Mitglieder nicht aus einem Team ausgeschlossen werden, wenn sie gerade offline sind, kann ein Relay-Server die an sie gerichteten Informationen puffern. Dieser übernimmt zusätzlich eine Mittlerfunktion zwischen Rechnern, die in ihrer Kommunikation Firewalls überwinden müssen. Damit Groove nicht nur auf den Wirkungskreis kleiner Gruppen beschränkt bleibt, kann der "Enterprise Integration Server" auch Daten mit zentralen Transaktionssystemen austauschen.