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27.09.1991 - 

Mit den vertrauten Anwendungen in eine neue Umgebung

Ein 8870-Anwender wagt den Schritt in die Unix-Welt

27.09.1991

Die 8870-Rechner der ehemaligen Nixdorf AG haben längst keine Zukunft mehr. Für die Anwender bedeutet das, daß sie sich grundsätzlich neu orientieren müssen. Das mittelständische Produktionsunternehmen Max Spaleck hat sich in dieser Situation für das Unix-Betriebssystem entschieden und fährt jetzt seine vertrauten Anwendungen in der neuen Systemumgebung.

Die Firma Spaleck sichert mit ihren Produkten (siehe Kasten) die Leistungsfähigkeit der Textilindustrie in Bocholt. Um den reibungslosen Arbeitsablauf unter dem hohen Anspruch an Qualität und Technik gewährleisten zu können, bedarf es einer leistungsfähigen und flexiblen EDV.

Das mittelständische Unternehmen arbeitete seit 1983 mit einem 8870-Rechner, Modell 55, von der Nixdorf AG. Für die Textverarbeitung wurde ein ebenfalls von Nixdorf stammendes Textsystem 8840, Modell 45, angeschafft, aber nicht in die bestehende Unternehmens-EDV integriert.

Anfang 1990 zeigte sich, daß vor allem das 8870-System an der Grenze seiner Ausbau- und Leistungsfähigkeit angelangt war. Antwortzeitverhalten und Wachstumsmöglichkeiten ließen immer mehr zu wünschen übrig. Auch die Aufrüstung mit einem Doppelprozessor konnte diesem Mißstand nicht auf Dauer abhelfen. Mit der Software jedoch war das Unternehmen zufrieden.

Ausgehend von diesem Sachverhalt wurde eine Anforderungsliste für eine neue DV-Landschaft aufgestellt:

- Beibehaltung der vorhandenen Anwendungssoftware;

- Gewährleistung der Programmpflege auch nach der Hardware-Umstellung;

- Unabhängigkeit vom Hersteller

Unsicherheit bei der Auswahl des HW-Lieferanten

Die Erfahrung mit den bereits im Hause eingesetzten Unix-Workstations für den CAD-Bereich legten eine Entscheidung für dieses Multiuser-Betriebssystem nahe. Die Workstations könnten dann verhältnismäßig einfach in die neue Systemumgebung eingebunden werden.

Unsicherheit bestand allerdings bei der Auswahl des Hardware-Lieferanten. Er sollte nicht nur den Rechner stellen, sondern darüber hinaus die Weiterentwicklung auf dem Nachfolgesystem sicherstellen. Aus diesem Grund entschied sich Spaleck für einen Lieferanten, der bereit war, die Generalunternehmerschaft zu übernehmen.

Auf diese Weise gab es nur einen Hauptansprechpartner für Hardware, Software und die Umstellung. Außerdem ließen sich die Bocholter die Verbesserung der Verarbeitungsgeschwindigkeit vertraglich zusichern.

Ein Wochenende für die Umstellung

Als die Bedingungen formuliert und akzeptiert waren, konnte Mitte Oktober 1990 ein Unisys System 6000 mit acht MB Hauptspeicher und zwei 340MB-Festplatten angeliefert werden. Sofort machten sich die Spezialisten des Generalunternehmers an die Umstellung der bestehenden Hard- und Software. Es war eine "Wochenendaktion", berichtet Willy Dalhaus, Leiter Finanz- und Rechnungswesen und zugleich zuständig für Organisation und EDV.

Bis auf die Finanzbuchhaltung, Lohn- und Gehaltsabrechnung waren nach wenigen Tagen alle anderen Anwendungsprogramme (Auftragsabwicklung, Fakturierung, Einkauf, Bestellwesen, Materialwirtschaft, Arbeitsvorbereitung, Kalkulation, Fertigungsorganisation) umgestellt und die vorhandenen Daten übertragen. Was nun noch fehlte, waren lediglich einige kleinere Anpassungen von Peripheriegeräten. Wie sich im nachhinein herausstellte, hätte sich die Software für die Lohn- und Gehaltsabrechnungen ebenso rasch übertragen lassen, wenn rechtzeitig ein Spezialist eingeschaltet worden wäre.

Als die Mitarbeiter morgens ins Büro kamen, fanden sie, bis auf die neuen Bildschirme am Arbeitsplatz, die gewohnte Anwendungsoberfläche vor. Die Tastaturbelegung war angepaßt worden, so daß die Arbeit ohne Einweisung wieder aufgenommen werden konnte.

Auch die Ergebnisse der ersten Testläufe zeigten zufriedenstellende Werte. Je nach Anwendungsgebiet ergaben sich Antwortzeiten, die um den Faktor zwei bis fünf kürzer waren als zuvor. "Das verbesserte Anwortzeitverhalten fiel natürlich angenehm auf und nach wenigen Tagen war die neue EDV selbstverständlich in den Arbeitsalltag integriert", resümiert Willy Dalhaus.

Möglich wurde die rasche Umstellung vom 8870-Rechner auf ein Unix-System durch die Migrations-Software Unisurf/Unibasic-N von der Unibasic Computer Service GmbH, Bad Wiessee. Das Produkt entspricht dem vorhandenen Leistungsumfang der 8870-Anwendungen und übernimmt Programme und Daten eins zu eins auf den Unix-Rechner.

Das Vertrauen in die Unix-DV wächst

Dieser Eins-zu-eins-Transfer hat den Vorteil, daß der Anwender nicht umlernen muß, weil ihm die gewohnte Benutzeroberfläche ebenso erhalten bleibt wie der uneingeschränkter Zugriff auf alle - auch selbsterstellten - Programmstrukturen und Funktionen. Auch die über lange Zeit gesammelten Stammdaten werden übernommen. Trotzdem funktioniert das System weiterhin als Unix-Rechner, so daß alle modernen Tools dieses Betriebssystems genutzt werden können.

Die Mitarbeiter, die bisher noch keinen Computer am Arbeitsplatz hatten, erkennen nun immer stärker die Möglichkeiten des DV-Einsatzes, so daß in nächsten Schritten weitere Abteilungen mit Arbeitsplatz-PCs ausgestattet werden.

Besonders positiv macht sich hier die Unix-spezifische Eigenschaft bemerkbar, mit unterschiedlichsten Peripheriegeräten zu arbeiten. So läßt sich beispielsweise mit Hilfe eines Software-Tools ein als Unix-Terminal genutzter PC durch einfaches Umschalten als MS-DOS-Arbeitsplatz benützen.

Bleibt nur noch ein Problem am Rande. Was geschieht mit dem klimatisierten separaten DV-Raum? Die neue Zentraleinheit, die bequem unter einen Schreibtisch paßt, hat ihn überflüssig gemacht.