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15.05.2006

Ein angeschossenes Wild reagiert unberechenbar

Fujitsu Siemens Computers GmbH

Geschäftsführung

Herrn Hans-Dieter Wysuwa

Rathausplatz 3-7

61348 Bad Homburg

Chefredaktion

Tel.: 089 36086-388

Fax: 089 36086-389

E-Mail: dsicking@computerpartner.de

München, 15.05.2006

Sehr geehrter Herr Wysuwa,

in der vergangenen Woche kam es für Ihren Konkurrenten Dell knüppeldick. Erst musste Firmenchef Kevin Rollins seine Gewinnprognose deutlich nach unten korrigieren, dann stellten die Analysten die Strategie von Dell in Frage, daraufhin stürzte der Aktienkurs ab, und zum guten Schluss fiel auch noch die Presse über Dell her.

Von den deutschen Tageszeitungen hat sich besonders intensiv die "Financial Times Deutschland (FTD)" mit dem Thema Dell befasst. Auf der Titelseite der Ausgabe vom 10. Mai widmet das Blatt der jüngsten Entwicklung bei Dell einen ganzseitigen Beitrag mit der Überschrift "Dell nährt Zweifel am Erfolgsmodell". Es folgen im Innenteil eine umfassende Betrachtung des PC-Marktes unter besonderer Berücksichtigung der Rolle von Dell sowie ein Leitartikel. Tenor der gesamten Berichterstattung: Die Strategie von Dell, sich über niedrige Preise Marktanteile zu holen, stößt an ihre Grenzen. Die Konkurrenten habe aufgrund von Kosten- und Logistikoptimierung ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöht und können nun immer stärker dagegenhalten. Die Folge für Dell: Das Unternehmen kann den Preis- und Margenverfall nicht mehr wie gewohnt durch einen höheren Absatz kompensieren, mit den entsprechenden Folgen für Umsatz, Marge und Gewinn.

Der Kommentator der FTD schreibt:

"... die zentrale Stärke Dells wird allmählich zur Achillesferse. Dell verkauft allein über den Preis. Die Strategie funktioniert nur, solange man auch der billigste Anbieter ist. Dells Wettbewerber haben dazugelernt und ihre Kosten gesenkt. Nun zwingen sie dem Branchenführer einen immer härteren Preiskampf auf. Dell hat dem qualitativ wenig entgegenzusetzen."

Nun kann man sagen: Dell bleibt bei Umsatz und Gewinn hinter den Erwartungen zurück, in manchen Regionen sinkt der Marktanteil, der Aktienkurs befindet sich im Sinkflug, die Analysten sind skeptisch, und die Presse liefert schlechte Schlagzeilen - das sind doch alles in allem gute Nachrichten für die Dell-Konkurrenz. Ich halte diese Betrachtungsweise für falsch. Denn Dell ist ein angeschossenes Wild, und so ein angeschossenes Tier ist unberechenbar und gefährlich. Seine Verhaltensweisen werden von Panik bestimmt, Sinn und Verstand der Handlungen sind für Beobachter schwer zu erkennen.

Dell-Chef Rollins hat bereits weitere Preisreduzierungen angekündigt - was auch sonst? Die Wettbewerber haben keine andere Wahl, als darauf zu reagieren, wenn sie konkurrenzfähig bleiben wollen. Tun sie es nicht, verlieren sie Geschäft und Marktanteile, wie Fujitsu Siemens im ersten Quartal dieses Jahres hat spüren müssen, als Sie sich aus dem Gemetzel an der Preisfront herausgehalten haben.

Was lernen wir aus alldem? Wenn es Dell schlecht geht, ist das Unternehmen noch gefährlicher als sonst. Weil Dell nur eine Waffe kennt: den Preis. Da kann man, überspitzt formuliert, aus Sicht des Wettbewerbers fast nur hoffen, dass es Dell gut geht. Ziemlich grotesk, finden Sie nicht?

Mit freundlichen Grüßen

Damian Sicking