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05.12.1975 - 

Datenverarbeitung im Bildungswesen

Ein Begräbnis Erster Klasse

HEIDELBERG - Im Heidelberger Rehabilitationszentrum fand am letzten Donnerstag ein Begräbnis Erster Klasse statt: Rund 50 Wissenschaftler diskutierten Abschlußberichte zum Projekt "DV im Bildungswesen". Über 30 Einzelprojekte hatte der Bundesforschungsminister seit 1970 mit insgesamt rund 60 Millionen Mark gefördert. Gesammelte Erkenntnis: Vorstellungen von gestern, nämlich der Einsatz insbesondere von Großcomputern könne den Unterricht revolutionieren, müssen aus grundsätzlichen, vor allem aber aus Kostenüberlegungen zu Grabe getragen werden

Doch auf dem frisch aufgeschütteten u Grabhügel grünt es schon wieder: Die

Zukunft gehört den Mikro- und Minicomputern. Kleine, preiswerte für computerunterstützten Unterricht (CUU) dedizierte Systeme sind im Anmarsch. Die Kosten pro Schüler und Stunde - heute teilweise noch bei über 20 Mark rangierend - können auf ganze zwei Mark gesenkt werden.

Lernziele verändert

Doch nicht nur die Einsicht, daß DV im Bildungswesen neuartige Geräte nutzen muß, hat sich durchgesetzt. Auch die Lehr- und Lernziele des CUU haben sich gewandelt - und die neuen Zielsetzungen zu kennen, ist das wohl positivste Ergebnis des Millionenaufwandes und der Forschungsaktivitäten der letzten Jahre. Hatte man noch vor wenigen Jahren (siehe Graphik) geglaubt, der Computer in der Schule sei das ideale Instrument für "Tutorielle Unterweisung" (Buchumblättermaschine), für Drill und Übung, weiß man es jetzt besser: Am Computer kann der Schüler Probleme simulieren und Methoden der Informationssuche lernen. Der Computer unterstützt Strategien des Lernens, aber er kann auch Instrument im Medienverbund beim Lehr-/Lernprozeß sein.

Computer in die Schulverwaltung

Eine ganz bedeutende Rolle gar kommt ihm in der Organisation und der Verwaltung von Schulinstitutionen zu, die Universitäten nicht ausgeschlossen: Er könnte helfen, eine der wichtigsten Gründe der momentanen Bildungsmisere - nämlich mangelhaftes Management der verfügbaren Kapazitäten - auszuräumen.

Für das FEoLL (Forschungs- und Entwicklungszentrum für objektive Lehr- und Lernverfahren) in Paderborn, das die Forschungsprojekte observierte und die Abschlußtagung in Heidelberg organisierte, heißt jetzt die Frage: Wie geht es weiter?

Für das Bundesforschungsministerium gab Ministerialdirigent Dr. Hans Donth die eindeutige Antwort: "In Zukunft keine müde Mark Förderungsmittel mehr." Die vorwurfsvollen Blicke der DV-Bildungswissenschaftler richteten sich sodann auf den Sprecher des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft, Ministerialrat Dr. Hans-Georg Rommel. Mit wenig Erfolg, denn - so Rommel: "Wenn überhaupt, dann wenig Geld". Die Finanzressourcen müßten voll genutzt werden, um das zu erhalten, was es in diesem Land an Bildungseinrichtungen gibt. Und - so der Ministeriale - sei doch auch zu bedenken, ob Computer in der Schule die in wenigen Jahren zu erwartende Zahl von 100 000 arbeitslosen Lehrern nicht noch erhöhen würden.

Und die Computer kommen doch

Die Computerreise ins Bildungsland scheint vorerst - von Einzelprojekten, die von Herstellern oder Bundesländern gefördert werden oder die dank der Eigeninitiative idealistischer Wissenschaftler weiter gepflegt werden ~ zu Ende. Wirklich zu Ende?

Prof. Dr. Klaus Haefner, Informatiker in Bremen und Vorsitzender des Sachverständigenausschusses "DV in Bildungswesen" beim Bundesforschungsminister, hielt einen leidenschaftlichen Appell an die Verantwortlichen, die informierte Gesellschaft von morgen als eine computer-informierte Gesellschaft zu sehen und Informatik als Lehrgegenstand zu pflegen. Seine These: "Die Computer im Bildungswesen kommen, weil sie kommen müssen."

Dem Zugzwang der Rationalisierung und Automation, dem wachsenden Bedarf nach Information, der Notwendigkeit, neue Formen und Strategien des Informationsaustauschs und -erwerbs, eben des Lernens, kann sieh das öffentliche Bildungswesen nicht entziehen. Haefner: "Das Bildungswesen muß in jeder Weise rationeller ökonomischer werden - mit Computerhilfe. Der mündige Bürger in einer Computergesellschaft muß DV-Wissen haben. Das Fach Informatik soll Bestandteil jeder Ausbildung werden."