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21.06.1985 - 

Oft ist der Wunsch Vater des Gedankens:

Ein bißchen Kompatibel geht nicht

MS-DOS ist beileibe nicht das Ruhekissen für den Mikro-Anwender, wenn der in den großen IBM-Software-Topf greifen will. Das Kompatibilitätsproblem nimmt hier jedoch erst seinen Anfang. Wo es endet, versuchte der Unternehmensberater Eberhard Büch mit mehreren diesbezüglichen Hardware- und Software-Tests herauszufinden. Er fand einige Hürden, die sich zumeist erst im Praxisbetrieb zeigen (siehe dazu auch CW EXTRA, Seite 26, Marktübersicht "Die IBM-Kompatiblen").

Wer sich an die Anfänge der Home- und Personal-Computer-Ära zurückerinnert stellt fest, daß Firmen wie Apple und Commodore nie Standards setzen konnten. Auch wenn die Apple-Marketingstratege das Betriebssystem des MacIntosh als zukünftigen Industriestandard priesen (den aber kein PC-Herstell übernommen hat). Auch Commodore,

zweifelsohne der Marktführer im Home-Computerbereich, konnte den Betriebssystem CBM nicht als Standardbetriebssystem durchdrücken. Lediglich "mother big blue" setzte in dem heiß umkämpften Markt Standards. IBM hatte sich weder für Commodore CBM noch für Apples Betriebssystem entschieden: Die Wahl fiel auf das von Microsoft entwickelte Betriebssystem MS-DOS in einer speziellen Version PC-DOS. Der Unterschied zwischen dem Original MS-DOS und der für IBM, entwickelten PC-DOS Version liegt darin, daß PC-DOS auf spezielle Routinen im BIOS (Basis-Input-Output-System) zurückgreift. Und hier liegt bereits die erste Schwierigkeit, dem die Kompatiblen zu kämpfen haben. BIOS, ein maschinenspezifischer Code, der den Datentransfer des Systems steuert, ist

urheberrechtlich geschützt. Um nun IBM-kompatibel zu werden, emulieren die meisten PC-Hersteller BIOS, das softwaremäßig im ROM untergebracht ist.

Das bedeutet aber auch gleichzeitig, daß es beim Emulieren des BIOS nicht unbedingt zu einer Deckungsgleichheit mit den Original BIOS-Speicheradressen kommt. Für den Anwender heißt das, daß er eine Reihe von Standardsoftwareprogrammen nicht in der IBM-Version laufen lassen kann. Der Hardwarehersteller muß ihm Unterstützung gewähren und ihm sogenannte "Patchs" (Korrekturprogramme) liefern, um die Programme starten zu können. Die Softwarehersteller helfen ihm hier selten. Ihr Programm ist für IBM und die "100 % Kompatiblen" geschrieben worden. Sie passen ihre Software an die Hardware nur dann an, wenn der Hardware-Hersteller entsprechend dafür bezahlt. Wie die Software-Wartung dann später aussieht, ist damit noch nicht geklärt. Wenn in dem von CW-EXTRA an die PC-Hersteller versandten Fragebogen unter anderem nach "systemunabhängigen Programmen, die ohne Änderungen ablaufen", die Firmen die angeblich lauffähige Programme angeben, so stimmt das nicht unbedingt mit der Wirklichkeit überein.

Das "kleine Genie" von Ericsson hatte erhebliche Probleme beim Laden des Textprogrammes WORD. Nach Rücksprache mit Ericsson stellte sich dann heraus, daß es ein Trick gibt, WORD zu laden: Man muß nur das Original IBM PC-DOS laden und siehe, WORD ist lauffähig. Aber auch mit anderen Programmen gab es Probleme: So muß Lotus 1-2-3 speziell angepaßt werden und Calc-Star läuft wie WORD nur mit PC-DOS und nicht mit der Ericsson MS-DOS Version. Nur hat der Anwender in den seltensten Fällen außer seiner mitgelieferten MS-DOS-Version die IBM-Version zur Hand. Olivetti beantwortete die oben erwähnte Frage zwar mit "prinzipiell alle, bis auf wenige Ausnahmen". Eine dieser Ausnahmen ist Symphony. Hier muß sich der Anwender dann bei Olivetti oder bei seinem Händler, die "Symphony-Patchs" besorgen. Er ist also gezwungen, beim PC-Hersteller die Software zu kaufen.

Auf dem freien Markt kann er sich zwar nach einem Programm umschauen, das für seine Aufgabe maßgeschneidert ist, im Extremfall aber nicht läuft. Hat also der Hardwarehersteller kein Interesse daran, ein Paket wie Lotus 1-2-3 in seine Preisliste aufzunehmen, so muß sich der Anwender mit dem zufriedengeben, was für sein Mikro vorhanden ist. Bisher ist es nur einem Hersteller gelungen die Funktionen im BIOS des IBM-XT annähernd zu erreichen, ohne das ROM selbst zu kopieren: Der PC von Compaq, konnte dann auch im Benchmark mit IBM vergleichbare Zeiten aufweisen. Aus diesem Grunde entscheiden sich denn auch viele - und vor allem unsichere Kunden - gleich für den IBM-PC / XT. So ist die Aussage von Mitarbeitern der Alfa Metal Corp. in Bingen eindeutig: "Wir setzen IBM ein, weil unser HOST ebenfalls von diesem Hersteller kommt, und wir sicher gehen wollen, daß alles läuft."

Es gibt aber mehrere Kriterien, um die Kompatibilität zu messen: Hierbei sollte einmal eine generelle Unterscheidung zwischen Hardware- oder Bauteile-kompatible und Software-kompatible Systeme getroffen werden. Die Frage, was größere Bedeutung hat, ist schwierig zu beantworten. So gehen denn einige Firmen bereits bei den Disketten völlig andere Wege als der Marktführer. Hewlett-Packard zum Beispiel benutzt nicht wie üblich die 5 1/4-Zoll-Disketten, sondern setzt eine 3 1/2-Zoll Diskette ein. Hieraus ergibt sich zwangsläufig eine Inkompatibilität. Ob dies von den Herstellern gewollt ist oder nicht sei einmal dahingestellt. Aber selbst bei den am häufigsten benutzten 5 1/4-Zoll-Laufwerken werden die Disketten von den verschiedenen Herstellern auf unterschiedliche Art und Weise bespielt. Beim IBM-PC / XT gibt es verschiedene Formate, die ein wirklich kompatibler Rechner lesen und schreiben können sollte. Einige der von uns getesteten PC waren in der Lage, IBM-Disketten zu lesen, konnten aber nicht beschreiben. Andere können sowohl lesen als auch in den IBM-Aufzeichnungsmodus schreiben.

Bauteile-Inkompatibilität

Die vielleicht wichtigste Bauteil-Kompatibilität besteht in der Verwendung der vielen für den PC / XT entwickelten Zusatzkarten. Alle handelsüblichen Mikros verfügen über eine Anzahl von Steckplätzen (Slots), die zur Aufnahme von Erweiterungskarten und somit einer Speichererweiterung dienen. Um aber dem Anwender die Möglichkeit zu geben, möglichst viele Erweiterungskarten einzubauen, haben zum Beispiel Commodore bei dem neuen PC 10 / 20 oder Triumph-Adler beim P 60-1 die Speichererweiterung auf dem Mutterbord realisiert. Hier kann ein Anwender mit einem gewissen technischen Verständnis die Erweiterung von 128 KB auf 640 KB beziehungsweise 512 KB beim TA P60-1 selbst vornehmen. Beim Commodore 10g oder 20 können aber auch die am Markt erhältlichen Speichererweiterungen benutzt werden. Wird anstelle der Erweiterung eine Tecmar oder sonstige Extension-Karte auf dem Mutterbord eingesetzt, ist darauf zu achten, daß die Adressierung auf dem Mutterboard entsprechend geändert wird. Der Anwender ist gut beraten, wenn er die Erweiterung auf dem Bord vornimmt und nicht mit einer eigenen Karte. Gerade was die Zusatzkarten anbelangt, sind einige Kompatible gegenüber dem PC / XT im Vorteil, da sie serienmäßig auf dem Mutterbord Funktionen bieten, für die bei IBM eine Zusatzkarte notwendig ist.

Tastatur und Zeichensatz

Der PC / XT-Zeichensatz umfaßt zum einen die 128 Standardzeichen gemäß der ANSI-Definition und zusätzlich 128 Sonderzeichen für Grafik- und Fremdsprachenzeichen. So wie die darstellbaren Zeichen auf dem Bildschirm außerhalb des Betriebssystemeinflusses liegen, auch die Tastatur nicht unter der Kontrolle von MS-DOS. Für die Kompatibilität ist es daher wichtig, daß alle PC / XT-Tasten wie zum Beispiel ALT, CTRL oder Break, ebenfalls vorhanden sind. Ist dies nicht der Fall, so können Programme, die diese Tasten normalerweise benutzen, nicht auf den angeblichen Kompatiblen genutzt werden.

Wenn die CW-EXTRA-Frage nach dem IBM-Layout mit "ja" beantwortet wurde, so bedeutet das nicht, daß die Tasten bei den Kompatiblen genau an der Stelle sitzen wie beim PC / XT. Während sich viele Designer der Kompatiblen in etwa an die "Vorgabe" hielten, haben die Commodore Designer eine neue Tastatur kreiert.

Das Kernstück eines jeden Microcomputers ist sein Prozessor. Die gängigsten Prozessoren sind der 8086, 8088 und der 80186. Auf den 80286, der in dem IBM-AT eingesetzt und von der Schnelligkeit her den anderen überlegen ist, kann in diesem Zusammenhang nur hingewiesen werden. Mit Sicherheit werden aber alle PC-Hersteller über kurz oder lang diesen Prozessor einsetzen und dann wird das "Spielchen" der Kompatibilität von neuem losgehen. Der Prozessor ist letztlich für die Ausführungszeit von Programmen wichtig, da er die Taktfrequenz bestimmt.

Da bei vielen Computeranwendungen die Rechenzeit eine maßgebliche Rolle spielt, ist es interessant, einmal Zeitvergleiche der einzelnen PCs anzustellen. Um die Geschwindigkeit zu messen, bieten sich Benchmark-Tests an, die durchaus als objektiv eingestuft werden können. Die Tests wurden anhand von BASIC-Programmen und der Standardpakete wie: Lotus 1-2-3, Wordstar, Open Access, Symphony oder Framework durchgeführt. Fast alle heutigen Benchmarks absolvieren den Primzahltest das "Sieb des Erathosthenes". Auf diesen Test wurde jedoch hier verzichtet und rein mathematisch getestet. Zu den schnellsten Systemen unseres Tests, zählten der Wang PC und Siemens PC-D, beide jedoch nicht IBM-kompatibel. Kompatibel hingegen sind der TA P60-1, der Compaq mit 4,77 MHz und verständlicherweise der Compaq mit 8 MHz.

Beim Schreiben von 100 Strings auf die Platte waren TA und Compaq sogar zwei Sekunden schneller als IBM. Wenn der ganze Vorgang auf die Diskette geschrieben wird, lagen die vorher genannten gleich, während der Olivetti M 24 fünf Sekunden benötigte. Der M 24 brauchte für ein Programm mit Addition und Division zweier Zahlen 40 sec., während der Compaq mit 8 MHz, bei 16 sec. lag und die anderen Systeme zwischen 20 und 30 sec. Nur Ericsson und Sperry lagen mit 33 beziehungsweise 34 sec. über der 30-Sekundengrenze.

Bei dem Test mit den Standardsoftwarepaketen war der IBM-XT einer der langsamsten. Um zum Beispiel bei einem 21seitigen Dokument vom Anfang des Textes zum Ende zu gelangen, benötigte der XT 24 Sek., der TA 10 Sek. und der Ericsson 18 Sek. Bei einem Test mit "Suchen und Tauschen" eines Wortes in besagtem Dokument gehörte der M 24 zu den Spitzenreitern und benötigte knapp über 3 Minuten, die meisten anderen ca. 4 bis 5 Minuten. Hierbei waren der NCR und der Compaq (4,77 MHz) mit weit über 5 Minuten die Verlierer. (Im Vergleich: der Compaq mit 8 MHz lag bei 3 Min. 10 Sek.).

Ein weiterer Test bezüglich des Zeitverhaltens war der Einschaltvorgang und zwar als" Kaltstart" und als "Warmstart". Am schnellsten betriebsbereit sind der NCR und der Sperry. Bis Prompt C > am Bildschirm erscheint vergehen ganze 10 beziehungsweise 14 sec., bei einem Warmstart 27 oder 17 sec. bei einem Kaltstart. Zum Vergleich hierzu benötigt der XT beim KaItstart eine Minute, während die anderen Testrechner um 15 sec. für Warmstart beziehungsweise 20 bis 30 sec. für den Kaltstart benötigen. Hier spielt mit Sicherheit die Prüfung des Speichers eine große Rolle.

Die Tests ergaben, daß der Compaq mit 4,77 MHz wie auch mit 8 MHz, der TA-PC 60-1, der Wang PC und der Siemens PC-D zu den schnellen gehören. Der Olivetti M 24 erbrachte bei Wordstar und Symphony gute Zeiten, bei den BASIC-Programmen fiel er gegenüber den anderen ab.

Was aber bedeutet Kompatibilität letztlich für den Anwender? Dr. André F. Reuter, Dozent für Informatik an der Uni Heidelberg formulierte es folgendermaßen: "Unsere Entscheidung zugunsten eines Kompatiblen sollte nicht als Entscheidung gegen den Marktführer sondern vielmehr als Entscheidung für Olivetti verstanden werden. Die Einbeziehung von Fremdgeräten bietet nicht zuletzt auch einen gewissen wissenschaftlichen Reiz. Umfangreiche Testläufe-unter anderem auch mit Original IBM -Software-hatten bestätigt, daß der M 24 in bezug auf das geplante Applikationsspektrum voll kompatibel zum heutigen Industrie-Standard ist.

Desweiteren konnte der M 24 sowohl IBM-Erweiterungskarten als auch solche von Dritt-Anbietern aufnehmen, so daß in dieser Hinsicht auch Hardware-Kompatibilität besteht. Gegenüber dem IBM-PC bietet der M 24 von Olivetti unter anderem folgende Vorteile: Geringere Anschaffungskosten, höhere Verarbeitungsgeschwindigkeit, interne und externe 16-Bit-Architektur, mehr Erweiterungsslots, externe Zugriffsmöglichkeit auf internen 16-Bit-Bus sowie Konfigurierung von IBM und anderen 8- und 16-Bit -Zusatzkarten (zum Beispiel 3270-, BSC-, SNA-Karten). Wichtig schien uns auch, daß für den M24 nicht nur der numerische Coprozessor von Intel, 8087, sondern auch eine alternative Z 8001-CPU zur Verfügung steht. Damit sind wir in der Lage, fünf verschiedene Betriebssysteme (MS-DOS, CP / M86, CCP / M, PCOS und USCD-p-System) zu fahren, was insbesondere in der Ausbildung von Interesse sein kann. Olivetti bietet zusätzlich auf der Basis des früher eingeführten M 20 Arbeitsplatzrechners eine breite Palette an DFÜ-Software und an sogenannten Branchen-Paketen".

Andere Anwender haben auf die Kompatibilität gänzlich verzichtet und sich gleich für einen Inkompatiblen entschieden. So etwa die Bertelsmann-Gruppe, die nach langen Untersuchungen den Rainbow von DEC einsetzt.

Kompatibilität-wichtig für die Host-Verbindung

Eingefleischte IBM-Anhänger behaupteten kürzlich, der PC / XT sei das "beste Terminal, das IBM je entwickelt hat". Seit geraumer Zeit gibt es nun für die 3278 / 79 -Emulation über den Koax-Anschluß die "Forte"-Karte von Microware in Frankfurt. Daß mit dieser Karte auch Kompatible an den Host angeschlossen werden können, bewies der Test einer großen Bank im Frankfurter Raum: Hier wurden neben dem PC / XT auch eine Anzahl Wang-Mikros über die Twinax-Karte mit einer IBM / 38 gekoppelt. Als der Commodore PC 10 auf den Markt kam, war diese Bank auch der erste Anwender im Frankfurter Raum, der sich die "Neuheit" anschaffte-primär für autonome Aufgaben im Controlling. Um jedoch die Kompatibilität zu testen, wurde der "Neue", mit einer Twinax-Karte versehen, an die /38 angeschlossen - es lief auf Anhieb. Der zuständige Org.-Leiter wird dieses System künftig sowohl für Host-Verbindung als auch autonome Aufgaben einsetzen.

*(Anmerkung des Verfassers: Wenn hier Aussagen gemacht wurden, daß gewisse Programme nur unter bestimmten Voraussetzungen oder nur mit dem IBM PC-DOS laufen, so bezieht sich das ausschließlich auf die während des Test benutzte Hardware. Es kann durchaus sein, daß in der Zwischenzeit Änderungen vorgenommen wurden.)