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Kolumne


13.03.2008 - 

Ein bisschen Vista geht immer

Heinrich Vaske, Chefredakteur CW

Eine Affäre, die mehr als nur einen Imageverlust zur Folge haben könnte, macht derzeit Microsoft zu schaffen. Der Softwareriese hatte Intel-Rechnern, die mit dem Chipset 915 ausgerüstet sind, das Siegel "Windows Vista Capable" zuerkannt, obwohl solche Rechner nur mit Einschränkungen unter dem neuen Betriebssystem laufen - und zwar ausschließlich mit der schlanksten Variante Home Basic. Mehr als die Hälfte der im Weihnachtsquartal 2006 verkauften PCs waren damit zwar offiziell "Vista-fähig", doch wer im Januar 2007, als Vista ausgeliefert wurde, das Betriebssystem aufspielte, konnte etwa die Aero-Oberfläche nicht nutzen.

Gerichtsnotorisch ist der Fall nicht zuletzt deshalb geworden, weil die E-Mail eines Microsoft-Mitarbeiters öffentlich wurde, in der es über die Vista-Zertifizierung des Intel-Chipsets heißt: "Wir haben unsere Anforderungen gesenkt, um Intel dabei zu helfen, das angestrebte Quartalsergebnis zu erreichen. So konnten sie weiter Motherboards mit dem 915-Chipsatz verkaufen." Dass Microsoft möglicherweise auch sich selbst helfen wollte, um das laue Vista-Geschäft in Fahrt zu bringen, erwähnt der Autor indes nicht.

Der in Internet-Foren breit diskutierte Fall hat viele Facetten. Die wichtigste sind wohl die Fragen, ob Konsumenten wissentlich falsch informiert wurden und inwieweit sich Microsoft und Intel gegenseitig widerrechtlich darin unterstützt haben, ihr Monopol aufrechtzuerhalten. Darüber wird ein Gericht befinden. Diskussionswürdig ist sicher auch der Ansatz von Microsoft, die einen Rechner mit dem Label "Vista Ready" und die anderen mit "Vista Capable" auszuzeichnen. Entweder das Betriebssystem läuft vollständig, oder es läuft nicht! Verschiedene Zertifikate tragen zur Verwirrung bei und legen den Verdacht nahe, dass hier unliebsame Tatsachen verdeckt werden sollen.

Letztendlich zeigt der Fall, dass Microsoft mit seinem Windows-Modell an seine Grenzen stößt. Unternehmen nehmen nicht mehr wie früher automatisch am Hardware-Wettrüsten teil. Statt auf Vista zu wechseln, bleiben sie bei XP, statt Desktop-PCs wählen sie immer häufiger Notebooks, Subnotebooks oder Smartphones. Damit geht Microsofts an das Mooresche Gesetz angelehnte Rechnung, immer wuchtigere Windows-Varianten für immer leistungsfähigere Hardware zu entwickeln, nicht mehr auf. Wer heute seinen vier Jahre alten Desktop-PC gegen ein durchschnittlich ausgestattetes neues Notebook tauscht, wird kaum Fortschritte in puncto Geschwindigkeit bemerken - und schon gar nicht, wenn der Umstieg mit einem Wechsel auf Vista einhergeht.

Noch schwieriger entwickelt sich der Markt aus Microsoft-Sicht in Schwellenländern wie Indien und China, wo wenige Anwender Vista-fähige PCs besitzen oder sich die Lizenzkosten für Windows leisten können. Microsoft reagierte und stellte die Preise auf das "Bigmac"-Modell um: Wie der Preis eines Hamburgers soll sich auch der für Vista an der Kaufkraft des jeweiligen Landes orientieren. Demnächst werden wohl viele indische und chinesische Käufer feststellen müssen, dass Vista ihre Hardware überfordert - auch die mit dem 915er-Chip.