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26.09.1975

Ein Blick über die Grenzen: Bank-Applikationen in Belgien und Frankreich Banking am Bildschirm Boom bei Bankenterminals - das ergibt sich nicht nur aus den Erfolgsmeldungen der Hersteller, sondern auch aus den Anwenderberichten bei der "Convention Informa

Ein Blick über die Grenzen: Bank-Applikationen in Belgien und Frankreich

Banking am Bildschirm Boom bei Bankenterminals - das ergibt sich nicht nur aus den Erfolgsmeldungen der Hersteller, sondern auch aus den Anwenderberichten bei der "Convention Informatique", dem französischen DV-Kongreß anläßlich der Sicob-Ausstellung in Paris. Die Ansatzpunkte sind völlig unterschiedlich: bei einem Institut steht der erste Bildschirm am Arbeitsplatz des auf Euroanleihen spezialisierten Effektenhändlers; anderswo wird mit einem Auskunftsprogramm zur Beantwortung von Kundenanfragen und zur Außenstandskontrolle gestartet; eine weitere Bank strebt von vornherein ein alle Geschäfte umfassendes System an; eine andere zunächst die Automation eines Teilgebietes wie der Scheckabrechnung. Das Endziel ist bei allen Instituten dasselbe: ein weitgehend automatisierter Bankbetrieb mit Anschluß an SWIFT, das weltweite Bankabrechnungsnetz, das zur Zeit aufgebaut wird.

PARIS - Offensichtlich schaffen kleinere Banken selbst von einem organisatorisch niedrigeren Niveau aus den Schritt zur Online-DV mit Schalterterminals schneller als große Institute, die zwar oftmals die längere EDV-Erfahrung besitzen, sich aber wegen des Volumens vor einer Potenzierung fürchten.

Von der im September 1971 gefällten Entscheidung, daß ein neues Informationssystem nötig sei, bis zur einwandfrei laufenden DFV-Lösung für ihr gesamtes Bankgeschäft brauchte die in den französischen Savoyen tätige Banque Laydernier knapp vier Jahre. Die Banque Nationale de Paris hingegen, deren drei regionale Rechenzentren bereits auf dem Niveau der IBM 370/168 oder 158 arbeiten und deren 1800 Niederlassungen mit Otivetti-Terminals zur Datenerfassung auf Lochstreifen ausgestattet sind, rechnet mit mindestens sechs Jahren, - von den ersten Online-Terminal-Installationen bis zum Anschluß aller Niederlassungen an ein dann allerdings landesweites Netz mit mehreren hundert Minis als Konzentratoren und mehreren tausend Schalterterminals.

Alle Geschäftsvorgänge am Terminal

Die Banque Laydernier, deren Geschäftsvolumen sich in den letzten acht Jahren vervierfachte, wollte erreichen, daß alle laufenden Bankgeschäfte (Kasse, Überweisungen, Kontoführung, Kredite) in ein System integriert und realtime mit dialogfähigen Terminals am Schalter abgewickelt werden. Gleichzeitig sollte die Datenfernverarbeitung genutzt werden, um die Verantwortung zu dezentralisieren.

Installiert wurde eine CII 4004/135 (so heißt das in Frankreich) mit 196 K, BS 1000 und TP-System Piastre. In den Niederlassungen wurden 35 druckende Terminals eingesetzt in der Zentrale der besseren Übersicht und Bedienerführung wegen 11 Bildschirme. Jeder Geschäftsvorgang wird von einem Angestellten am Schalter sofort am Terminal eingetastet - zwei Sekunden später ist die Antwort da, - ob beispielsweise eine Auszahlung möglich oder das Konto des Kunden schon überzogen ist. Dann wird die Quittung für den Kunden eingelegt und Betrag sowie alter und neuer Saldo ausgedruckt so daß der Kunde nach jeder Verfügung sofort über den neuesten Kontostand unterrichtet ist. Über das Schalterterminal können auch Konten eröffnet oder die Buchungen, die auf einem Konto innerhalb der letzten 40 Tage erfolgten, abgefragt werden.

Verbessertes Betriebsklima

Neben einer Senkung der Betriebskosten und einer besseren Übersicht brachte die Umstellung auch eine Verbesserung des Betriebsklimas. "Weil jeder Mitarbeiter mit allen Arbeiten an das nächste Terminal gehen kann, sind die Arbeitsbedingungen für alle gleich geworden - es gibt keine 'Benachteiligten' mehr." In der Effektenabteilung, wo die Arbeiten aufgeteilt sind, wechseln sich die Mitarbeiter jede Woche ab, "so daß nicht immer einer dasselbe machen muß", berichtet die Bank.

Einen Terminalbetrieb ganz anderer Größenordnungen strebt die Banque Nationale de Paris an: sie hat im vorigen Jahr versuchsweise an eine 370/145 einmal direkt 18 Bildschirme 3277 und vier Drucker 3284 in vier Filialen und zum zweiten über ein als Konzentrator dienendes System 7 in 20 verschiedenen Niederlassungen insgesamt 42 Terminals angeschlossen.

Heute sind 300 Terminals in jenen insgesamt 230 Niederlassungen installiert, die am schlechtesten durch Post oder Bahn versorgt sind und deswegen bisher die meisten Schwierigkeiten hatten, den Output aus dem für sie zuständigen Rechenzentrum pünktlich am nächsten Morgen zu erhalten.

Bei Massengeschäft kein Online-Updating

Das endgültige, alle 1800 Niederlassungen umfassende DFV-Netz soll zwischen 1976 und 1980 installiert werden. Jede Filiale bekommt mindestens ein Terminal: Terminalgruppen werden über einen als Kontrolleinheit und Zwischenspeicher dienenden Minicomputer an eines der künftig vier regionalen Rechenzentren der Bank angeschlossen, die untereinander über 4800-Baud-Leitungen verbunden sind. Das Updating der Konten im Realtime-Betrieb ist auch dann noch nicht geplant: "Bei unserem Massengeschäft - wir rechnen 1980 mit einer Million Anfragen und zwei Millionen zu erfassende Belege pro Tag - wären die Risiken größer als die heute denkbaren Vorteile".

Ständige Auskunftsbereitschaft

Nicht des Risikos sondern der Kosten wegen will das gemeinsame Rechenzentrum der beiden Pariser Banken La Henin und Cogefimo das sofortige Updating der Konten beibehalten. Die beiden Institute haben zusammen rund 250 000 Privatkunden, die eine der verschiedenen angebotenen Formen der Baufinanzierung in Anspruch genommen haben. Die Rückzahlungen aufgrund solcher Verträge laufen im Durchschnitt zehn Jahre lang.

"Bei so vielen Kunden kommen jeden Tag zahlreiche Anfragen". Wir müssen schnell beantworten können, ob eine Rate offen oder wieviel Geld zur vorzeitigen Rückzahlung des Kredites nötig ist. Außerdem wird eine Vielzahl von Bestätigungen auf Steuerermäßigung oder staatliche Beihilfen benötigt " berichtet die Bank. Ende 73 wurde deswegen beschlossen, auf ein Auskunftssystem überzugehen. An die IBM-370/145 (384K, DOS/VS Release 30) wurden elf Bildschirme 3277 und fünf Drucker 3284 angeschlossen.

Westi statt CICS

Für IBM's CICS als TP-Steuerung konnten sich die RZ-Manager allerdings nicht entschließen. "Das war uns zu "sophisticated", hätte 100 K Hauptspeicher benötigt und Antwortzeiten von drei bis vier Sekunden ergeben", berichtete der Systemanalytiker, der "nach einer 13tätigen CICS-Kurs über CICS noch immer nicht genug wußte". Zum Einsatz kam deswegen "Westi" von Westinghouse Electric - von der Implementierung dauerte es einen Monat einschließlich Schreibens einiger Unterprogramme, bis die erste Transaktion lief - mit einer Antwortzeit von durchschnittlich 0,2 Sekunden und einem Speicherbedarf von nur 40 K virtuell. Am Bildschirm erscheint bei einer Anfrage die Vertragscharakteristik und die letzten fünf Buchungen - alle älteren Daten werden nur extrem selten benötigt und sind mikroverfilmt. Vorgesehen ist, die bisherige Datenerfassung mit CMC-System durch eine Erfassung am Bildschirm zu ersetzen, weil das eine sofortige Prüfung ermöglicht.

Automatisches Clearing

Den Belgiern macht der bargeldlose Zahlungsverkehr wieder Freude, seitdem sie die Kosten im Griff haben: seit einem Jahr läuft zwischen Belgiens Banken die schecklose Scheckabrechnung und am 15. September startete der Überweisungsverkehr ohne Belegversand. So läuft das Verfahren schematisch, mit dem Belgien etwa ein Drittel der zuvor zwischen einer und zwei Mark liegenden Scheckbearbeitungskosten gespart werden: Der Schalterbeamte bei der Bank, dem ein Scheck zum Einzug eingereicht wurde, prüft das Papier auf Vollständigkeit und formelle Richtigkeit und gibt die wesentlichen Daten - im Durchschnitt 22 Ziffern - in ein Terminal ein. Diese Daten dienen einerseits zur automatischen Gutschrift des Scheckbetrages auf dem Konto des Einreichers und werden außerdem täglich formatiert auf einem genormten Band gesammelt. Dieses Band wird zur Abrechnungszentrale CEC gebracht, wo die gesamte Verrechnung zwischen den Banken automatisch erfolgt: Die beteiligten Institute bekommen Bänder zurück, die ihnen die automatische Belastung der Konten erlauben, deren Inhaber einen Scheck ausgestellt haben.

Etwa ein Drittel der belgischen Schecks, die bisher von bis zu zehn Personen in die Hand genommen, geprüft und bearbeitet wurden, bis sie gutgeschrieben und belastet waren, werden nun automatisch eingezogen. Der Scheck wird auch nicht mehr transportiert - er verbleibt da. wo er zum

M Pauly