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28.07.2000 - 

IPOs: Letsbuyit.com

Ein Börsengang mit vielen Stolpersteinen

Frankfurt/M. - "Powershopping" heisst das Geschäftsmodell, mit dem der Internet-Händler Letsbuyit.com sein Geld verdient. Um die für den Börsengang nötige Nachfrage nach seinen Aktien zu erzeugen, musste das Unternehmen deren Preis allerdings dreimal senken. Von Riem Sarsam*

Der Börsengang entwickelt sich für Letsbuyit.com - gegründet in Schweden, Geschäftssitz in Holland, Holding-Sitz in London - zu einem Trauerspiel. Zuerst platzte das für Anfang Juni angepeilte Börsendebüt aufgrund eines "schwachen Marktumfeldes". Ein zweiter Anlauf wurde bereits vier Wochen später gewagt, CEO Martin Coles bezeichnete die Situation an den Finanzplätzen als "wieder stabil". Dennoch schürte eine von 15 auf sechs bis sieben Euro herabgestufte Preisspanne für das Papier eher den Verdacht, dass die Newcomer ein Listing um jeden Preis erreichen wollten.

Damit nicht genug, stieg auch noch während der laufenden Zeichnungsfrist das Kölner Bankhaus Salon Oppenheimer aus dem Börsenkonsortium aus. Zwar beteuerte ein Sprecher der Bank, man glaube weiterhin an den Erfolg des Geschäftsmodells, doch der Imageverlust für den Emittenten war da. Letsbuyit.com - mittlerweile an der Börse als Letssellit.com verspottet - ließ sich nicht beirren und senkte zum dritten Mal seine Aktienofferte, jetzt auf einen Preis von drei bis vier Euro. Außerdem wurde mit Blick auf eine "schwierige Marktlage" der Start an der Börse um zwei Tage hinausgezögert. Seit dem 21. Juli werden die Aktien von Letsbuyit. com nun öffentlich gehandelt. Allen Unkenrufen zum Trotz schloss der Kurs am ersten Handelstag mit einem Plus von 40 Prozent bei fünf Euro. Nach Unternehmensangaben gingen 90 Prozent der Aktien an institutionelle Investoren, die offenbar immer noch von der Überlebensfähigkeit der Firma überzeugt sind.

Bei dem Geschäftsmodell von Letsbuyit.com handelt es sich um eine Internetbasierte Shoppinglösung, bei der sich die Kunden in virtuellen Käufergemeinschaften bündeln. Je nach der Zahl der Interessenten sinkt der Preis des Produktes oder der Dienstleistung stufenweise bis zum so genannten Best Price. Mit Hilfe eines massiven Marketings wurde die Plattform innerhalb des letzten Jahres in ganz Europa aufgebaut. Die Ameise als Sinnbild für den Slogan "Gemeinsam sind wir stärker" erlangte in dieser kurzen Zeit einen beachtlichen Bekanntheitsgrad. Wie die ebenfalls an der Emission beteiligte DG Bank in einer internen Studie feststellt, wissen bereits 25 Prozent aller befragten erwachsenen Deutschen, wofür die Marke Letsbuyit.com steht.

Dennoch steht das Konzept der Newcomer auf tönernen Füßen. Dummerweise droht gerade in Deutschland, das mit 24 Prozent die Region mit dem höchsten Umsatzanteil ist, eine einstweilige Verfügung vom Landgericht Hamburg, die auf Betreiben des Berliner Konkurrenten Cnited erlassen wurde und bei Zustellung ein Aussetzen des Co-Shoppings auf der deutschen Website zur Folge hätte.

Hintergrund ist das von 1933 stammende Rabattgesetz, wonach Endverbrauchern - bei festen Preisen - höchstens ein Preisnachlass von drei Prozent gewährt werden darf. Zwar gilt es als wahrscheinlich, dass diese in Europa einmalige Verordnung abgeschafft wird, doch juristisch ist sie noch in Kraft. Im Moment darf auch noch spekuliert werden, warum besagter Wettbewerber nicht die "juristische Karte" spielt.

Hinzu kommt, dass dieser Aufbau eines europaweiten Netzes beträchtliche Summen verschlingt. Bereits im ersten Geschäftsjahr stand dem Umsatz von gut zwei Millionen Euro ein Verlust in Höhe von 24,4 Millionen Euro gegenüber, für das laufende Jahr wird sich dieser voraussichtlich auf 113 Millionen Euro summieren. Schon im ersten Quartal 2000 schluckte allein der Bereich Vertrieb und Marketing rund 13 Millionen Euro. Schwarze Zahlen peilt Vorstandschef Coles für 2003 an, der Umsatz soll bis dahin von 51 Millionen Euro in diesem Jahr auf 980 Millionen Euro gestiegen sein.

Dem stehen rund 350 Mitarbeiter und 14 länderspezifische Websites in Europa gegenüber, die mittlerweile über 700000 registrierte Besucher zählen. Auch der Wert der getätigten Käufe steigt kontinuierlich von durchschnittlich 62 Euro je Produkt auf mittlerweile über 150 Euro. Die von der schwedischen Multimedia-Agentur Icon Medialab entwickelten Websites tragen zwar die gleiche Handschrift, richten sich allerdings stark an den lokalen Begebenheiten bezüglich Sprache, Währung und Produktauswahl aus.

Gleichzeitig hat die Company Partnerschaften geschlossen. Kooperationen mit Markenherstellern wie Kodak, Pioneer oder Fujitsu-Siemens dürften vor allem im Hinblick auf eine Erweiterung des Geschäftsmodells in den B-to-B-Bereich interessant sein. Erwogen wird, so Coles, eine Website für Anwender aus Klein- und Heimbüros zu kreieren.

Medienpartnerschaften als weiteres AssetDes Weiteren haben sich die Medienhäuser Pro Sieben und British Sky Boardcasting an dem Startup beteiligt, was die DG-Bank als einen geschickten Schachzug wertet. Im operativen Bereich führt dies zu Einsparungen, da Letsbuyit nicht nur seine Werbespots zu Discount-Preisen senden kann, sondern auch zu ihrer Herstellung die Produktionsstätten der Sender nutzt. Außerdem steigen die Chancen, dass das Co-Shopping-Modell frühzeitig über das digitale Fernsehen erreichbar sein wird. Einen weiteren Partner hat Letsbuyit mit dem US-amerikanischen Logistikspezialisten Sykes Enterprise gewonnen. Das Unternehmen unterhält Niederlassungen in 18 Ländern und liefert in 90 Länder aus.

*Riem Sarsam ist freie Journalistin in München.