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Visa ermöglicht Anwendern ein flexibles Berichtswesen


12.11.1999 - 

Ein Data-Warehouse machts möglich: Abnabeln vom Host

MÜNCHEN (uo) - Daß ein Data-Warehouse mit Kreditkarteninformationen eine Menge über einen Kunden erzählen kann, versteht sich. Was mit den Nutzerprofilen geschieht, wie sie möglichst gewinnbringend eingesetzt werden - darüber macht sich die Visa-Service Kreditkarten AG, Wien, erst noch Gedanken. Sie baut mittels NCR-Technik derzeit ihren Datenpool auf.

"Wir sind ein österreichisches Unternehmen", sagt Andreas Buza, für das DataWarehouse zuständiger Organisator beim Kreditkarteninstitut, "und das besagt eigentlich schon, daß wir nicht mit vertraulichen Daten handeln". Um seine Aussage zu belegen, verweist Buza auf entsprechende Datenschutzgesetze. Doch American Express und andere hatten schon 1996 angekündigt, zumindest die Vermarktung von zielgruppengerecht aufbereiteten Daten anzugehen. Ob eine Weitergabe anonymisierter Profile von Visa-Kunden avisiert ist, steht noch in den Sternen, da sich das Data-Warehouse von Visa-Austria noch im Aufbau befindet.

So ist der Datenpool noch vergleichsweise klein und die Auswertungsmöglichkeiten sind begrenzt. Das zugrundeliegende Datenbank-Management-System "Teradata" von NCR enthält die Visa-Austria-Transaktionen von 1997 bis heute. Damit sind rund 180 GB Plattenplatz belegt. Als Server dient eine Single-Node-Konfiguration des Unix-Systems "Worldmark 4700" von NCR. Daten, die älter als drei Jahre sind, sollen künftig nach und nach auf Monatsbasis aggregiert werden.

Die erste Phase des Data-Warehouse-Aufbaus ist seit März dieses Jahres abgeschlossen. Sie begann 1995 mit der Evaluation geeigneter Hard- und Software. Damit beauftragt wurden zwei Wiener IT-Dienstleister der Bank Austria AG, die auch zu 75 Prozent an Visa-Austria beteiligt ist: die Data Service Informatik und die Data Service Organisation.

Im Vordergrund bei der Suche stand eine neue Lösung für das Reporting im Bereich Visa-Partner - über Kundenbestände, Revisonsauszüge und Kenngrößen wie regionale Vertriebszahlen. Insgesamt sollte die neue Lösung zehn Reports für Controller und Management ersetzen, die bis dahin hauptsächlich mit Host-Daten erstellt wurden. Die entsprechenden Kapazitäten wie Ein- und Ausgabezeiten sowie Plattenplatz mietete Visa im Wiener Rechenzentrum der Muttergesellschaft an. Laut Buza schlug das mit einem zweistelligen Millionenbetrag in Schilling zu Buche. Mit einer eigenen, schlanken Lösung wollte Visa zudem den mit dem Reporting verbundenen Administrationsaufwand senken.

Neue Anforderungen an das Berichtswesen mußten vom hauseigenen Entwicklerteam, das zehn Personen stark ist, erst codiert werden. Dafür war beispielsweise eine genaue Kenntnis über den hierarchischen Aufbau der alten Host-Datenbank "IMS" von IBM notwendig.

Das Auswahlverfahren nahm das gesamte Jahr 1996 in Anspruch. Die IT-Berater zogen schließlich eine DB/2-, eine Oracle-7- und eine NCR-Lösung in Betracht. Visa-Austria entschied sich für das NCR-Equipment unter anderem aufgrund der Reputation des Herstellers im Bankensektor. Außerdem galt die Plattform nach Untersuchungen des Transaction Processing Performance Council (http://www.TPC.org) als die leistungsstärkste.

Heute sieht Buza die Art und Weise damaliger Benchmark-Tests kritisch. Zwar wurden vier Stufen in der Datenbankgröße berücksichtigt, die Abfragen mit fünf gleichzeitigen Queries waren jedoch vordefiniert. Unbekannt blieben hingegen die die jeweilige Datenbankmodellierung sowie die Prozessorkonfigurationen. In jüngeren Tests veröffentlichen die Hersteller auch Ergebnisse aus Ad-hoc-Abfragen, was laut Buza bessere Aufschlüsse über die Performance vermittelt.

Die Entscheidung fiel aber auch deshalb zugunsten der NCR-Lösung in Kombination mit Reportings-Tools von Business Objects (BO), weil sich die Visa-Verantwortlichen bei der Mobilkom Austria AG, dem ehemaligen Mobilfunkbereich der Post Telekom Austria (PTA), über den praktischen Einsatz dieser Kombination informieren konnten. Zwar sei die Applikation des Telekommunikationsunternehmens "etwas größer" gewesen als die von Visa geplante, doch immerhin vergleichbar: "Wir bekamen eine Möglichkeit, hinter die Fassaden zu gucken", erinnert sich Buza. Mobilkom hatte die Technik seit rund einem Jahr im Einsatz und habe "einen zufriedenen Eindruck" vermittelt.

Im August 1998 begann die Replikation der relevanten Host-Daten auf das NCR-System. Die Extraktions-Schnittstelle war zu diesem Zeitpunkt bereits von den Visa-Entwicklern fertiggestellt. Das Data-Warehouse füllte sich ab dem Stichtag mit transaktionsgenauen Daten; ältere Informationen wurden auf Monatsbasis und pro Partner aggregiert übernommen. Heute erfolgt das Data-Warehouse-Update im Batch-Verfahren über Nacht.

Zunächst ließ das Kreditkarteninstitut die zehn Berichte für Partneranalysen, die vormals mit Hilfe einer Centura-Datenbank aufbereitet wurden, von der Delphi Software GmbH, Wien, mit BO-Produkten erstellen. Delphi vermarktet die BO-Software. Nun sind diese Standardberichte jederzeit über Parameter vom Anwender modifizierbar, ohne den Umweg über die DV-Abteilung. Derzeit nutzen rund 20 Visa-Mitarbeiter die Reports.

Laut Buza sind die Anwender zudem längst dazu übergegangen, mit Hilfe der BO-Tools zusätzliche Auswertungen zu erstellen: "Nun schießen neue Berichte wie Pilze aus dem Boden." Die hohe Akzeptanz führt Buza darauf zurück, daß alle Anwender von Anfang an in das Data-Warehouse-Projektteam integriert waren. Um Vorteile aus der Flexibilität der Auswertung zu ziehen, müssen die Nutzer das zugrundeliegende Datenmodell kennen. Dazu gehört, daß sie wissen, welche Tabellen welche Art von Informationen enthalten und wie die Tabellen miteinander verknüpft werden können. Die eigentliche Schulung im Gebrauch der BO-Werkzeuge nahm nur zwei Tage in Anspruch, danach zeigten sich die Anwender sattelfest.

"Auch wenn es keiner glaubt: Phase eins der Data-Warehouse-Einführung verlief höchst unkompliziert", schwärmt Buza, ergänzt aber: "Allerdings hat uns jetzt in Phase zwei die Realität eingeholt." Seit Anfang Juni dieses Jahres füllen auch Informationen über die Karteninhaber den Datenpool. Angesichts des Volumens von rund 25 Millionen Transaktionen pro Jahr stöhnt der Organisator über logistische Probleme, die in der Frage gipfeln: Wie sollen die Informationen vorverdichtet werden, so daß sich die Menge zwar reduziert, die Daten aber dennoch für die Erstellung von Kundenprofilen und zur Erkennung von Marktsegmenten herangezogen werden können?

Die Auswertung von Kundendaten soll zunächst vor allem das Visa-Marketing unterstützen. Eine gezieltere Ansprache der Klientel etwa könnte die Werbekosten senken. Außerdem denkt Buza aber auch darüber nach, Data-Warehouse-Output in die operativen Systeme einzuspeisen. So soll etwa das R/3-Planungs-Tool mit Data-Warehouse-Analysen gefüttert werden.

Das Kartenhaus

Rund 46000 Vertragspartner und 750000 Karteninhaber zählt die Visa Service Kreditkarten AG, Wien, in Österreich heute. 1971 begann die Wiener Niederlassung der Bank of America Vertragspartner von Banken bis Baumärkten zu akquirieren. Damals wurden die Kreditkarten allerdings noch nicht in Österreich ausgegeben. Das begann erst 1980, als die Zentralsparkasse und Kommerzialbank Mitglied von Visa International wurde. Das Geldhaus übernahm auch die Betreuung der Vertragspartner, als die Bank of America 1984 ihr österreichisches Visa-Geschäft stillegte. Außerdem gründete sie im darauffolgenden Jahr als 100prozentige Tochter die Visa Kreditkarten Aktiengesellschaft, an der auch die Raiffeisen Zentralbank Österreich AG (früher Genossenschaftliche Zentralbank AG) seit 1986 zu 25 Prozent beteiligt ist.

Der Umsatz im vergangenen Jahr betrug 4,05 Milliarden Mark (28,5 Milliarden Schilling), davon wurden 2,34 Milliarden Mark (16,5 Milliarden Schilling) mit österreichischen Vertragspartnern erzielt. Visa Austria beschäftigt etwa 170 Mitarbeiter, deren Durchschnittsalter bei 30,6 Jahren liegt.