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Ein Flop kommt selten allein

14.06.1985

Die Einbußen bei einigen Computer-Herstellern wiegen schwerer, als es die Querelen in den Chefetagen der DV-Firmen anzuzeigen scheinen. Die gesamte informationstechnische Industrie steckt in der bisher schwersten Krise seit ihren Anfängen vor rund 30 Jahren. Sie profitiert nicht mehr automatisch von einer Konjunkturflaute, wie sie derzeit etwa in Amerika zu beobachten ist. Diese schlägt vielmehr voll auf die Computerbranche durch.

Einige Vertriebsbosse scheinen das noch nicht begriffen zu haben. Sie schimpfen, wie Apple-Chef Ralph Deja, auf die Medien, die wieder mal nichts begriffen hätten (siehe Seite 1: "Deja vu"). Retourkutsche: Wer hat denn getönt, die Bürowelt mit dem "Macintouch" beglücken zu wollen? Und wer hat den informationstechnischen Boom herbeigeredet? Die Situation im DV-Markt ist durch einen Mangel an Transparenz und Know-how gekennzeichnet. Konzeptionen wären doch die Voraussetzung für nachhaltige Besserung. Eine Marktstrategie, wie der Kollaps zu verhindern sei, ist nicht in Sicht. Und übrigens: Die DV-Industrie hat nun mal die Presse, die sie verdient.

Apropos den Boom herbeireden: Er findet nicht statt, weder beim Mikro noch bei Bürokommunikation oder Unix. Über den Mikromarkt ist alles gesagt. Die Apples und Commodores schulden uns noch den Nachweis für dauerhaften Erfolg. "Deutschlands Manager kaufen keine Mikros", schrieben wir vor 16 Monaten (CW Nr. 6 vom 3. Februar 1984), "sie wüßten denn, welche Dienste ihnen die Dinger zu leisten vermögen". Und was IBM angeht, so achtet der Mainframe-Marktführer darauf, daß die Kontrolle über die Fachbereichsanwendungen nicht verlorengeht. Wildwuchs soll verhindert werden - "Integration" heißt das Motto. PC, sprich: persönliches Computern, ade! Neue Losung: Warten auf die verbundfähige Arbeitsplatzstation (Geheimnistuerei um den PC AT).

Szenarium für Bürokommunikation: Die BK-Einführung vollzieht sich längst nicht in dem Tempo, wie es Berufsoptimisten vorausgesagt hatten. Jubelte Nixdorf 1984 noch, sein BK-System sei da, so mußten die Paderborner Anfang dieses Jahres kleinlaut eingestehen, daß der Bürokommunikationsmarkt noch nicht reif sei. Und was IBM angeht, so achtet der Mainframe-Marktführer darauf, daß die Kontrolle über die Fachbereichsanwendungen nicht verlorengeht. Der Dreh: Bürokommunikation wird als Spielart dezentraler Datenverarbeitung definiert. Alte Losung: Warten auf das universelle Bürokonzept von Big Blue. Frage der Anwender: Welche (IBM-)Einzelsysteme (vergleiche Geheimnistuerei um PC AT) werden für die Gesamtlösung benötigt? Ergebnis: Technische Innovation wird verhindert - nichts geht voran.

Eine andere Entwicklung kann selbst die Anti-IBM-Lobby nicht verhindern: Unix wird totgeredet. Die verquere Politik der Bison-Gruppe (Bull, ICL, Siemens, Olivetti, Nixdorf) trägt nicht dazu bei, Unix in Europa zum Durchbruch zu verhelfen - zu unterschiedlich die Interessen. Überdies erweist sich die amerikanisch-italienische Allianz zwischen AT&T und Olivetti als schwach, wobei unklar bleibt, wer von beiden ohnmächtiger ist. Und was IBM angeht, so achtet der Mainframe-Marktführer darauf, daß die Kontrolle über die Fachbereichsanwendungen nicht verlorengeht. Losung: Warten, was aus der IBM-Ecke zu Unix kommt.

Fazit: Drei zu null für IBM - eine angenehme Warteposition. Nur weiter so: Ein Flop kommt selten allein.