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01.02.1980 - 

Bei Branchenpaketen erschweren Nebenkosten den Marktüberblick:

Ein Fünftel geht für Software drauf

MÜNCHEN (CW) - Der Trend im Softwarebereich geht zum Unbundling. So tauchen bei dem Käufer einer fertigen Branchensoftware Rechnungsposten auf, die er nicht bedacht hat, als er sich auf den Katalogpreis einließ. Zunehmend offen, und nicht länger im Preis der Hardware, Betriebssoftware und des Anwendungspakets versteckt, werden dem Benutzer weitere Dienstleistungen in Rechnung gestellt. Die Einführung des Werkzeuges Datenverarbeitung als "Fertigware nach Branchenmaß" könnte aber auch Kosten wie zusätzliches Personal mit sich bringen, die der Entscheidungsträger bei seiner Überschlagskalkulation vergaß.

Mit dem Preis der Branchenpakete wohl aller Anbieter sind auch diejenigen Leistungen abgegolten, die vor Vertragsabschluß erbracht werden. Dazu gehören bei der Kienzle Apparate GmbH, Villingen, die Ist-Aufnahme bis hin zur Zielprojektion sowie eine Beratung in Organisationsfragen. Bei CTM Computertechnik Müller GmbH in Konstanz wird im Rahmen der Akquisition vor Vertragsabschluß ein globales Pflichtenheft für die Leistungen beider Partner erarbeitet, ohne später als gesonderter Rechnungsposten aufzutauchen. Doch gleicht kein Unternehmen völlig dem durchschnittlichen, "normalen" Anwender, für den das Paket konstruiert ist. Die Legierung beispielsweise unterscheidet den Schraubenhandel vom Gemüsehändler.

Wird ein allgemeines Handelspaket mit Auftragsbearbeitung, Lagerhaltung, Einkauf, Finanzbuchhaltung, Lohnbuchhaltung und Kostenstellenrechnung, wie es die Datasaab seit Januar 1980 anbietet, auf die Belange eines Schraubengroßhandels umgearbeitet, so kommen nach Auskunft von Dieter Bongartz, Abteilungsleiter Marketing Computer Systeme, zum Paketpreis von 22 500 Mark noch 15 000 Mark hinzu. Für Analyse und Anpassung berechnet Datasaab einen Stundensatz von 85 Mark. Dabei gehören kleine Änderungen wie die Anpassung an einen gewünschten Formulartyp zum Paketpreis. Umstellungen in der Organisation des Paketes findet der Anwender als gesonderten Rechnungsposten.

Änderungen kostenpflichtig

Als kostenpflichtig führt auch Kienzle die gewünschten Anpassungsmaßnahmen auf, ferner die Ergänzungen und die Integration des Paketes in das vorgefundene System, schließlich die Einführung in Funktionsweise und Bedienung des Standardprogrammes. Abgerechnet wird nach Tagessätzen. "Nach dem detaillierten Pflichtenheft kalkulieren die Mitarbeiter von CTM den Aufwand, der über die Basisleistung des Branchenpaketes von der Stange hinausgeht", erläutert Johann Gerdes als Leiter des Bereiches Anwendersoftware bei CTM die Berechnungssituation auf dem Standard-Markt. Spezifische Ergänzungen aufgrund der individuellen Wünsche des Käufers werden auf den erforderlichen Zeitaufwand abgeschätzt und in den Posten Beratung, Umstellung, Einweisung und Systemschulung in Rechnung gestellt. Bei einer Konfiguration im Wert von 150 000 Mark liegen die Softwarekosten bei etwa 50 000 Mark. Kostenlos behebt CTM die Fehler in dem Paket. Bei IBM, Kienzle, Datasaab und Honeywell Bull kostet die Wartung nach Angaben des Unternehmens Geld, so auch bei CTM, sobald der Wartungsvertrag erarbeitet ist.

Transparenz unbefriedigend

Das Verhältnis von Hardware- zu Softwarepreis im Bereich der MDT liegt bei den Branchenpaketen zwischen fünf zu eins und zehn zu eins, schätzt Heinz-Günther Klaus als Pressesprecher der Honeywell Bull AG für Pakete seines Hauses, die auf dem Einstiegsmodell 61 laufen.

Die befragten Anbieter waren sich einig, daß beim Kauf von vorgefertigten Branchenlösungen das Unternehmen weder einen Operator noch einen Programmierer braucht. "Nur muß einer für die Anlage verantwortlich sein", meint Gerdes, "oder besser zwei", so Bongartz, "falls der eine krank wird oder Ferien macht."

"Die Transparenz des Softwaremarktes für den Anwender ist unbefriedigend", meint Gerdes. Die Anbieter könnten nur ein Gottseidank murmeln. Seiner Ansicht nach haben allein einige Unternehmensberater den Überblick, eine rationale Entscheidung zu treffen. Auch Bongartz rät dem kleineren Computeranwender, sich wegen der unterschiedlichen Kosten an einen "Fachmann seines Vertrauens" zu wenden. Klaus dagegen meint, daß auch auf dem Branchenpaketmarkt eine Transparenz existiere. Angebote ließen sich einholen. Durch Kontakt mit Kollegen und Konkurrenten könnte der Interessierte wohl zu einem Überblick über die Angebotssituation kommen.