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08.08.1980

"Ein gewisser Hang zum Neuen und Schöneren"

Mit Ulrich Schröder, Geschäftsführer der ICC Internationale Computer & Consulting GmbH (Hamburg), sprach Dieter Eckbauer

Mit dem Slogan "IBM-Sicherheit zum Preis der kompatiblen Hersteller" wirbt das Hamburger Leasing-Unternehmen ICC Internationale Computer & Consulting GmbH für IBM-Gebrauchtcomputer. Der Preisvorteil der kompatiblen Zentraleinheiten gegenüber IBM-Neuanlagen (CW-Nr. 30 vom 25. Juli 1980: "IBM intern: Kompatible bei Großrechnern vorn") könne durch IBM-Maschinen, die länger als zwölf Monate in Miete waren, von abgefangen werden, sagt ICC-Geschäftsführer Ulrich Schröder.

- Herr Schröder, Sie widersprechen der Aussage, die Kompatiblen lagen gegenüber IBM bei Großrechnern vorn. Dies träfe nur auf Neuanlagen zu. Warum verkaufen Sie keine gebrauchten Amdahl-Rechner?

Wir haben uns mit dieser Frage schon des öfteren beschäftigt. Nur, soweit uns bekannt ist, gibt es keine weltweit von Amdahl garantierte Policy, gebrauchte Anlagen, wenn sie bei einem Kunden demontiert und irgendwo wieder aufgebaut werden, dann auch zu warten, wie es bei IBM der Fall ist. Nur in Ballungszentren, in denen Amdahl vertreten ist, ist überhaupt mit einer Wartung durch Amdahl zu rechnen. Wenn wir beispielsweise eine 3033 von Frankfurt nach Kiruna im Norden Schwedens verfrachten wollen, dann geht das. Mit einer Amdahl-Maschine ginge das nicht, denn Amdahls nächster Techniker sitzt in Stockholm.

- Sie werben damit, der Kunde bekäme bei Ihnen IBM-Sicherbeit zum Preis der Kompatiblen. Sind die Amdahls und Nationals im Markt bereits so mächtig geworden, daß ein Leasing-Unternehmen, das sich auf IBM-Maschinen spezialisiert hat, gegen sie schießen muß?

Es ist nicht unser Einwand, sondern es ist meistens der Kunde, der uns heute sagt, daß er von den Mixed-Hardware-Anbietern einmal begeistert war, daß sich aber die Einheiten, die er bei sich im Hause hat, nicht eines gleich guten Wartungsservices erfreuen, wie er bei IBM möglich ist. Das gilt für fast alle mit IBM konkurrierenden Hersteller.

- Die Kompatiblen haben sich mittlerweile einen zehnprozentigen Anteil am IBM-Markt gesichert. Wann wird es für einen Broker interessant, sich mit einem Nicht-IBM-Anbieter zu beschäftigen ?

Auch RCA und General Electric hatten dereinst einen recht großen Anteil am Kuchen. Doch auch diese Hersteller haben früher oder später freiwillig oder unfreiwillig aufgegeben.

- Heißt das, IBM läßt die Konkurrenz in Ruhe, solange sie noch klein ist?

Das kann man sagen. Aber auf der anderen Seite ist es doch so, daß IBM eigentlich gar nicht so sehr auf die Konkurrenz schaut, sondern mehr auf den eigenen Profit. Und wenn dabei einige Mitanbieter auf der Strecke bleiben, ist das ein Nebeneffekt, den IBM zwar nach außen hin betrauert, aber ich möchte eigentlich annehmen, daß man sich doch ein bißchen darüber freut.

- Den Kompatiblen wird häufig der Vorwurf der Trittbrettfahrerei gemacht. Das heißt, sie nutzten die IBM-Software und nassauerten auf diese Weise. Nun kann man wohl diesen Vorwurf, zumindest was Amdahl betrifft, nicht mehr länger aufrechterhalten. Denn Amdahl ist dabei, eigene Software zu entwickeln.

Das haben wir in der letzten Zeit mit einiger Begeisterung gesehen, und wir sind der Meinung, daß darin für Amdahl eine reelle Chance liegt, sich auch in Zukunft als Computerhersteller zu behaupten. Für den Anwender ist indessen wichtig, zu wissen, daß er sich dann mehr und mehr von der sogenannten "Inline" der IBM entfernt. Denn Amdahl wird nicht alle Dinge, die IBM unter dem Aspekt einer Verbesserung für die Kunden anbietet, mitmachen wollen oder mitmachen können.

- Von dem gefährlichsten IBM-Kompatiblen haben wir noch gar nicht gesprochen. Der kommt nämlich auf dem deutschen Markt als Fujitsu im Siemens-Pelz daher. Wie beurteilen Sie denn die Chancen des IBM-kompatiblen Siemens-Angebotes auf dem deutschen Markt?

Wir haben davon bisher noch nicht viel gesehen. Aber wenn überhaupt für IBM eine reelle Konkurrenz in Zukunft zu erwarten ist, dann kommt diese aus Japan - bei uns verpackt im Siemens-Kleide -, unterstützt also von einem Milliarden-Unternehmen, bei dem man davon ausgehen kann, daß es auf jeden Fall für seine Commitments geradesteht. Wenn man eine solche Anlage im Hause hat und Siemens garantiert für fünf Jahre die Wartungssicherheit, dann kann man sich darauf verlassen, daß das tatsächlich so funktionieren wird. Wir glauben aber auf der anderen Seite, daß Anlagen dieser Art wesentlich preiswerter als IBM-Anlagen sein müssen, weil wir in der Regel unseren Kunden empfehlen, derartige Anlagen rein finanziell über drei bis vier Jahre zu betrachten, während wir IBM-Anlagen im Marktwert primär für fünf Jahre betrachten. Ja, wir gehen sogar noch weiter und sagen, eine IBM-Anlage hat für sieben, acht, ja sogar für neun Jahre irgendeinen Marktwert.

- Zurück zum Rechnervergleich. Die Aussage, Amdahl-Maschinen seien leistungsfähiger als IBM-Großrechner und dabei billiger, stammt nicht von Amdahl, sondern von IBM selbst.

Wir glauben, daß es recht schwierig ist, MIPS-Rate gegen MIPS-Rate zu setzen. Mir ist bekannt, daß eine Maschine mit einer MIPS-Rate X mehr leisten kann an Throughput, als eine andere Anlage, die unter Umständen eine höhere MIPS-Rate hat - je nach dem, welchen Job sie zu verarbeiten hat Man sagt, daß die Anwenderbequemlichkeit einer IBM-Anlage häufig größer ist und daher eine langsamere IBM-Maschine mit geringerer MIPS-Rate letztendlich mehr für einen gewissen Job-Mix leisten kann, als eine schnellere Amdahl-Anlage.

Es ist uns andererseits bekannt, daß die IBM am oberen Ende der 3030er Serie einfach nicht mehr mit der größten Amdahl-Anlage mithalten kann. Es sei denn man weicht auf MP- oder AP-Anlagen aus, die sehr teuer sind.

- Der IBM-Preisschild existiert also noch ?

Bei Neuanlagen ist IBM selbstverständlich teurer als National Advanced Systems, sprich Itel, und Amdahl. Wenn wir uns die Itel-Anlagen ansehen, dann können wir heute unsererseits ein mit der 3032 vergleichbares Modell vom Preis-/Leistungsvergleich her auskonkurrieren. Bei der 3031 dagegen, die bei der IBM noch immer sehr viel Geld kostet, liegt Itel preislich darunter, aber nur wenig. Bei Amdahl, abgesehen von der allergrößten Anlage, die wir leistungsmäßig nicht mit der 3033 vergleichen können, sieht es genauso aus. Mit einer gebrauchten IBM-Anlage, die heute von einem Kunden herausgegeben wird, können wir eine Amdahl-Anlage preislich unterbieten.

- Das ist doch aber nur darauf zurückzuführen, daß der Markt bei Amdahl-Anlagen ein höheres Restwertrisiko sieht. Da sind wir wieder bei dem Punkt "Sicherheit"!

Es ist nicht unsere Meinung, daß Amdahl morgen in Konkurs geht. Es ist auch nicht unsere Meinung, daß die National Semiconductor-Anlagen im nächsten Jahr keine Wartung mehr haben. Aber es ist dennoch bei den Kunden eine wachsende Aversion zu sehen, für ein bißchen weniger Geld in irgendeiner Form doch ein bißchen höheres Risiko zu übernehmen. Ich lege bewußt die Betonung auf bißchen, denn man redet heute nicht mehr von doppelter Leistung zum halben Preis bei einem Fremdhersteller - die Margen sind kleiner geworden.

- Dem IBM-Kunden bietet sich doch nicht nur die Alternative, eine IBM-kompatible Zentraleinheit eines Fremdherstellers anstelle einer 303X einzusetzen. Er kann die 303X auch mit einer /370 vergleichen.

Es gibt Kunden, die sagen, ich will keine 3032 für gut zwei Millionen, mir reicht heute eine 163 Modell 3, die exakt das gleiche kann und nur noch eine Million Mark kostet. Dies wäre zweifellos häufiger, wenn wir nicht bei IBM-Kunden, vor allem in Zentraleuropa, einen gewissen Hang zum Neuen, Schöneren sehen würden.

- Wenn sich IBM mit den 370ern der Konkurrenz stellt, dann schaut sie aber doch sehr alt aus.

Ja und nein. Gegen die 370er, wenn wir zurückgehen auf eine 168 Modell 3 die einer 3032er leistungsmäßig gleich ist, haben Amdahl und Itel überhaupt nichts anzubieten. Nur: IBM selber lebt nicht vom Handel mit 370er, also mit gebrauchten Anlagen, kann also nicht 370/158er und 168er ins Feld führen, sondern muß dort mit einer 4341 als Ergänzung am unteren Ende operieren oder mit der 303X-Serie. Wir dagegen können dem Kunden mit einer Gebrauchtanlage zu einem günstigeren Preis-/Leistungsverhältnis verhelfen.

- Wie, glauben Sie, reagiert ein Manager, der mit EDV normalerweise nichts zu tun hat, aber sehr wohl mit Investitionen im Unternehmen, wie reagiert dieser Manager auf Rechnervergleiche, die jetzt veröffentlicht wurden ?

Dieser Mann liest das zunächst sehr positiv und wird sich dann in irgendeiner Form an Berater wenden - wenn er klug ist - und dann hören, welche Möglichkeiten es gibt, bei der IBM zu bleiben und dennoch preiswert seinen Job zu gestalten.