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20.09.1991 - 

Vereinheitlichung der Systemfunktionen beginnt mit Performancekontrolle

Ein gravierender Teil des Systemview-Konzepts von IBM

Im vergangenen Jahr stellte die IBM unter der Bezeichnung "Systemview" ihre Vision von der offenen, integrierten System-Management-Architektur vor. Kürzlich präsentierte der Marktführer dann eine Handvoll Partnerfirmen, die ihm helfen sollen, dieses Konzept zu verwirklichen. Warum diese Partner alle mehr oder weniger als Performance-Management-Experten gelten, versucht Gerhardt Merkel* zu ergründen.

Die Systemview-Ankündigung führte postwendend zu allerlei Spekulationen in der Branche: Die einen meinten, dies sei das Beste, was dem Rechenzentrum seit dem Verschwinden der Lochkarte widerfahren sei, und feierten bereits das Ende des chaotischen Durcheinanders von verschiedenen Systemen, Netzen und Applikationen.

Andere hielten sich bedeckt und sprachen von einer eher taktischen, einer vagen Absichtserklärung, der- wie so oft- jegliches "Fleisch am Knochengerüst" fehle. Manch einer vermutete sogar, daß dies Big Blues letzter Versuch sei, ihrem SAA-Konzept zum Durchbruch zu verhelfen, weshalb Systemview schlichtweg überlebenswichtig für den Branchenriesen sei.

Ganz egal, welche Meinung man teilt, Tatsache ist, daß IBMs Ankündigung das System-Management und somit das gesamte RZ in den nächsten Jahren grundlegend verändern wird. Viele Brancheninsider sehen darin einen neuen Standard, an dem niemand im System-Management-Markt vorbei kann.

Strategisch vor allem für Big Blue selbst

Systemview ist eine Strategie, keine festgelegte Architektur und schon gar kein Produkt. Es stellt ein dynamisches Konzept dar, das die Richtung weisen und den Rahmen abstecken soll, in den sich künftige Entwicklungen einzufügen haben. Daß diese Strategie kein Konzept für die Gegenwart bietet, tut ihrer Bedeutung für das unternehmensweite System-Management keinen Abbruch.

Natürlich ist Systemview in erster Linie für die IBM von strategischer Bedeutung. Die Stärkung des Mainframe als das Zentrum der Datenverarbeitung und die Durchsetzung der verschiedenen IBM-Standards in einer künftigen System-Management-Struktur dienen dazu, dem Branchenprimus auch in Zukunft einen Platz an der Sonne zu sichern. Ein Commitment zu anderen Plattformen war aus Armonk bislang noch nicht zu hören.

Auf der anderen Seite bedeutet Systemview aber auch einen wichtigen Schritt in Richtung offene Systeme, weil es Standards festlegt und auf diese Weise gewissermaßen "für Ordnung sorgt". Erst durch die Integration von LANs, Einzel-Arbeitsplätzen, Multiprozessor-Systemen und deren verschiedensten Applikationen sowie durch die Vereinheitlichung von Schnittstellen oder Datenformaten ist ein wirklich unternehmensweites System- und Informationsmanagement überhaupt denkbar.

Ganz klar, daß IBM seine Strategie nicht alleine verwirklichen kann. Deshalb wurden von vornherein Partnerschaften mit unabhängigen Softwarehäusern eingegegangen. Die Zusammenarbeit geht von losen Kooperationsvereinbarungen bis zu engen Entwicklungsgemeinschaften (mit Bachmann, Candle, Goal und Platinum).

Für die beteiligten Softwarehäuser ist dies natürlich eine große Chance, von Anfang an dabei zu sein und die Entwicklung von Systemview maßgeblich zu beeinflussen. Diesen Unternehmen bietet sich zudem die Gelegenheit, aus dem Schatten des Subsystem-Bereichs hervorzutreten. Die Unterteilung der Anwendungs-Dimension in sechs Schlüsselbereiche (siehe Kasten) macht es den Software-Anbietern außerdem möglich, sich auf ihr jeweiliges Spezialgebiet zu konzentrieren. Für den Anwender sind gemeinsam entwickelte integrierte Lösungen übrigens ebenfalls attraktiver als reine IBM-Lösungen.

Verdacht auf hohen Ressourcen-Verbrauch

Wer die von IBM im Juni dieses Jahres bekanntgegebenen Entwicklungspartner betrachtet, der stellt fest, daß sich alle vier Unternehmen im weitesten Sinne mit Performance-Management befassen. Das legt natürlich die Vermutung nahe, daß Systemview sich vielleicht als großer "Ressourcen-Fresser" entpuppen könnte. Parallelen zu DB2 werden von skeptischen Beobachtern gelegentlich ins Feld geführt.

Es gibt jedoch auch einen anderer Grund dafür, daß sich IBM das Know-how der Performance-Spezialisten sichern will: Noch konzentrieren sich fast alle Tools für das System-Management zu einer Zeit auf ein (Sub-)System. In komplexen unternehmensweiten Systemen aus unterschiedlichen Betriebssystemen, Datenbanken und Netzwerken genügt die isolierte Performance-überwachung der einzelnen Teile jedoch bei weitem nicht mehr.

Die bisher nicht durchgängige Strategie für das System-Management muß deshalb zu einer integrierten Strategie weiterentwickelt werden. Und dies ist eine große Herausforderung für die Performance-Experten.

Die Aufgabe besteht vor allem darin, weitreichende Verbesserungen in drei verschiedenen Sektoren zu erzielen:

1. flexible Lösungen, die der ständig wechselnden Entwicklung im Netz gerecht werden,

2. verstärkte Automation, nicht zuletzt um Personalengpässe zu überwinden, sowie

3. optimale Integration der verschiedensten Komponenten, um eine konsistente Umgebung für Analyse, Statistik und Planung zu schaffen.

Flexibilität, Automation und Integration sind für das System--Management- und damit für das Rechenzentrum der Zukunft- extrem wichtig, um die ausufernde Komplexität und die damit verbundenen hohen Kosten auf ein akzeptables Maß zu reduzieren.

Bei vielen Anwendern wurde

IBMs Systemview äußerst zurückhaltend aufgenommen, wohl auch deshalb, weil momentan noch gar keine speziellen Systemview-Produkte verfügbar sind und auch in nächster Zeit nicht sein werden.

Ob und wie schnell das Konzept sich durchsetzen kann hängt deshalb stark davon ab wie die Anwender mit dem Entwicklungstempo zufrieden sind und wie die Integration bereits vorhandener Produkte und selbstentwickelter Tools gelöst werden kann.

Für den Anwender ist es jedoch ratsam, die Entwicklung aufmerksam zu verfolgen. Darüber hinaus kann er heute schon einige System-Management-Projekte realisieren, die auch in Systemview ihren Platz haben werden. IBM hat angekündigt, Dokumentationen zu veröffentlichen, die es jedem Kunden oder Anbieter ermöglichen, Systemview-konforme Programme zu entwickeln.

Sollte der von der IBM vorgezeichnete strategische Rahmen erst einmal mit Leben, sprich Produkten, gefüllt sein, wird die Erkenntnis über den Nutzen die noch herrschende Skepsis sicher bald ablösen. Denn in die Systemview-Struktur werden weltweit verteilte, heterogene Systeme integriert, wodurch das

chaotische Durcheinander unterschiedlicher Systemwelten und Umgebungen ein Ende haben könnte.

Von Vorteil für den Anwender sind vor allem

- die standardisierten Schnittstellen und die dadurch deutlich verkürzten Lernkurven der Bediener,

-der verbesserte Zugriff, also auch die schnellerere Problemlösung, - die erweiterte Automation: Routineaufgaben entfallen, das Personal kann sich den entscheidenden Problemen widmen, - die komfortableren Analyse-Möglichkeiten: Informationen über das komplette System sind schnell und in übersichtlicher Form verfügbar.

Insgesamt steigen Zuverlässigkeit und Stabilität des Systems und dadurch letztendlich auch die Produktivität. Dabei sollen die Verbesserungen in allen Bereichen des RZs durchgreifen, vom Operating über die Systemprogrammierung bis hin zum RZ-Management. Außerdem wird Systemview positiven Ein fluß auf das Zusammenwirken von RZ und End-Benutzern in den Unternehmen haben, wenn deren steigende Ansprüche künftig mit Hilfe eines optimierten System-Managements schnell, zuverlässig und vor allem kostengünstig erfüllt werden.

Was ist Systemview?

Im Rahmen der Ankündigung des Systems /390 stellte IBM im September 1990 auch Systemview vor. Dabei handelt es sich um ein Konzept für integriertes Systemmanagement über verschiedene Plattformen, das Konsistenz und Automation in unternehmensweiten Informationssystemen gewährleisten soll.

Systemview hat drei wesentliche Ziele: die Integration von Systemmanagement-Applikationen und -Werkzeugen, die Automation von Systemmanagement-Aufgaben sowie die Schaffung einer offenen Struktur für verschiedene Plattformen. Von grundlegender Bedeutung ist auch die von IBM vorgenommene Einteilung in drei Dimensionen, die die Struktur von Systemview charakterisieren:

1. die End-use-Dimension: einheitliche Schnittstellen für alle System-Management-Applikationen,

2. die Daten-Dimension: einheitliche Datenformate, Meßmethoden sowie Speicher- und Zugriffsmöglichkeiten für alle System-Management-Informationen

3. die Anwendungs-Dimension: Zerlegung des gesamten Systemmanagements in sechs Schlüsselbereiche (Business-, Change-, Configuration-, Operations-, Performance- und Problemmanagement).