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08.07.1994

Ein grosser Teil der Geruechte ueber uns stammt von Microsoft

CW: Borland hat drei Jahre gebraucht, um "Dbase for Windows" auf die Reihe zu bekommen. Viele Ihrer Kunden fragen sich, warum.

Kahn: Der Grund dafuer ist folgender: Es handelt sich dabei um ein neuartiges Werkzeug, naemlich um die erste 4GL mit Two-Way-Tool- Technik. Und ein solches Produkt zu entwickeln, dauert eben etwas laenger.

CW: Marktbeobachter sehen Dbase for Windows als Borlands letzte Chance, wieder profitabel zu werden.

Kahn: Es geht hier keineswegs um eine letzte Chance oder etwas dergleichen.

CW: Aber nachdem Sie die Anwender so lange haben warten lassen, duerfen Sie sich bei Dbase for Windows einfach keine Bugs leisten.

Kahn: Wenn Sie meinen, dass das Produkt extrem solide sein muss, stimme ich Ihnen zu. Aber die Qualitaet unserer Produkte war nie Gegenstand der Argumentation. Die Leute fragen uns hoechstens, ob wir Geld machen oder welches verlieren.

CW: Da sind wir auf dem Punkt. Sie beteuern zwar staendig, Borland stehe nicht zum Verkauf, aber Sie haben damit keineswegs alle Zweifel zerstreut.

Kahn: Wir sind ein boersennotiertes Unternehmen. Wenn Borland zum Verkauf stuende und ich das Gegenteil behaupten wuerde, waere das nach US-Marktrecht strafbar. Also noch einmal: Wir sind nicht zu haben.

CW: Gibt es Unternehmen, die an einem Kauf interessiert waeren?

Kahn: Jetzt hoeren Sie mal zu: Tatsache ist, dass wir die beste Technologie und die beste Produktqualitaet haben. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einer Bar, und da sind alle diese Kerle, die mit Ihnen ins Bett wollen. Gehen Sie etwa mit denen mit?

CW: Im Augenblick wird es wohl nicht so viele geben, die mit Borland ins Bett wollen.

Kahn: Doch, eine Menge Leute haben Interesse an Borland.

CW: Ist Novell darunter?

Kahn: Wuerde Borland verkaufen, waere Novell sicher interessiert.

CW: Der Deal zwischen Ihnen und Novell bekaeme wirklich einen Sinn, wenn Novell Borland kaufen wuerde. Im Hinblick auf das Lizenzabkommen fuer Paradox kann Novell jedenfalls nicht zulassen, dass Borland in andere Haende geraet.

Kahn: Richtig! Deshalb stehen wir ja nicht zum Verkauf. Dieser Deal hat naemlich auch dann einen Sinn, wenn Borland als unabhaengiges Unternehmen waechst.

CW: Wie wollen Sie dieses Wachstum finanzieren?

Kahn: Zunaechst mit den 145 Millionen Dollar, die Novell fuer Quattro Pro gezahlt hat.

CW: Wie waer's damit: Novell gibt Ihnen dieses Geld. Sie sanieren mit diesen Mitteln das Unternehmen, bevor Novell es uebernimmt.

Kahn: Warum sollte Novell das tun? Um den Aktienpreis in die Hoehe zu treiben und drei- oder viermal soviel zu zahlen? Das waere wirklich eine dumme Idee.

CW: Bislang hat sich der Kurs noch nicht bewegt.

Kahn: Das wird auch noch neun oder zehn Monate dauern ... Hoeren Sie, ich weiss jetzt wirklich nicht mehr, was ich Ihnen noch sagen soll. Offenbar wuerde nichts Sie davon abhalten, weiter zu spekulieren.

CW: Ich sitze hier stellvertretend fuer Ihre Kunden. Und die moechten sicher sein, dass Sie die Vertraege nicht bereits unterschrieben in der Schublade haben.

Kahn: Wenn das so waere, naehme ich bestimmt nicht an einer "Dbase World Tour" teil. Vielmehr waere ich dann auf Hawaii.

CW: Vielleicht tun Sie das alles, um den Preis in die Hoehe zu treiben.

Kahn: Oh, Jesus! Da wissen Sie offenbar mehr als ich.

CW: Alles, was ich weiss, ist, dass die Anwender beunruhigt sind.

Kahn: O.k., dann ruecken Sie die Dinge zurecht und zitieren Sie mich folgendermassen: Wir sind hundertprozentig entschlossen, unabhaengig zu bleiben. Alles andere sind Geruechte. Ein grosser Teil davon stammt uebrigens von Microsoft. Weil sie in puncto Technologie und Qualitaet nicht mithalten koennen, verbreiten sie FUD (Fear, Uncertainty and Doubt, Anm. d. Red.).

CW: So viel Enthusiasmus fuer Ihr Unternehmen habe ich gar nicht erwartet. Als ich Sie das letzte Mal traf, wollten Sie lieber ueber Jazz und gutes Essen sprechen als ueber Borland.

Kahn: Da muessen mich an einem schlechten Tag erwischt haben. Ich stehe voll und ganz hinter dem Unternehmen.

Philippe Kahn ist Gruender und CEO der Borland International Inc., Scotts Valley, Kalifornien. Das Gespraech fuehrte CW-Redakteurin Karin Quack.