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06.09.1991 - 

Umschulung in den neuen Bundesländern

Ein Großteil der Teilnehmer hat akademische Vorbildung

Bis zum Ende des Jahres, so mutmaßen Arbeitsmarktexperten, wird die Erwerbslosenquote in den neuen Bundesländern bis auf 40 Prozent ansteigen. Wer dann noch Chancen haben will, muß über umfangreiche Qualifikationen verfügen. Das haben nicht nur die neuen Bundesbürger und ihre Arbeitsämter erkannt, sondern auch zahlreiche westdeutsche Weiterbildungsinstitute. Ihre Situation beschreibt Beatrice Dolinski* .

Was der seit dem Umschulungsboom von 1987 stagnierenden bundesdeutschen Weiterbildungsbranche als gigantische Marktlücke erschien, entpuppte sich recht bald als zwiespältige Angelegenheit. Zahlreiche Weiterbildungsanbieter scheiterten bereits in den ersten Monaten nach der Maueröffnung. Ihnen fehlte wohl das nötige Durchhaltevermögen zur Überbrückung der ersten Durststrecken.

Das Control Data Institut (CDI) ist in den neuen Bundesländern seit etwa einem Jahr aktiv. Dabei setzt es in seinen zwölf Standorten in den neuen Bundesländern auf Weststandard. "Dies bedeutet nicht nur, daß wir uns auch hier an den Bedürfnissen des Marktes orientieren. Es heißt auch, daß wir versuchen, die Institute im Osten mit den gleichen Materialien und Einrichtungen auszustatten wie die im Westen", erläutert Helmut Stojetz, Leiter Qualifizierung Ost, der für den Aufbau eines Institutsnetzes in den neuen Bundesländern zuständig ist.

Hohe Ansprüche an die Qualität

Was sich in Raumausstattung, Hardware, Geräten und Programmen gleicht, unterscheidet sich allerdings in anderen Aspekten. So wurde durch die Auflösung der Ministerien in Berlin, Leipzig und Dresden ein enormes intellektuelles Potential frei. Viele Teilnehmer an Qualifizierungsmaßnahmen, die vollständig vom Arbeitsamt finanziert werden, sind Akademiker. Auch die Anzahl der Teilnehmer mit langjähriger Berufserfahrung ist im Osten wesentlich höher als im Westen. Den Bildungsunternehmen tritt hier ein durchaus engagierter Teilnehmerkreis entgegen, der hohe Ansprüche an die Qualität der Kurse sowie an das fachliche und didaktische Talent der Dozenten stellt.

Was den meisten Bürgern im Osten jedoch fehlt, sind zum einen betriebswirtschaftliche beziehungsweise marktwirtschaftliche Kenntnisse und zum anderen typische Schlüsselqualifikationen. Da in der diffusen Arbeitsmarktsituation der neuen Bundesländer gerade diese Zusatzqualifikationen bei der Bewerberentscheidung eines Arbeitgebers eine große Rolle spielen, bietet CDI als Teil aller Seminarprogramme ein Bewerbungstraining an - ein Konzept, das bereits seine ersten Früchte trägt. Denn nach einem Jahr Laufzeit geht die erste Qualifizierungsrunde mit Sekretariatsausbildungen und DV-Anpassungen zu Ende. Die Erfolgsquoten sind hoch. Fast alle Teilnehmer fanden durch diese Zusatzqualifikationen einen neuen Arbeitsplatz.

Ähnlich erfolgreich laufen die Qualifizierungen für den Management-Bereich und die typischen DV-Kernberufe. Noch ist kein Kurs abgeschlossen, doch steigen während der Laufzeit immer wieder Teilnehmer aus, die bereits einen Arbeitsplatz gefunden haben. "Einige bewerben sich sogar nur mit den positiven Ergebnissen unseres Eignungstests und haben damit Erfolg", kommentiert Stojetz.

Dennoch sind im Osten der Republik noch nicht wirklich rosige Zeiten für die Weiterbildungsbranche angebrochen. Zwar fließen die Gelder der Bundesanstalt für Arbeit inzwischen zuverlässig, doch der Markt bleibt trotz der anfänglichen Aussiebung undurchsichtig. "Die Teilnehmer im Osten tun sich schwer, zwischen fairen und schlechten Angeboten zu unterscheiden", erklärt Helmut Stojetz, der weiß, daß durch schwarze Schafe der Ruf der Branche in den neuen Bundesländern leidet.

Probleme gibt es auch bei der Suche nach geeigneten Dozenten. Da aktuelles DV-Wissen, kombiniert mit modernen, pädagogischen und didaktischen Kenntnissen, zur Zeit in den neuen Bundesländern noch relativ schwierig zu finden ist, wird schwerpunktmäßig in den alten Bundesländern für die Dozentenjobs im Osten geworben.

Doch die Hemmschwelle vor einem Wechsel in den Osten ist zum Leidwesen der CDI-Verantwortlichen sehr hoch.

Was den Weiterbildungsträgern zudem Schwierigkeiten bereitet, sind die fehlenden Räumlichkeiten. "Häufig zeigen sich ehemalige Kombinatsbetriebe völlig unflexibel, wenn wir Gebäude und leerstehende Räume übernehmen möchten. Obwohl wir bereit sind zu investieren, haben wir oft keine Chance", fügt Stojetz hinzu. Hinzu kommt ein Problem, mit dem Investoren aller Branchen in den neuen Bundesländern zu kämpfen haben: eine mangelhafte Infrastruktur. Ungewöhnliche Selbsthilfe ist hier manchmal gefragt. So spendierte das neue CDI in Jena dem unter Fahrzeugmangel leidenden Postamt ein Fahrrad mit großem Gepäckträger. Jetzt erhält das Institut seine Post täglich pünktlich zugestellt.