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22.07.1988 - 

Das Data-Dictionary kommt zu neuen Ehren:

Ein Inhaltsverzeichnis wird zum Betriebs-Leitfaden

*Dr. Klaus Heuer ist Bereichsleiter Informationsmanagement bei der GEDO Unternehmensberatung und EDV-Organisation GmbH in Hamburg.

Der Einsatz von Datenbanksystemen ist nur dann sinnvoll, wenn die Struktur des Systems die des Unternehmens widerspiegelt. Schon ein klar definiertes und strukturiertes Data-Dictionary kann da eine wertvolle Hilfe sein. Erläuterungen gibt Klaus Heuer*.

Die Zukunft der Anwendungsentwicklung ist ohne die zentrale Komponente Dictionary/Repository/Enzyklopädie nicht mehr vorstellbar. Trotzdem sind diese Werkzeuge in vielen Unternehmen noch nicht vorhanden.

Die Gründe für diese noch längst nicht vollzogene Integration liegen sicherlich zum einen auf der Seite der Dictionary-Anbieter, die es noch nicht geschafft haben, Fähigkeiten, Nutzen und strategische Bedeutung praxisgerecht darzustellen.

Andererseits steht diesen Anbietern und Produkten eine allzu hohe Erwartungshaltung bei den Anwendern gegenüber, die Ad-hoc-Erfolge und in kürzester Zeit Rationalisierungserfolge sowie massivste Einsparungen ohne Eigenaufwand sehen

wollen.

Der Schritt auf eine Dictionary-integrierte Anwendungsentwicklung ist ein Schritt in Richtung einer strategischen Neuorientierung der unternehmensweiten Informationsbereitstellung und -verarbeitung. Er setzt sorgfältige Zielsetzungen und einen Stufenplan voraus.

Wie der Aufbau einer Spedition nicht allein mit dem Kauf eines Lkw vollzogen ist, ist um das Produkt Dictionary-System eine Infrastruktur zu organisieren, die einerseits frühe Rationalisierungserfolge und Einsparungen garantiert, andererseits aber auch ständig neuen und höheren Anforderungen gerecht werden kann. Vor dem Erfahrungshintergrund mancher Dictionary-Einführungen gilt das Prinzip: Evolution statt Revolution.

Dictionary-Systeme sind nicht in erster Linie produktivitätssteigernde und damit kostensparende Werkzeuge für die Neuentwicklung. Ihr Einsatz kommt vielmehr erst dann voll zum Tragen, wenn sie zur Qualitätsverbesserung von Anwendungssystemen verwendet werden.

Die Qualität von Anwendungssystemen zahlt sich in letzter Konsequenz bei der Weiterentwicklung und bei Pflege und Wartung aus. Dieser Bereich bindet in den meisten Unternehmen einerseits den Großteil der Ressourcen, bietet aber aus dem gleichen Grund auch das größte Rationalisierungspotential, Hier lohnt sich der Dictionary-Einsatz für die Anwendungsentwicklung am deutlichsten.

Die Voraussetzung für optimale Rationalisierungserfolge ist allerdings ein möglichst breiter Wirkungsbereich der Neustrukturierung. Im einzelnen ist der Einsatz von Dictionaries in folgenden Bereichen sinnvoll: Das Datenbankmanagement ist der traditionelle Bereich für den Einsatz von Dictionary-Systemen. Das Datenbank-Management-System (DBMS) verwaltet physische Details seiner operationalen Datenbanken und deren Beschreibungen im zentralen Data-Dictionary. Datenbankbeschreibungen für unterschiedliche Ziel-Datenbank-Systeme werden automatisch generiert. Bei Änderungen der Datenbank-Strukturen können zuverlässige Aussagen über Konsequenzen und nachfolgende Maßnahmen abgeleitet werden. Die Änderungen erfolgen im Dictionary-System. Definitionen werden neu generiert.

Trotz vieler Vorteile dieser Praxis sind Wirkung und damit auch Nutzen lediglich auf einen sehr kleinen Teilbereich der gesamten Org/DV-Landschaft limitiert.

Komplexe Strukturen und Zusammenhänge gibt es nicht nur auf der technisch-physischen Ebene. Die Realisierung operationaler Datenbanken setzt die fachliche Auseinandersetzung mit den Informationserfordernissen des Anwenders voraus. Die sind jedoch in aller Regel nicht klar, eindeutig und formal faßbar.

Aus anonymen Daten werden Informationen

Strukturierungs-, Führungs- und Entscheidungshilfen für die Kommunikation mit dem Anwender sind aber unbedingt notwendig. Dazu benötigt der Anwender neben der technischen Beschreibung der im Unternehmen vorhandenen Datenbestände auch eindeutige betriebswirtschaftliche Definitionen.

Die fachliche Beschreibung von Daten - was bedeutet für das Unternehmen der "Auftragswert Brutto"? - macht anonyme Daten zu brauchbaren Informationen und damit zu zuverlässigen Ressourcen für die Informationsverarbeitung. Für diese Definitionen sind die Fachabteilungen verantwortlich. Nur sie sind in der Lage, die betriebswirtschaftliche Abgrenzung von "Auftragswert Brutto" und "Bestellwert Brutto" zu liefern und zu dokumentieren.

Der Platz für diese Beschreibung ist ebenfalls das zentrale Dictionary-System. Fachliche und physischtechnische Beschreibung werden miteinander verknüpft. Übergreifende Auswertungen der Informationszusammenhänge sind möglich.

Mit der betriebswirtschaftlichen Analyse und Definition der Unternehmensdaten wird der Wirkungsbereich für Dictionary-Systeme auf die der Implementierung von Anwendungssystemen vorgelagerten Entwurfstätigkeiten ("frühe Phasen") erweitert. Hier haben wir es aber nicht nur mit der Datenseite geplanter Anwendungssysteme zu tun. Fachliche Datendefinitionen und Strukturen sind ohne Betrachtung der betrieblichen Geschäftsvorfälle, Funktionen und Abläufe nicht vollständig und zuverlässig beschreibbar.

Daten- und Funktionsstrukturen auf fachlicher und DV-technischer Ebene sollten miteinander verbunden und im Dictionary-System verwaltet werden. Ein solchermaßen zustandegekommenes Gesamtsystem sollte gespeichert werden und als Leitfaden für Neuentwicklungen dienen. Neue Anwendungssysteme werden dann am Gesamtmodell ausgerichtet. Damit rückt das Dictionary-System in das Zentrum von Systemplanung und Anwendungsentwicklung. Sein Wirkungsbereich geht aber noch weit darüber hinaus.

Mit wachsenden Anforderungen erhöht sich aber nicht nur der Bedarf an methodischer Führung, sondern es kommen auch neue Ansprüche an die Benutzerfreundlichkeit hinzu.

Was an Bedienungskomfort für den DV-Experten noch tragbar war, führt beim Sachbearbeiter zu strikter Ablehnung. So ist etwa die Grafikfähigkeit bei der Entwicklung von Funktions- und Datenmodellen ein Kriterium, das bei der Einsatzplanung von Dictionary-Systemen in den "frühen Phasen" mitentscheiden sollte.

Nicht zuletzt der Aspekt der Qualitätssicherung ist ein entscheidendes Kriterium bei Positionierung und Einsatz eines zentralen Dictionary-Systems. Qualitätssicherung umfaßt alle Maßnahmen, die die Zuverlässigkeit, Wartbarkeit und Korrektheit des Anwendungssystems optimieren.

Qualitätssicherung setzt in zeitgemäßen Entwicklungsumgebungen projektbegleitend an. Die Aufgabe des zentralen Dictionary-Systems besteht demzufolge darin, seinen Inhalt permanent Qualitätskontrollen zu unterwerfen und deren Einhaltung zu garantieren.

Nicht alle Detailentscheidungen für eine neue Infrastruktur müssen bereits heute getroffen werden. Die wichtigste Entscheidung jedoch ist, Oberhaupt eine stabile Grundlage zu schaffen, die konzeptionell und technisch in der Lage ist, auch den in der Zukunft erwarteten, noch nicht konkret absehbaren Anforderungen an ein funktionierendes Informations-Management gerecht werden zu können. Dazu ist ein Dictionary-System der entscheidende Baustein.