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26.07.1996 - 

Rogue Waves Java-Entwicklungsumgebung Jfactory

Ein Kaffeeautomat für Applet-Programmierer

Jfactory von Rogue Wave ist eine Entwicklungsumgebung, die es in Anlehnung an die restliche IDE-Welt (Integrated Development Environment) dem Anwender gestattet, visuell Programme zu entwerfen und anhand dieser Vorlagen automatisch Java-Sourcecode zu generieren.

Wie die etablierten Entwicklungsumgebungen "Microsoft Visual Basic" oder "Borland Delphi" bietet auch Rogue Waves Werkzeug die typischen Vorteile visueller Programmierung: So muß der Anwender keine Konstanten kennen, sondern kann die möglichen Attributeigenschaften von grafischen Elementen (wie Schaltflächen oder Eingabefeldern) lediglich aus einer Listbox auswählen. Ebenso hilfreich bei der Entwicklung von Programmen ist die kontextsensitive Hilfe.

Neben der eigentlichen Aufgabe, dem Design von Applikationen, können auch Prototypen angelegt werden, die wiederum als Vorlage für andere Applikationen dienen.

Jfactory umfaßt mehrere Komponenten. Das Herzstück der Entwicklungsumgebung ist der "Projekt-Manager". Er zeigt einen Überblick über die einzelnen Objekte, aus denen sich das Projekt zusammensetzt, und erleichtert deren Verwaltung.

Beim "Dialog-Designtool" handelt es sich um ein visuelles Hilfsmittel zum Gestalten grafischer Elemente. Unter anderem werden hier per Drag and drop Listboxen oder Schaltflächen angelegt.

Der "Menüdesigner" hilft bei der schnellen Definition von Menüs und Untermenüs. Über die Import-Export-Schnittstelle lassen sich Formulare oder Dialoge sowohl im- als auch exportieren. Hierbei kann das Tool mit den Windows-üblichen Formaten .RC und .DLG umgehen.

Aus den visuell erzeugten Formularen und Menüs erstellt Jfactorys Codegenerator Java-Quelltext. Der Benutzer kann anschließend eigene Codeteile hinzufügen oder den Sourcecode verändern. Der Codegenerator ist schlau genug, diese Anpassungen bei späterer Neugenerierung des Codes nicht zu überschrieben. Ferner erlaubt es Jfactory, Tools von Drittanbietern einzubinden. Dies ist für all jene interessant, die anstelle des eingebauten Editors oder Debuggers ihre eigenen Werkzeuge benutzen wollen.

Der "Objekt-Manager" verwaltet die Eigenschaften des jeweiligen Objekts. Hierbei springt die Ähnlichkeit zu anderen visuellen Entwicklungsumgebungen ins Auge - allerdings ist dort meist eine reichhaltigere Auswahl an Properties und Objekten anzutreffen. Für gängige Anwendungen reicht jedoch das, was Jfactory hier bietet, in der Regel aus. Neben den Properties werden im Objekt-Manager zudem die Ereignisse behandelt, die für bestimmte Objekte zutreffen - allerdings findet sich auch hier nur das Notwendigste wie beispielsweise "Key down", "Lost Focus" etc.

Aufgabe der mitgelieferten Objektbibliothek ist es, fertig gestaltete Objekte abzulegen und später in anderen Projekten wiederzuverwenden. Außerdem läßt Jfactory die Definition von Basisklassen zu, die als Vaterobjekte für andere Module dienen. Fast schon selbstverständlich ist, daß das Entwicklungs-Tool auch den Datenaustausch über die Zwischenablage unterstützt.

Die Entwicklungsumgebung läßt sich intuitiv über kontextsensitive Popup-Menüs bedienen. Entsprechend der Windows-95-Konvention ist es möglich, über die rechte Maustaste ein sogenanntes Popup-Menü aufzurufen. Hierdurch werden die Objekte bezüglich Größe oder Ausrichtung konfiguriert. Auch neue Objekte lassen sich über das Popup-Menü hinzufügen.

Jfactory verfügt über keinen eigenen Java-Compiler und ist daher auf Suns JDK angewiesen. Dieses gehört aber leider nicht zum Lieferumfang, kann allerdings kostenlos über das Internet bezogen werden.

Fazit: Die Entwicklungsumgebung Jfactory vollzieht auf der Ebene von Java die Evolution in der Software-Entwicklung nach, die bei anderen Sprachen bereits vor längerer Zeit stattgefunden hat. Trotz guter Ansatzpunkte läßt sich jedoch ein gewisser Rückstand beim Funktionsumfang (bezogen auf die übrige visuelle Entwicklungswelt) nicht übersehen.

*Robert Sommerer ist Software-Entwickler und freier Fachjournalist im oberbayrischen Rosenheim.