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07.12.2004

"Ein kräftiger IT-Mittelstand fehlt uns jetzt"

Die Konsolidierung läuft. Herbert Weber, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Software- und Systemtechnik (ISST), zieht im Gespräch mit CW-Redakteur Alexander Freimark eine Bilanz des Jahres 2004.

CW: Befindet sich die deutsche IT-Landschaft in der oft kolportierten Phase des Ausverkaufs?

Weber: "Ausverkauf" ist ein starkes Wort. Aber alle Zeichen deuten in der Tat darauf hin, dass die Szene weiter schrumpft. Es gibt einfach zu wenig Innovationen, neue Produkte und Dienstleistungen sind selten.

CW: Wo liegt das Problem, in der Forschung oder bei der Umsetzung der Ideen in marktgerechte Lösungen?

Weber: Die Umsetzung ist das große Problem. Es wird zu wenig investiert, weil es so gut wie kein Venture Capital mehr gibt und sich auch Konzerne mit direkten Finanzierungen zurückhalten. Dies liegt nicht zuletzt an der allgemeinen Verunsicherung, wie es überhaupt mit der Wirtschaft weitergeht. Der Blick ins Ausland als Inspirationsquelle für neue Ansätze wird überdies nur selten riskiert, stattdessen findet eine deutsche Nabelschau statt.

CW: Geld ist die eine Seite. Wäre es nicht aber sinnvoller, Startup-Firmen dahingehend zu unterstützen, dass ihre Ideen auch wirklich der technischen Nachfrage des Marktes entsprechen?

Weber: Darüber ärgere ich mich schon seit geraumer Zeit, denn oft werden Business-Pläne nur um ihrer selbst willen geschrieben. Das Prozedere rund um den schönsten Business-Plan hat sich leider zu einem Mechanismus entwickelt, in dem die eigentliche Geschäftsidee nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Viele IT-erfahrene Manager wären tatsächlich bereit, eine Art Technical Angel zu werden, wenn es denn die entsprechende wirtschaftliche Basis dafür gäbe.

CW: Die IT-Branche hat in den vergangenen Jahren ihr Selbstverständnis und die Unbeschwertheit verloren. Früher war alles machbar. Macht man heutzutage lieber erstmal nichts, nur um nicht zu scheitern?

Weber: Das sehe ich ähnlich. Gerade in Deutschland ist das Pendel extrem in die defensive Richtung ausgeschlagen. Es wird jedoch Zeit, sich endlich wieder auf die eigenen Stärken zu besinnen - die Industrie fordert ja vehement mehr IT-Unterstützung. Dies gilt hierzulande besonders für die traditionellen Branchen wie die Automobilindustrie, den Maschinen- sowie den Anlagenbau, deren Probleme immer komplexer werden. Wir müssen genauer auf unsere Heimatmärkte gucken - und dabei den Blick über den deutschen Tellerrand nicht vergessen.

CW: Welche Softwaresegmente haben denn hierzulande überhaupt noch gute Karten?

Weber: In der Anwendungsentwicklung ist Deutschland generell stark. Geringe Chancen haben wir, um in den Basistechnologien aufzuholen - wenn überhaupt.

CW: Es gibt aber lediglich noch ein Unternehmen in Deutschland, nämlich SAP, das mit Anwendungen international erfolgreich ist.

Weber: Das ist übertrieben, aber im Grunde genommen haben Sie Recht. Ab einer bestimmten Größe werden Konzerne jedoch unflexibel und unfähig, sich zu erneuern. Hier können theoretisch immer wieder kleine und mittelgroße Firmen nachstoßen. Leider haben einige davon in der Zwischenzeit die Behäbigkeit der Konzerne angenommen, was sich nun hierzulande zusätzlich negativ auswirkt. In den vergangenen 15 Jahren vor der Branchenkrise gab es kaum eine Konsolidierung, da hätten sehr viel mehr kleine Teile zusammenwachsen müssen. Die Kapitalmärkte konnten oder wollten diesen Prozess nicht unterstützen. In Großbritannien etwa gibt es einen kräftigen IT-Mittelstand, der fehlt uns jetzt.

CW: Wie lautet Ihr Resümee für das deutsche IT-Jahr 2004?

Weber: Wir haben uns so einigermaßen geschlagen.

CW: Wird sich die Branche im Jahr 2005 ähnlich entwickeln?

Weber: Ich fürchte, ja.