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17.05.1991 - 

Unix-Konferenz für kommerzielle DV-Anwender

Ein Kulturschock: Der Weg vom Mainframe zu offenen Systemen

FRANKFURT (gfh) - Immer öfter verordnet das Management seinen zentral organisierten DV-Abteilungen eine Unix-Roßkur. Dort stehen nun

die Mainframe-Spezialisten vordem Problem, eine fremde und andersartige Systemwelt in die vorhandene DV-Struktur einzubinden. Die jetzt in Frankfurt veranstaltete Unix-Konferenz der GMO AG, Hamburg, hat versucht, den IT-Managern in dieser Situation Orientierungshilfe zu geben.

"Wir wollen nicht für Unix werben, sondern kommerziellen Anwendern klarmachen, auf welche Schwierigkeiten und Veränderungen sie sich gefaßt machen müssen, wenn sie sich für dieses Betriebssystem entscheiden", erklärt GMO-Geschäftsführer Wolf-Rüdiger fransen sein Konzept, mit dem er sich vom Gros der derzeitigen Unix-Veranstaltungen absetzen will.

Diesem Ziel entsprechend blieb den Besuchern der Dauerstreit über die verschiedenen Unix-Derivate ebenso erspart wie die Marketing-Sprüche über eine angeblich heile Unix-Welt Statt dessen machten die Referenten den Anwendern klar, wie sehr sich das Management des Unix-Umgebungen von dem der zentralen Datenverarbeitung unterscheidet. Darüber hinaus beklagten sie das Fehlen von Schnittstellen-Standards für die Integration von offenen Systemen in die herkömmliche Mainframe-Welt.

Von zentraler Bedeutung für die Vertreter aus reinen IBM-Shops war die Frage, inwieweit sich Unix-Systeme in das SAA-Konzept von Big Blue einbinden lassen. In seinem Vortrag versprach der IBM-Manager Dieter Wollschläger eine Reihe von Verbindungen zwischen den Unix-Systemen RS/6000 und der proprietären Rechnerwelt der Armonker. Eine Einbeziehung von AIX in das SAA-Konzept sei allerdings nicht vorgesehen.

Ab 1992 sollen die RS/6000-Anwender laut Wollschläger gleichzeitig Fenster für die Verarbeitung von MVS-, OS/2- und OS/400-Anwendungen öffnen können. In der SAA-konformen Variante sieht IBM dafür die grafische Benutzeroberfläche Presentation Manager und das hauseigene Netzprotokoll LU6.2 vor. Bei der Verwendung der standardisierten X.-Protokolle läßt sich aber auch die AIX-Version der Motif-Oberfläche von der OSF einsetzen. Weitere Verbindungen zwischen SAA und AIX sollen durch OSFs verteile Anwendungsumgebung DCF und über die von IBM versprochene AIX-Version des Transaktionsmonitor CICS geschaffen werden.

Gerade auf dem Gebiet der Online-Transaktionsverarbeitung wurde der Unterschied zwischen Unix- und Mainframe-Welt besonders deutlich. Erich Dietrich, Leiter der EDV-System Entwicklung bei der TRW Repa GmbH, Alfdorf, kann sich kaum vorstellen, wie die Unix-Anwender bisher ohne Transaktionsmonitor auskommen konnten.

Es hat sich herausgestellt, daß die Art und Weise, wie diese Aufgaben bisher von Datenbankwerkzeugen erledigt wurden, den Anforderungen kommerzieller DV nicht genügte. Diesen Mangel versuchen inzwischen mehrere Anbieter zu beheben.

Zwar kann bisher nur AT&T mit einem marktreifen OLTP-Produkt aufwerten, neben der IBM hat auf der GMO-Veranstaltung nun aber auch Hans Stollev von der Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG den Anwendern einen Transaktionsmonitor für Unix versprochen. In seinem Vortrag beschrieb(...)r SNI-Rechner, wie der Transaktionmonitor UTM mit den hauseigenen BS2000- und MVS-Systemen von IBM zusammenarbeiten soll.

In ihrem Vortrag über die kommerzielle Nutzung von Unix empfiehlt Pamela Gray, eine Initiatorin der Open-Systems-Bewegung, allerdings, auf das Multiuser-Betriebssystem zu verzichtenfalls die OLTP-Anforderung besonders groß sind oder keine akzeptablen Migrationswege in Richtung Unix gefunden werden können. Außerdem müsse sich jeder Einsteiger darüber klar sein, daß er sich mit offenen Systemen eine extensive Netztätigkeit einhandelt, die zudem aufgrund fehlender Standards schwierig zu managen ist.

In Hinblick auf künftige Anforderungen wie verteilte Datenverarbeitung und objektorientierte Techniken rät Gray den Anwendern allerdings dringend, nur dann proprietäre Systeme zu kaufen, wenn es ohne sie nicht geht. Außerdem belegt sie anhand einer Reihe von Beispielen von geglückten Umstellungen, daß die Umstellung auf offene Systeme durchaus in den Griff zu bekommen ist. Konkret nennt sie den Mineralölkonzern Britisch Petrol (BP), der europaweit seine gesamte Software auf Unix umgestellt habe.

Eine erfolgreiche Einführung von Unix-Systemen kann auch der Kölner Gerling-Konzern vorweisen. Nach Auskunft von Thomas Kahlhardt, Direktor des Versicherungsunternehmens, wurde innerhalb von drei Monaten ein über Telefonleitungen verbundenes Unix-Netz mit 56 Rechnern und rund 550 angeschlossenen Bildschirmen aufgebaut und mit der zentralen DV verbunden. Die Entscheidung zugunsten von Unix fiel vor knapp zwei Jahren, als sich herausstellte daß ein vergleichbares MS-DOS-Netz je Arbeitsplatz 27 000 Mark gekostet hätte, während die jetzige Lösung mit 12 000 Mark je Rechner zu Buche schlägt.