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Endlich beschreibt ein Anwender mal die Schwierigkeiten:


02.04.1976 - 

Ein langer Weg, bis wir mit dem DSS zufrieden waren

Die Fachwelt ist über die Möglichkeiten von Datensammelsystemen so umfassend informiert, daß Berichte über das Thema nur noch auf Interesse stoßen, wenn sie

- sehr offen über Schwierigkeiten sprechen und damit möglicherweise helfen, anderenorts ähnliche Probleme zu vermeiden oder besser zu lösen.

In einem Artikel der zweiten Art beschreibt Dr. Arndt Liesen, Abteilungsleiter Datenverarbeitung im Bundesamt für Finanzen, Bonn, den Einsatz und die damit verbundenen Erfahrungen der Datenerfassung im Rechenzentrum der Bundesfinanzverwaltung, das überwiegend für die Besoldungsstelle der Bundesfinanzverwaltung tätig ist. Liesen nimmt in seinem Bericht ÖVD, öffentliche Verwaltung und Datenverarbeitung, Ausgabe 2/76, Verlag W. Kohlhammer/Deutscher Gemeindeverlag, Stuttg./Köln in Kauf, "daß unter diesem Gesichtswinkel die bekannten Vorzüge eines Datensammelsystems, die natürlich auch bei der dem Artikel zugrunde liegenden Anwendung zu verzeichnen sind, weniger deutlich in Erscheinung treten". Das im BfF seit 1973 eingesetzte Datensammelsystem ("Den Hersteller hier zu nennen, würde keine wesentlichen Informationen bringen, möglicherweise aber irreleitende Assoziationen stiften") ist heute mit einer Zentraleinheit, einer Platteneinheit, einer Bandeinheit und 12 Eingabeplätzen ausgestattet. hö

Die mit dem Vertrieb von Datensammelsystemen Beauftragten gestehen in den Akquisitionsgesprächen regelmäßig ohne Zögern zu, daß beim Betrieb des Systems schon einmal ein Eingabeplatz ausfallen könne, weisen darauf hin, daß auch Einzelerfassungsgeräte gelegentlich ausfallen, der Schaden in der Regel schnell behoben ist und zu keinen größeren Schwierigkeiten führt.

Alle diese Aussagen erwiesen sich als zutreffend: In der Tat fielen Eingabeplätze aus, und in der Tat war dies nicht Anlaß zu größerer Aufregung bei den Beteiligten.

Ebenso regelmäßig hat der Verfasser die Versicherung gehört, daß der Ausfall zentraler Einrichtungen so gut wie nicht zu befürchten sei. Diese Aussage traf leider in unserem Fall nicht zu. Es ist durchaus zu Ausfällen sowohl der Zentraleinheit als auch der Platteneinheit gekommen. Diese Vorkommnisse beschränkten sich nicht auf den Zeitraum von wenigen Wochen nach der Installation, in der wir allen neuen Geräten gegenüber noch recht tolerant zu sein pflegen. Leider kann auch nicht berichtet werden, daß die Fehler vom Wartungsdienst stets in einer Zeitspanne behoben werden konnten, die nicht zu einer kritischen Situation in der Datenerfassung führte.

Dabei ist einzuräumen, daß sich größere Ausfälle natürlich fast gesetzmäßig immer zum unglücklichsten Zeitpunkt einstellen (oder haften uns solche Konstellationen nur besonders nachdrücklich im Gedächtnis?) und die vorliegende Anwendung. wie bereits oben erwähnt, kritische Situationen besonders schnell entstehen läßt.

An gutem Willen hat's nicht gefehlt

Dem Wartungsdienst kann keineswegs der Vorwurf gemacht werden, er habe sich der Probleme nicht hinreichend schnell, ernsthaft und sorgfältig angenommen. Worauf auch immer die Probleme zurückzuführen waren, an Einsatzbereitschaft hat es nicht gefehlt. Ebensowenig fehlte es an der Bereitschaft des Herstellers, schließlich die Platteneinheit vollständig auszutauschen und - auf entsprechende Anregung hin - für eine gewisse Zeit zusätzliche Sicherheit durch Verdoppelung zentraler Einrichtungen zu schaffen.

Sind schon Probleme unangenehm genug, bei denen nicht unmittelbar erkennbar ist, wie weit die Beteiligung von Hardware einerseits, Software andererseits geht, so wird die Lage vollends unübersichtlich, wenn als mögliche Fehlerursache auch die Gerätebedienung einbezogen werden muß, und man darf für die Klärung einigen Zeitbedarf unterstellen.

Es wird einleuchten, daß die oben geschilderten Betriebsschwierigkeiten nicht gerade eine Atmosphäre ruhiger Gelassenheit in der Datenerfassung geschaffen hatten.

"Der Schreibring ist's gewesen!"

So führte es zunächst zur Mahnung an die Supervisorin, trotz aller Unruhe nach Möglichkeit noch sorgfältiger zu arbeiten, daß einmal ein Magnetband mit alten Daten geliefert wurde. Daß ein anderes Mal ein Leerband geliefert wurde, schien darauf hinzuweisen, daß ein anfängliches Problem mit der Bandausgabe (der Ausgabebefehl wurde nicht durchgeführt, das war aber am Systemverhalten erkennbar: die Bandrolle drehte sich nicht, der Bildschirm meldete keine durchgeführte Ausgabe) wieder aufgetreten, aber durch mangelnde Aufmerksamkeit nicht erkannt worden war.

Wie sich nach Wiederholung ähnlicher Fehler schließlich herausstellte, lag eine Kombination von Bedienungsfehler und Gerätefehler vor: die Arbeit am System war richtig und aufmerksam durchgeführt worden - bis auf das Versehen, keinen Schreibring in die Bandrolle einzulegen, und das Gerät hatte sinnvoll gearbeitet (nämlich nicht geschrieben) - bis auf den Fehler, dieses nicht zu melden, sich vielmehr nach außen so zu verhalten, als ob geschrieben würde.

Programmtests wie bei den "Großen"

Einiges Lehrgeld mußte bei der Erstellung der Erfassungsprogramme gezahlt werden. Die Aufgabe, die Programme für etwa 100 Satzarten unter sinnvoller Ausnutzung der neuen Möglichkeiten umzustellen, wurde gründlich unterschätzt, so daß die Arbeiten schließlich unter Zeitdruck gerieten. Mangelnde Erfahrung über die Zweckmäßigkeit bestimmter Lösungen (zum Beispiel Formatkettung) unter verschiedenen Voraussetzungen erforderte in manchen Fällen spätere Umprogrammierung.

Sorgfältige Überlegungen an dieser Stelle haben ohne Zweifel ihre Auswirkung auf die Effektivität der Erfassungsarbeit.

Vielfältige Formatierung - vielfältiger Irrtum

Gewissenhaftes Testen der erstellten Programme ist hier wie in der Programmierung der "großen EDV" absolute Notwendigkeit. Die Probeläufe müssen auf jeden Fall die gesamte Verarbeitung einer hinreichend umfangreichen unter den neuen Programmen erfaßten Datenmenge auf der EDV-Anlage und sorgfältige Prüfung dieser Verarbeitungsergebnisse einschließen. Die vielfältigen Formatierungsmöglichkeiten der Sammelsysteme (Adjustieren links oder rechts, Einfügen von Nullen oder Blanks, Darstellung negativer Zahlen, Duplizierfelder, rein numerische Felder usw.) ergeben auch vielfältige Möglichkeiten für Irrtümer, insbesondere dann, wenn die weiterverarbeitenden Programme - wie sinnvoll das auch immer sein mag - auf spezielle Darstellungsweise der Daten ausgerichtet sind.

Da gibt's noch ein Programm ...

Als Beispiel sei berichtet: Unter einer bestimmten Formatangabe versieht das bei uns eingesetzte Datensammelsystem negative Zahlen gerade mit der weniger gebräuchlichen der beiden als negativ vereinbarten Zonungen. Solange weiterverarbeitende Programme mit diesen Worten rechnen oder schlüssige Abfragen auf "negativ" enthalten, ist alles in Ordnung, nicht jedoch, wenn Programme lediglich die fragliche Zone auf den gebräuchlicheren Inhalt für "negativ" abfragen. Daß solche Programme existierten, konnte nur durch das erwähnte vollständige Testen entdeckt werden - oder durch die ersten Produktionsläufe mit auf neue, Weise erfaßten Daten.

Kein Kontakt zum Arbeitsergebnis

Der Übergang von der Lochkarte zur, Direkterfassung auf Magnetband (Einzelplatzsysteme) nahm der Erfasserin in gewissem Umfang den anschaulichen Kontakt zum, Arbeitsergebnis. Das Sammelsystem mit Bildschirmanzeige hat diese Entwicklung für die Arbeit der einzelnen Erfasserin mehr als rückgängig gemacht, für die Aufsicht geht jedoch der anschauliche und handgreifliche Kontakt zur Gesamtheit der Erfassungsarbeiten weitgehend verloren.

Die obigen Schilderungen meiden deutlich gemacht haben, daß die Einführung des Datensammelsystems im vorliegenden Fall alle Betroffenen einige Nerven gekostet hat. Man darf glücklich sein, daß in der Regel auch günstige Umstände vorliegen, die schlimmeres Unheil verhüten. Auf einige dieser Umstände kann man hinwirken. Beispiele:

- Für uns hat mindestens einmal eine größere Katastrophe dadurch verhindert werden können, daß ein gleiches System in einem nahen Rechenzentrum installiert ist und bei einem Ausfall des Plattenlaufwerks dort die erfaßten Daten schnell wieder verfügbar gemacht werden konnten.

- Niemand wird es den Wartungstechnikern übelnehmen wollen, daß sie bei ungeklärten Hardwareproblemen ihre besondere Aufmerksamkeit den Umweltbedingungen des Systems zuwenden. Ausreichende Klimatisierung und stabile Netzverhältnisse kürzen die Beschäftigung mit dieser möglichen Fehlerquelle ab.

- Die Raumverhältnisse werden die parallele Installation von allen und neuem System nicht immer problemlos zulassen. Auch bei uns war Parallelinstallation in den Räumen der Datenerfassung selbst nicht möglich. Der Verfasser stellt sich nur ungern vor, was eingetreten wäre, wenn statt "Zusammenrücken und provisorische Unterbringung" die Parole "Risikobereitschaft" geheißen hätte.

- Nicht ungünstig ist schließlich auch, einen Hersteller zum Partner zu haben, der einen Ruf zu verlieren hat.

Dr. Arndt Liesen ist Abteilungsleiter Datenverarbeitung im Bundesamt für Finanzen, Bonn.