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09.01.1976 - 

Zum neuen Jahr startet die Gebühreneinzugszentrale (GEZ) der Rundfunkanstalten

Ein Millionending der Superlative

KÖLN - Jeden Monat fast zwanzig Millionen Mal Geld einziehen zu lassen, wurde ARD und ZDF zu teuer: 234 Millionen Mark kassierte die Bundespost 1973 für das Inkasso der Rundfunk- und Fernsehgebühren in der Bundesrepublik. Statt 23 Rundfunkabrechnungsstellen und 5300 Postbediensteten gibt es dafür seit 1. Januar 1976 nur noch eine "Gebühreneinzugszentrale" (GEZ) in Köln mit ganzen 400 Mitarbeitern. Durch Realisierung dieser Gemeinschaftseinrichtung und durch die gleichzeitige Umstellung der Zahlungen vom Monats- auf den Dreimonats-Rhythmus wollen die neun ARD-Rundfunkanstalten und das ZDF mindestens 140 Millionen Mark jährlich sparen. Der GEZ-Aufwand soll 1976 rund 95 und 1977 knapp 105 Millionen Mark betragen.

Zusatznutzen bringt die GEZ in Form von Statistiken: Die bisher auf 23 Post-Stellen verteilten Adremaplatten ließen sich nicht maschinell lesen oder sortieren, so daß eine Auswertung des Datenbestandes, wenn überhaupt, so nur mit viel Aufwand möglich war. Jetzt werden alle Rundfunkanstalten mit Bildschirmterminals an die GEZ angeschlossen und können direkt auf den Datenbestand zugreifen oder Auswertungen abrufen.

Auf Suche nach schwarzen Schafen

Dabei geht es dann gar nicht immer um Millionen: Man erhofft sich von dem System auch Hinweise auf einzelne Adressen von Schwarzsehern oder -hörern. Die Funk-Kriminalisten warten schon auf den Tag, an dem sie sich ausdrucken lassen können, wer beispielsweise in einer bestimmten Straße in München oder Neustadt Gebühren zahlt. Der verbleibenden Hausnummern oder Wohnungen kann sich dann gezielt ein Prüfer annehmen, um aus der Nähe, etwa durch Blick auf die Antenne zu prüfen, ob dort tatsächlich nicht ferngesehen wird.

Vorlaufkosten von 95 Millionen Mark

Bis GEZ-Geschäftsführer Dr. Karl Stephan Oppermann am 30. Dezember 1975 erklären konnte "Wir haben gerade die erste Sollstellungsaktion erfolgreich abgeschlossen" waren 95 Millionen Mark verbraucht. So hoch sind die Vorlaufkosten für die Einrichtung, der funktionsfähigen Zentrale gewesen. Selbst die Kosten der Bekanntmachung des Ganzen waren noch siebenstellig: 1,5 Millionen Mark wendeten die Anstalten auf, um ihren "Kunden" schriftlich, mündlich und bildlich einzuhämmern, wie ab 1976 bezahlt werden muß.

30000 Änderungen täglich

Voraus ging eine der größten Datenerfassungs-Aktionen der deutschen DV-Geschichte: Die Übernahme von 19,5 Millionen Adressen zahlender Rundfunkteilnehmer, die bei den Rundfunkabrechnungsstellen auf Adrema-Platten vorlagen. "Das war eine ganz schwierige Geschichte - vor allem weil die große Datenmenge in vertretbarer Zeit erfaßt werden mußte", berichtet Dr. Oppermann. "Während der Übernahme der Stammdaten mußten wir drei Arten von Matchcodes verwenden. Es konnte am Anfang nur mit einer vorläufigen Teilnehmer-Nummer gearbeitet werden. Parallel zur Stammdatenübernahme mußte schon der Änderungsdienst beginnen, weil allein routinemäßig pro Arbeitstag rund 30000 Änderungen anfallen."

Adrema optisch gelesen

Die Stammsätze mit durchschnittlich 80 Zeichen pro Teilnehmer wurden von den Adremaplatten mit Einmal-Kohleband auf 90-Gramm-OCR-Endlospapier abgedruckt, zur Sicherheit auch mikroverfilmt, und dann von Reißern getrennt. Diese Einzelbelege wurden optisch gelesen.

"Trotz der hohen Anschaffungskosten von über 10 Millionen Mark schnitt das Verfahren der direkten Einlesung der Adrema-Abdrucke bei der Wirtschaftlichkeitsrechnung am besten ab", berichtet Dr. Oppermann. Installiert wurden drei "Scan-Data-Systeme 2250" von Interscan mit je fünf online angeschlossenen Korrekturbildschirmen sowie ein Leser "Input 80 B" von Recognition Equipment mit einem parallel dazu offline arbeitenden Direkteingabe- und Korrektur-System mit 22 Bildschirmen. Bei Zwei- bis Drei-Schicht-Betrieb wurden die Stammdaten, die die Post in Sendungen Ó 10000 Adremaplatten anlieferte, mit dieser Ausrüstung innerhalb von acht Monaten auf Magnetband übernommen.

Wegen Mehrzweckfeld ein fünfter Leser

Für den laufenden Betrieb wurde als Ergänzung zum Input 80 noch ein Belegsortierer Trace gemietet, mit dem ab 1976 Barzahler-Belege gelesen werden - und zwar die von Banken und Sparkassen eingehenden Überweisungs- und Zahlscheine. Banken und Sparkassen lesen zwar in der Regel die Gutschriften selbst mit OCR-Lesern - aber nicht das Mehrzweckfeld in dem von der GEZ-vorcodierten Zahlschein. Da dieses Feld aber die Teilnehmernummer enthält, ohne die eine Zahlung dem Konto nicht zugeordnet werden kann, mußte sich die Gebühreneinzugszentrale entschließen, ihre Belege selbst zu lesen.

Befreiungen: Mehrarbeit statt Geld

Während die ersten 11 Millionen Lastschriften für Unbar-Zahler und 5,6 Millionen Zählungsaufforderungen für Barzahler innerhalb von sieben Tagen bereits ausgedruckt wurden, läuft noch die Stammdaten-Erfassung für die Teilnehmer die nicht bezahlen müssen: rund 1,5 Millionen Bundesbürger sind von der Gebührenzahlung befreit - für jeden von ihnen gibt es bei der Post eine Akte, aus der die Begründungen entnommen werden müssen. Obschon sie nicht zahlen, hat auch jeder von ihnen ein GEZ-Konto, Befreiungen werden nämlich nur für begrenzte Zeit ausgesprochen und müssen danach jeweils erneuert werden.

Zwei 4-MB-Rechner

Für die Massen-Datenverarbeitung war ursprünglich ein 370/158-Doppelprozessor vorgesehen. Die Aufgaben erwiesen sich jedoch als zu umfangreich, so daß in Köln jetzt je eine IBM 370/158 und eine 370/168 mit jeweils 4 MB installiert sind. Die wichtigste System-Software: MVS Release 3, IMS Release 1.01 und VSAM Release 1 (Oppermann: "Release 2 war uns im Anfang noch zu riskant, kommt aber jetzt").

700 000 Sendungen täglich

Insgesamt 164 Bildschirmgeräte werden für die Datenpflege eingesetzt. Zur Output-Verarbeitung sind 20 Anlagen Böwe 109, bestehend aus Schneideautomat, Folgeordner und Kuvertiermaschine in einem eigenen Saal aufgestellt. Sie können bei Doppelschichtarbeit täglich bis zu 700 Sendungen (beispielsweise Gebührenrechnung und Überweisungsvordruck) postfertig machen.