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15.03.2005

"Ein neues Herkules-Angebot gibt für uns keinen Sinn"

T-Systems-Chef Konrad Reiss sprach mit den CW-Redakteuren Martin Bayer und Joachim Hackmann.

CW: Sie haben kürzlich überraschend bekannt gegeben, dass T-Systems das zusammen mit Siemens Business Services und IBM betriebene Bieterkonsortium TIS verlassen wird. Warum?

Reiss: Das Design für das Projekt Herkules ist vor vier Jahren entstanden. Das Konsortium TIS aus T-Systems, IBM und Siemens Business Services (SBS) hat damals ein Angebot eingereicht. Nachdem das Verteidigungsministerium die Verhandlungen mit dem konkurrierenden Konsortium Isic 21 abgebrochen hat, sind wir gebeten worden, unser Angebot zu überarbeiten. Das haben wir intensiv und ernsthaft unter den Bedingungen der ursprünglichen Ausschreibung getan. Trotz intensiver Anstrengung sind wir schließlich zu dem Schluss gekommen, dass es für uns keinen Sinn gibt, ein neues Angebot zu unterbreiten, und sind folgerichtig aus dem Konsortium ausgeschieden. Wir stehen aber weiterhin bereit, als Partner Leistungen für das Projekt zu erbringen.

CW: In den vergangenen vier Jahren hat sich im technischen Bereich sehr viel verändert. Eigentlich müsste man doch eine neue Ausschreibung starten. Warum tun sich die Behörden in Deutschland so schwer?

Reiss: Die öffentliche Hand und die Unternehmen haben in den vergangenen Jahren in der Zusammenarbeit enorme Fortschritte gemacht. Trotzdem müssen beide Seiten weiter daran arbeiten. Zum Beispiel unterliegen alle öffentlichen Ausschreibungen in Europa im Prinzip dem gleichen Recht. Die Interpretation dieser Rahmenbedingungen ist jedoch von Land zu Land sehr verschieden. Bei uns geben öffentliche Ausschreibungen häufig sehr detailliert vor, wie welche Leistung zu erbringen ist. Wir müssen jedoch dahin kommen, dass sich Ausschreibungen auf den Leistungsrahmen konzentrieren.

CW: Das Mautprojekt hat die Bilanz bei Daimler-Chrysler getrübt. Welche Auswirkungen hat die Maut auf Ihre Geschäftszahlen?

Reiss: Wir haben die Toll-Collect-Beteiligung im letzten Geschäftsjahr von der AG übernommen. Das spiegeln unsere Zahlen auch wider.

CW: Müssen Sie weitere Rückstellungen bilden, etwa weil noch Schadensersatzforderungen der Bundesregierung auf Sie zukommen?

Reiss: Nein, wir sehen keine Notwendigkeit, wegen der Schadensersatzforderung Rückstellungen zu bilden.

CW: Zuletzt hat sich beim Umsatz von T-Systems nicht viel bewegt. Wann kehren Sie auf den Wachstumspfad zurück?

Reiss: Nach wie vor erzielen wir ein knappes Drittel unseres Geschäfts im Telekom-Konzern, der aber seinen Bedarf an Informations- und Kommunikationstechnik deutlich reduziert hat. Wenn man den Umsatz mit allen anderen Kunden betrachtet, sind wir um ein Prozent gewachsen, und eine noch detailliertere Analyse zeigt, dass wir im IT-Servicegeschäft, also mit Systemintegrations- und Outsourcing-Diensten, um 10,4 Prozent zugelegt haben. Der Rückgang im TK-Geschäft ist ausschließlich im internationalen Carrier-Geschäft entstanden, aus dem wir uns - bedingt durch die Margensituation in diesem Segment - ein gutes Stück zurückgezogen haben.

CW: Liegt Ihr Augenmerk demnach auf Gewinnsteigerung und weniger auf Umsatzwachstum?

Reiss: Ja. In unserem Geschäft kann man schnell wachsen, wenn man zu Kompromissen bei der Profitabilität bereit ist. Das haben wir bislang nicht getan, und das werden wir auch nicht tun.

CW: Bedeutende Übernahmen und Outsourcing-Aufträge wurden zuletzt insbesondere von französischen IT-Dienstleistern gewonnen. Warum hält sich T-Systems zurück?

Reiss: In einer Marktkonsolidierungsphase kann es sinnvoll sein, aus strategischen Gründen hohe Preise zu zahlen. Das werden wir in Deutschland nicht machen. Das ist etwas anderes, wenn wir im Ausland an strategischen Projekten arbeiten.

CW: T-Systems ist im Ausland schwach vertreten. Wie wollen Sie diese Lücke schließen?

Reiss: Ich bin nicht unzufrieden mit unserem internationalen Geschäft. Dadurch, dass T-Systems in Deutschland so groß ist, erscheint das Geschäft im Ausland kleiner, als es ist. In vielen Ländern haben wir uns aber eine führende Position erarbeitet, wenngleich wir insgesamt noch deutlich zulegen wollen.

CW: Was wollen Sie noch verbessern?

Reiss: Wir möchten bei unseren größten 60 Kunden den Anteil an den für uns relevanten Geschäftsteilen erhöhen. Dabei interessiert uns insbesondere der nicht-deutsche Teil.