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15.10.1993

Ein objektorientierter Streifzug ueber die Messe Systems +93: Windows NT als Randerscheinung

Orientierungslosigkeit ist das Los vieler Messebesucher. Um hier Abhilfe zu schaffen, hat sich die COMPUTERWOCHE schon im voraus auf der Muenchener Fachmesse Systems 1993 umgesehen. Diesen Herbst bieten sich zwei wichtige Themenkomplexe an: zum einen die zukunftstraechtige Objektorientierung und zum anderen das vom Branchenriesen Microsoft hochgepuschte Betriebssystem Windows NT. Waehrend die MS-Technik jedoch durch die mangelhafte Praesenz von Applikationen auffaellt, weitet sich der beabsichtigte kleine OO- Spaziergang schnell zu einer Marathonstrecke aus. Denn nicht graue Theorie und Zukunftsvisionen bestimmen das Systems-Bild, sondern Produkte. Dabei rechnen die Anbieter angesichts der anhaltenden Wirtschaftsflaute zwar mit weniger Besuchern, hoffen aber, dass diese um so qualifizierter sind.

Rasch zeigt sich, dass die Objektorientierung nicht nur mehr ein Spielball technikverliebter OO-Freaks ist, sondern inzwischen durch pragmatische Ansaetze unternehmensrelevante Loesungen bieten kann. Dazu gehoeren auch Applikationen auf objektorientierten Datenbanken. Von den heiss diskutierten Betriebssystemen der naechsten Generation wie Cairo von Microsoft und Taligent, das von IBM sowie Apple gefoerdert wird, ist derzeit noch wenig zu sehen. Nach wie vor ist hier Nextstep das einzig lauffaehige Produkt seiner Art.

Die Anregungen zur Gestaltung des OO-Pfades ueber die Systems stammen von Anwendern, von denen hier exemplarisch drei zu Wort kommen. Ernst Juergen Kill, DV-Berater bei Bayer in Leverkusen, laesst sich im wesentlichen von zwei Kriterien bei seinem Messebesuch leiten: "Zuerst schaue ich mir gezielt Loesungen zu den gerade anstehenden Problemen an und dann versuche ich mir einen Ueberblick zu der neuen Technologie zu verschaffen".

Gefragt nach den Auswahl- kriterien fuer ein neues DV-System antwortet Kuno Merker, DV-Spezialist und -Koordinator bei den Berliner Elektro Apparate Werke (EAW): "Natuerlich spielt Objektorientierung eine Rolle, das ist aber nicht die Frage, die als erstes beantwortet werden muss." Objektorientierte Technik muesse mit fachspezifischen Anforderungen und der Moeglichkeit eines unternehmensweiten, dezentralen Einsatzes in Einklang gebracht werden. Mit einem Client-Server-Konzept als Grundlage, ausgestattet mit grafischen Oberflaechen, koenne die Objektorientierung sodann als Stuetze und Fuehrung des Ganzen dienen.

Besonders dort, wo komplexe Systeme gefragt sind, die zudem lange leben muessen, lohne sich der Aufwand einer Neustrukturierung nach Objekt- und Klassenkriterien, bewertet Andrzej Weber den Einsatz von objektorientierter Technologie. Weber ist Leiter der Gruppe Systemdesign im Bereich Betriebsfuehrungssysteme fuer den Energiemarkt bei der Schoppe & Fraeser GmbH, die in Minden an Loesungen zur Kraftwerksautomatisierung arbeitet. Die entscheidenden Vorteile der Objektorientierung liegen seiner Meinung nach in der "erheblichen Verkuerzung von Entwicklungszeiten, in der Reduktion des Pflegeaufwands sowie in einer generellen Optimierung der Software."

Halle 1: Angespornt durch die Aussagen der drei Anwender macht der Besucher auf seinem Rundgang bereits in Halle 1 Station. Auf dem Stand B 06 des Open-Systems-Distributors Garmhausen und Partner (GuP) zeigt die Sybase GmbH aus Duesseldorf die Client-Server- faehige Multimedia-Entwicklungsumge- bung "Gain Momentum 2.0" sowie "Build Momentum", das Client-Server-Entwicklungstool fuer grafische Anwendungsent- wicklung. Die auf Datenbanken spezialisierte Sybase Inc. aus Emeryville, Kalifornien, hatte vor zirka einem Jahr die Soft- wareschmiede Gain Technology uebernommen und moechte sich nun als Hersteller von Ent- wicklungs-Tools profilieren.

Den Besucher erwartet insbesonders eine mit dem Momentum-Werkzeug entwickelte Applikation, die fuer ein Katalog-Warenhaus erstellt wurde und an die Touch-Screens fuer den Kioskverkauf angeschlossen sind.

Um zur zweiten Station des objektorientierten Bummels in Halle 3 zu gelangen, kann entweder beim Geniessen von Frischluft der Hof ueberschritten oder Halle 2 zuegig durchquert werden. Wird auf dem SCO-Stand D 01, Halle 2 ebenfalls Sybase-Know-how zur Objektorientie- rung ausgestellt, sollte der OO-Passant auf keinen Fall die Chance verpassen, seine Prospekttuete mit entsprechenden Leaflets oder aehnlichem aufzufuellen.

Halle 3: Fuer die Halle 3 braucht der OO-Wanderer mehr Musse. Aussteller auf dem Stand A 08/B 05 ist die Dortmunder Firma Georg Heeg. Hier erwartet den Besucher geballtes Wissen zur Objektorientierung, gilt Firmen- chef Georg Heeg doch als langjaehriger Kenner dieser Technologie. Gezeigt wird aus dem Angebotsrepertoire die Datenbank "Gemstone" der im kalifornischen San Jose beheimateten Servio Corp.

Im Bereich Entwicklungsum- gebungen praesentieren die Dortmunder "Visual Works" und "Objectworks/Smalltalk". Beide Produkte stammen von Parcplace Systems aus Sunnyvale. Dass mit objektorientierter Technik auch sinnvolle Applikationen entstehen koennen, zeigt das Hypertext-basierte Organisations- und Bearbeitungssystem fuer Texte, Grafiken sowie Kalkulationstabellen "Analyst", das von der Firma Xerox Special Information Systems aus Pasadena, Kalifornien stammt. Neugierig gewordene Besucher koennen ja noch laenger verweilen; der Bedeutung von Datenbanken bewusst, sollte sich der objektorientierte Stratege einen Vergleich jedoch nicht entgehen lassen.

Gerade im Bereich objekt- orientierter Datenbanken muesse noch Pionierarbeit geleistet werden, damit die noch in den Kinderschuhen steckende Technik den Durchbruch schaffen koenne, erlaeutert Robert Belting von dem Distributionsunternehmen IQ- Products die Lage.

Auf ihrem Stand A 02 zeigt die Muenchner Gesellschaft dann auch eine "echte" Applikation fuer die Automobilfertigungsindustrie auf der Versant-Datenbank, die speziell fuer kommerzielle Anwendungen gedacht sei. Der beabsichtigte Schwerpunkt soll in Beruehrungspunkten der Objektorientierung mit dem Multimedia- Bereich liegen.

Wer mehr auf Objekte pur steht, kann sich auf dem Stand B 08 der Gopas Software GmbH die verteilte Client-Server-Datenbank "Ontos" der, aus Burlington, Massachusetts, stammenden Ontos Inc. anschauen. Ausserdem gibt es hier ein Konfigu- rations-Management- und Versionsverwaltungswerkzeug mit der franzoesischen Bezeichnung "Aid-de-camp" zu sehen, das auf einer eigenen objektorientierten Datenbank aufsetzt.

Der Stand des Softwarehauses Wilhelm & Zeller GmbH aus Ravensburg lockt nicht nur Kenner der objektorientierten Materie, gewuenscht ist vielmehr auch Interesse an betriebswirtschaftlichen Programmen. "Objekt- orientierung ist ein Auswahlkriterium bei Leuten, die sich damit auskennen - die anderen Kunden kriegen wir ueber eine andere Schiene, zum Beispiel ueber die leichte Veraenderbarkeit der Oberflaeche fuer die Benutzer", sagt Geschaeftsfuehrer Thomas Zeller selbstbewusst. Zunaechst erscheint das angepriesene Produkt unter der Bezeichnung "Navision" leicht exotisch, denn die objektorientierte Entwicklungs- umgebung dieses Namens, basierend auf C++, wird von der in Hvidovre, Daenemark, ansaessigen PC&C Asp. hergestellt.

Die in dieser Entwicklungsumgebung entstandenen Programme sind allerdings typische Brot- und Butteranwendungen: Fibu, Anlagenbuchhaltung, Auftrags- und Bestellwesen, PPS und Vertriebssteuerungssystem. Uebrigens gibt es in Halle 3 eine Kaffeebude fuer alle, die ausser geistigem Input auch fluessigen brauchen.

Halle 5: Danach bietet die Halle 5 fuer diejenigen, die sich bereits von der Objektorientierung angezogen fuehlen und sich gerne ueberzeugen lassen wuerden, die richtigen Ansprechpartner.

Vertreten ist hier am Stand B 07 die SAS Institute GmbH mit Sitz in Heidelberg sowie auf dem Gemeinschaftsstand Nordrhein- Westfalen, A 12/B 13, die Nexus Expertensysteme GmbH aus Dortmund.

SAS, das ohne grossen Werbeaufwand zu einem der weltweit groessten Software-Anbieter geworden ist - das "Software Magazine" stuft das Unternehmen in seiner "Top 100 Study" auf Platz zehn ein, - sieht die Zukunftsaspekte der DV-Industrie zum einen in der Client- Server-Technik und in der Datenvisualisierung, zum anderen aber auch in der Objektorientierung.

"Die gesamte Fachwelt spricht ueber objektorientierte Technologien. Meiner Meinung nach wird sich der der Wandel zu objektorientierter Anwendungsentwick-lung sehr schnell vollziehen." So begruendet Willi Janiesch, General Manager SAS Institute GmbH Deutschland und Oesterreich, die Entscheidung des Unternehmens, sich auf der Systems mit der neuen Technik vorzustellen. Er signalisierte jedoch auch, dass die Hinwendung zu neuen Technologien nur pragmatisch erfolgen koenne. In diesem Sinne waehlte SAS zur Systems-Praesentation das nach eigenen Angaben als brisant eingestufte "Executive Information System" (EIS). Zum Produkt mit der Bezeichnung "Information Delivery System" erhaelt der Standbesucher auf Nachfrage die SAS-Interpretation zu DV- technischer Entscheidungsunterstuetzung.

Applikationen aus dem Tagesgeschaeft haelt Nexus auf dem NRW-Stand bereit: ein Expertensystem fuer ein Klaerwerk im Hamburger Hafen, das Schlammbestimmungen auswerten kann, und ein "Meeting- Scheduler" zur Verteilung von Schulungsressourcen sowie die entsprechende Einteilung von Mitarbeitern. Erstellt wurden die Applikationen mit "Open Interface", einem GUI-Builder und "Nextpert Objekt", einem regalbasiertem Expertensystem.

Spaetestens jetzt sollte der wissensgestaerkte, aber inzwischen fusslahme OO-Wanderer einen Zwischenstop einlegen. Als Anhaengsel zu Halle 5 gibt es ein Restaurant. Danach ist ein Verdauungsspaziergang faellig, denn der naechste Stuetzpunkt objektorientierter Software-Entwicklung liegt in Halle 11.

Halle 11: Hier fuehrt die Instrumatic Systems GmbH aus Graefelfing bei Muenchen auf dem Stand B 10/ C 11 das CASE-basierte Entwicklungs-Tool "Teamwork" der Cadre Technologies GmbH aus Hoehenkirchen vor. Das Analyse- und Design-Tool gruendet in einer Variante auf der Shlaer-Mellor-Methode, in einer anderen Ausfuehrung auf der "Object Modelling Technique" von Rumbaugh.

Halle 25: Zumindest raeumlich muss der inzwischen zum Spezialisten in der Objektorientierung gewordene Messebeobachter einen grossen Sprung in Halle 25 wagen, wenn auch die uebrigen Hallen noch mit gebuehrender Gruendlichkeit durchforstet werden sollen. Nur Hedonisten legen jetzt noch Pausen fuer Speis+ und Trank ein.

Halle 25 beherbergt nicht nur die IBM, sondern auch die CAI GmbH auf dem Partnerstand der Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG, B 10/D 11. Interessant sei das praesentierte "CAI NT" fuer mittelstaendische Fertigungsunternehmen. Laut Alfred Schmidt, dem CAI-Vertriebsleiter, eignet sich die Objektorientierung besonders fuer die Gestaltung grafischer Oberflaechen, also fuer die Praesentationsschicht, und nur in eingeschraenktem Masse fuer Datenbanken und die Applikationslogik.

In diesem Sinne zeigt das Unternehmen eine kommerzielle Anwendung, wobei Datenbank und Applikation auf einem Pentium-Server liegen und als Client ein Windows-PC fungiert.

Halle 24: Im Objektorientierungs-Wegweiser wird nun der Wechsel in Halle 24 empfohlen. Wenn der Besucher aus der Halle 25 kommt, steht zuerst der Besuch des Stands von Sun, B 12/D 13, an. Sunsoft, der "Software-Arm" der Sun Microsystems Inc. und Mitglied im Firmenkonsortium Object Management Group (OMG), tritt fuer einen "sanften Uebergang" in die Objektorien- tierung ein, das heisst ohne den derzeitigen Kern der Solaris-Umgebung zu veraendern.

So wird auf dem Stand die erste konkret einsetzbare Technologie der OMG "Corba 1.1" (Common Object Request Broker Architecture) in "Object Design" der Firma Objekt Design demonstriert. Nur als Hinweis zur besseren Auffindbarkeit: Die Sun-Tochter wird auf dem Stand von Sun durch die Distributionsfirma Patzschke & Rasp vertreten.

Gleich den Nachbarstand hat Hewlett-Packard, B 10/D 11. Die einzige zur Zeit verfuegbare objektorientierte Systemsoftware "Nextstep" wird hier von der Firma Next gezeigt. Erst kuerzlich wurde ein Kooperationsvertrag zwischen HP und Next geschlossen, von dem sich die beiden Firmen ein gemeinsames Geschaeft mit Finanzapplikationen bei Banken und Behoerden erhoffen. Bisher angebissen hat der schweizerische Bankverein. Wie Next-Managing- Director Dieter Hesse mitteilt, stuenden zum gegenwaertigen Zeitpunkt bereits mehr als 750 Applikationen fuer Nextstep zur Verfuegung - teils auf Motorola-, teils auf Intel-Basis. Hier, auf dem Stand von Hewlett-Packard, liegt der Schwerpunkt in den Moeglichkeiten der Systemsoftware zur Grafikerstellung und - bearbeitung.

Zudem koennen dem Besucher E-Mail-Funktionen demonstriert werden. Strategische Bedeutung fuer das Unternehmen hat sicherlich das Wabi-Konkurrenzprodukt "Soft-PC" der Insignia Solutions Ltd. Waehrend jedoch das Windows Applikation Binary Interface der Sun- Konzerntochter Sunselect das MS-Windows auf Unix-Rechnern simuliert, kann Soft-PC das Microsoft-Original sowohl auf Nextstep als auch beispielsweise auf Windows NT ablaufen lassen. Wer sich Nextstep nicht auf einem HP-Rechner anschauen moechte, kann zum Stand der Digital Equipment GmbH wechseln, die sich unter der Nummer B 01 eingerichtet hat.

Dabei streift der OO-Kenner endlich den IBM-Partnerstand. Dieser traegt die Nummer B 08/ D 09. Hier zeigt die Enfin GmbH aus Stuttgart am Demopunkt 13 die Entwicklungsumgebung "Enfin Smalltalk" sowie das in Smalltalk realisierte Datenbank-Front-end "DB-Frend".

Ebenfalls am IBM-Platz befindet sich das Softwarehaus PBS Professional GmbH. Wie Geschaeftsfuehrer Michael Schulz erklaert, ist die Firma mit dem Produkt "Hyperwork" praesent, das sowohl eine Datenbank integriert als auch eine Cross-Plattform- Entwicklungsumgebung. Zur Veranschaulichung dienen Anwendungs- Demos, zum Beispiel ein Leitsystem und eine Schriftgutverteilung.

Halle 23: Last, but not least zum Stichwort Objektorientie- rung praesentiert sich die Connect GmbH aus Muenchen mit "Omnis 7" in der Halle 23 auf dem Stand B 08. Das Blyth-Produkt stellt ein Client- Server-Datenbank-Entwicklungssystem dar. Um deutlich zu machen, was unter diesem Wortungetuem zu verstehen ist, stehen Applikationen bereit, die aus dem Leben gegriffen sind. Dazu gehoert beispielsweise eine Medikamenten-Nebenwirkungs-Datenbank oder ein System fuer die PR- und Oeffentlichkeitsarbeit eines Grossunternehmens.

Damit ist der Hauptausgang-Sued in erreichbare Naehe gerueckt. Wer jedoch Windows NT auf der Systems 1993 nicht versaeumen will, wird aufgefordert, sich einem weiteren Messerundgang anzuschliessen.

CW-Mitarbeiterin Ulrike Litzba