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17.02.1978

"Ein Operator hat's im Gefühl, ob's gut läuft"

Über "Job-Accounting" sprach Dietmar Schrenk, DOS-Projektleiter Common Europa, mit CW-Chefredakteur Dieter Eckbauer

- Herr Schrenk, ist Job-Accounting ein nützliches Instrument für die praktische EDV-Arbeit oder ein Hobby von ein paar Systemspezialisten?

Man muß beim Job-Accounting zwei Dinge sehen: Einmal geht es darum, die Maschine zu messen, und zum zweiten, Daten abzurechnen. Beides läßt sich schlecht miteinander verknüpfen. Man kann wohl aus den Meßdaten einiges entnehmen, aber es eignet sich deshalb nicht dazu, weil Meß-Systeme normalerweise zu aufwendig sind und einen ziemlich großen Overhead bringen.

- Nun gibt es den Vorwurf, Job-Accounting liefere nur Zahlenfriedhöfe und seine Ergebnisse seien schlicht falsch.

Das ist ein Problem der internen Messung selbst: Je aufwendiger man sie macht, desto richtiger ist sie zwar, aber desto mehr Zeit kostet sie. Hier kann der Benutzer nur auf die Zukunft hoffen, und es ist ein Teil unserer Arbeit, zu untersuchen, welche Möglichkeiten es gibt, ein besseres Job-Accounting zu bekommen, und diese Möglichkeiten werden dann eben der IBM präsentiert. Es wird gefordert, daß diese und jene Zahlen richtig kommen müssen, und man sagt also, hier an dieser Stelle kommt es falsch - warum, wieso und weshalb.

- Jeder EDV-Leiter weiß um die Notwendigkeit des Messens und Verrechnens. Er weiß auch, daß er Sünden begeht und teilweise recht traurige Anwendungen auf der Anlage hat. Dennoch macht er dieses Hinterherrechnen, dieses Wälzen von Job-Accounting-Listen nicht. Wie sind da Ihre Erfahrungen?

Das will nicht sagen, das macht er nicht - er macht es sporadisch. Denn wenn man ein gutes Job-Accounting oder besser gesagt Meßprogramm, nimmt: Die Flut der Zahlen ist so überwältigend, daß man sich damit wirklich nur sporadisch befassen kann. Den Zeitpunkt einer Messung zu bestimmen ist nicht schwer. Die Messung kann dabei Schwachstellen aufzeigen oder aber ein falsches Konzept. Um letzteres festzustellen, braucht man jedoch nicht unbedingt ein Meßprogramm. Fünf Partitions, 256 K, DL/1, CICS und PL/1, vielleicht noch ein bißchen ETSS mögen ein Beispiel dafür sein. Resümee: Job-Accounting als Meßprogramm ja, aber nicht als tägliche Auswertung - das ist eine Listenflut, die nicht zu bewältigen ist und die auch viel zuviel Platz einnimmt.

- Gemeinhin wird die CPU-Laufzeit gemessen und die Peripherie-Belastung. Aber wie kann ich bei Online-Anwendungen die Ein-/Ausgabebewegungen von und zu den Terminals verursachungsgerecht abrechnen?

Da haben wir noch ein Problem. Wenn wir jetzt von Online sprechen, müßte man eigentlich auch von CICS sprechen. Und dieses CICS-System arbeitet eben heute in der Accounting-Ausgabe nur statistisch und sagt, welche Transaktionen an welchem Terminal, wie oft aufgerufen wurden. Über Zeiten keine Aussagen. Da muß man auf die Zukunft hoffen. Wir haben hier entsprechende Resolutionen gestellt, die diese Accounting-Ausgabe im CICS fordern.

- Welche Lösung empfiehlt denn IBM derzeit?

Im Moment gibt es keine Lösung. Das Problem ist wahrscheinlich noch zu jung. Es könnte sein, daß die IBM sagt, gut, wir werden euch ein eigenes Abrechnungssystem für CICS bauen. Aber das ist problematisch, weil es immer einen Eingriff in das Betriebssystem bedeutet. Und sobald man in das CICS eingreift, besteht die Gefahr der Instabilität. Deswegen sollte der Anwender bei all diesen Dingen die Finger vor allem von der Systemsoftware lassen.

- Warum hat sich bisher niemand systematisch um Job-Accounting gekümmert?

Die ganze Problematik des Accounting kommt tatsächlich daher, daß man sich in der Vergangenheit damit nicht befaßt hat. Man hat gar nicht eingesehen, daß Job-Accounting notwendig ist. Dies auch deshalb, weil die Entwicklung der EDV-Organisation im Vordergrund stand. Zunächst einmal mußte da irgend etwas auf der Maschine laufen. Es interessiert mich als Abteilungsleiter nur sekundär, wie lange das läuft: Ich muß nur zeigen, daß meine Abteilung etwas fertig bekommt. Hinterher kann ich immer noch rangehen und sagen, jetzt muß ich mein Programm verfeinern, es läuft zu langsam. Dazu gibt es Hilfsmittel, etwa Accounting. Und das ist wahrscheinlich ein Grund, warum das Accounting bisher etwas vernachlässigt wurde. Jetzt ist eben die Phase erreicht, in der man verbessert, erneuert und wohl auch neue Systeme strickt, weil die Maschinen voll belegt sind.

- Also müßte jetzt die Hoch-Zeit des Job-Accounting anbrechen?

Ich glaube, es sieht ganz danach aus. Ganz klar auch deshalb, weil zum Beispiel die Rezession nicht unwesentlich mitgespielt hat. Denn plötzlich hat die Geschäftsleitung gefragt: Was macht ihr eigentlich? Das war bestimmt auch ein Faktor, der den Abteilungsleiter veranlaßt hat, hier eben doch mal zu sehen, was rauskommt, wenn er dieses Instrument "Accounting" einsetzt.

- Können die vorhandenen Job-Accounting-Werkzeuge eigentlich auch von Nichtspezialisten gehandhabt werden?

Also ich würde sagen: Ein reines Meßprogramm, das muß sich ein Spezialist ansehen. Für den Abteilungsleiter sind irgendwelche 10 000 Zugriffe auf der Platte weniger interessant. Für ihn ist interessant, was ist gemacht worden, wie oft ist ein Job abgebrochen worden, warum hat man wiederholt. Also eine für Manager verständliche Information ist wichtig, keine systembezogene. Der Abteilungsleiter soll ja nicht erst dieses EDV-Englisch in für Manager verständliches Deutsch übersetzen müssen. Man soll einfach die Liste nehmen und damit auch zu seinen Vorgesetzten gehen können.

- Job-Accounting ist ja nun nicht gerade dem Hardware-Upgrading förderlich. War das aber bisher nicht immer genau das, worum es dem EDV-Leiter ging: große Anlage, mehr Image?

Das ist ein zweischneidiges Schwert. Natürlich, wenn der EDV-Leiter ein sehr gutes Accounting-System hat, dann schneidet er sich unter Umständen ins eigene Fleisch. Aber ich würde sagen, wenn man davor Angst hat dann sollte man es nicht einsetzen.

- Wie kann ich ins Blaue hinein optimieren? Ich muß doch erst mal Informationen über den Systemstatus haben?

Natürlich, dazu reicht aber wenig. Da muß man nicht unbedingt so komplizierte Werkzeuge einsetzen. Ich würde sagen, ein Operator hat's im Gefühl, ob's gut läuft.

- Gerade dieses "im Gefühl haben" ist aber doch gefährlich...

. . . Ja, aber es gibt viele Dinge, die kann man verbessern, ohne daß man erst hingestoßen werden muß. Jeder gute Organisator wird in Zusammenarbeit mit dem Programmierer und dem Operator solche Dinge erkennen und ohne Auftrag korrigieren. Natürlich unterstützt hier Accounting: Denn wenn ein Programm langsam ist, dann weiß ich zunächst nicht einmal warum. Wenn ich dann ein einigermaßen vernünftiges Accounting habe und sehe, aha, der hat soundso viele 10 000 Zugriffe gemacht, dann wird mir auch klar, warum ein Lauf so langsam ist. Insofern kann Accounting auch ein Instrument sein, das mir sagt, ich brauche meine Maschine gar nicht zu erweitern. Das ist nicht negativ für den EDV-Leiter. Im Gegenteil, er holt so dadurch allenfalls Pluspunkte, wenn er aus der Maschine noch was rausholen kann, ohne aufstocken zu müssen. So gesehen, sind diese ganzen Auswertungen für den EDV-Leiter sehr wichtig. Aber: Sie müssen verständlich sein, es darf kein Wirrwarr sein.

- Wie hoch würden Sie denn den Wert eines guten Job-Accounting-System ansehen?

Die Frage ist sehr schwer zu beantworten, weil man zunächst einmal wissen muß, was von einem Job-Accounting erwartet wird? Vor allem wird man sich überlegen müssen, will ich ein Job-Accounting-System im landläufigen Sinne, also eine reine Maschinenzeitabrechnung? Dann muß man sich gleichzeitig auch fragen, will ich denn nur die Maschine abrechnen? Und da geht eben meine Philosophie etwas weiter. Ich will als Abteilungsleiter nicht nur einfach die Maschine sehen, sondern ich will natürlich auch sehen, was meine Leute machen, und ich will natürlich auch sehen, welchen Materialfluß ich in meiner EDV habe. Die Maschine ist da nur ein Teil.

- Besteht nicht die Gefahr, daß ich zu sehr in die Tiefe gehe und dann wieder Zahlenfriedhöfe bekomme?

Gehen wir mal davon aus, ich mache Job-Accounting vom Betriebssystem her wie gehabt, dann besteht diese Gefahr nicht. Mache ich mir aber ein in sich geschlossenes anhängendes Abrechnungs- und Dokumentationssystem, das betriebssystemunabhängig ist, dann ist das natürlich ein gewisser Aufwand. Aber ich würde sagen, er lohnt sich insofern, als man zum Beispiel aus einem solchen System einen Programmverwendungs-Nachweis, einen Dateiverwendungsnachweis bekommen kann. Ich sehe Accounting praktisch als Basis für ein Informationssystem an, aus dem man weit mehr bekommt als nur Maschinenbelastungszahlen.

Common

Common ist eine Vereinigung von IBM-Benutzern mit weltweit über 1000 Mitgliedern. Hauptziele der User-Group, die sich in Common Amerika und Common Europa mit Sitz in Genf aufteilt, sind der Erfahrungsaustausch zwischen den Mitgliedern und der direkte Kontakt zu den IBM-Software-Labors. Die Aktivitäten sind auf das Gebiet des DOS und der Basisdatenverarbeitung (/3, /32, /34 etc.) konzentriert.