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Xing, Linkedin oder Facebook?


11.03.2015 - 

Ein Social-Media-Profi klärt auf

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Deutschlandweit spielt Xing die größere Rolle, international ist es Linkedin. Wie man Netzwerke richtig nutzt, erklärt Holger Ahrens. Der Informatiker versteht sich als Profil-Optimierer. Ein Gespräch über Tools, Pixel und die Visitenkarte.

"Jeder befindet sich in latenter Bewerbungsposition. Immer." Das sagt Holger Ahrens. Der Informatiker und Consultant aus Hamburg versteht sich als Optimierer der Profile in sozialen Netzwerken. Und als Vertreter der Generation Y. Daraus erklärt sich auch seine Aussage über die latente Bewerbungsposition: Die jungen Arbeitskräfte fühlen sich nicht mehr dauerhaft an ein Unternehmen gebunden. Umso wichtiger ist ein gelungener Auftritt bei Xing und Co für sie, argumentiert Ahrens.

Das beinhalte zwei Komponenten: zum einen die Tools an sich - wie eben Xing, Linkedin oder Facebook - und zum anderen die Denke dahinter. Bei der setzt Ahrens an. Er sagt, ein Profil in sozialen Netzwerken müsse "zielgerichtet aufgebaut" werden. Dazu gehöre zunächst einmal die Frage, wen man mit dem Profil erreichen wolle, so Ahrens. "Wo möchte ich hin? In welcher Lebensphase stecke ich? Das muss man für sich klären", erläutert der Consultant.

Konkret hält Ahrens folgende Tipps parat:

Xing ist in Deutschland als Netzwerk für Professionals zu verstehen. Bei Linkedin gilt das für internationale Kontakte. Wer also seinen Schwerpunkt in Deutschland hat, der sollte sein Profil bei Xing pflegen und die Daten nach LinkediIn kopieren. Wer sich international ausrichtet, macht es umgekehrt.

Facebook ist eine Frage der beruflichen Sparte. "Ein Business-Manager, der ständig auf Facebook präsent ist, weckt Skepsis", sagt Ahrens. "Für einen Designer dagegen ist das Netzwerk unverzichtbar."

Grundsätzlich gelte: Human Resources-Entscheider recherchieren heute in Netzwerken. Wer keine Präsenz zeigt, macht sie misstrauisch. "HR-Manager fragen sich dann, ob derjenige als Mitarbeiter überhaupt sozial kompetent ist", sagt jedenfalls Ahrens.

Weil die Grenzen zwischen Arbeit und Privatem verschwimmen, gehören auch Fotos vom Paragliding oder dem letzten Tauchkurs in die Netzwerke. "Das zeigt den Unternehmen, dass da jemand keine Angst vor Verantwortung hat", ist Ahrens überzeugt. "Risikosportler, das sind Leute, die ein Unternehmen voranbringen."

Zeigen Sie Ihre Persönlichkeit!

Generell sollte in den Profilen nicht nur Fachliches dargestellt werden, sondern auch etwas von der Persönlichkeit durchschimmern. Informatiker neigen dazu, Letzteres zu unterschätzen, beobachtet der Consultant.

Als Bild kein Passfoto wählen, sondern ein gutes Business-Foto in der Auflösung 512 mal 512 Pixel. Dass Bilder in dieser Auflösung missbraucht und aus dem Netzwerk auf ganz andere Sites gezogen werden können, ficht Ahrens nicht an. "Angesichts der Chancen, die ein gutes Profil bietet, nehme ich das Risiko in Kauf", sagt er.

Wer seine Profile auf Xing, LinkediIn und Facebook untereinander und mit weiteren Websites und Online-Angeboten verlinkt, wird in der Google-Suche besser gefunden.

Durchschnittlich solle man mindestens 30 Minuten pro Woche für die Pflege des Profils aufwenden.

Ein Fehler sei es allerdings, sich selbst als "Experten" anzupreisen. Ahrens: "Diese Bewertung muss von anderen kommen!"

Bei aller Begeisterung für Social Media betont Ahrens den Wert persönlicher Beziehungen. Insgesamt 70 bis 80 Prozent seiner virtuellen Kontakte kenne er auch persönlich, sagt er. Das sollte auch die Norm sein.

Geht es dagegen um Erfolgskontrolle oder überprüfbare Metriken, winkt Ahrens ab. "Ein kausaler Zusammenhang zwischen der Aktivität in Social Networks und Auftragseingängen lässt sich nicht nachweisen", betont er. Das sei auch gar nicht das Ziel, da brauche man gar nicht erst Henry Fords berühmte Zitate über seine Werbeausgaben zu wiederholen ("Die eine Hälfte meiner Werbeausgaben ist rausgeschmissenes Geld. Ich weiß nur nicht, welche!").

Die Visitenkarte - nicht totzukriegen

Für Ahrens sind Social Media immer eine "Wette auf die Zukunft". Die gelungene Selbstdarstellung ist nur ein Teil davon, der andere ist die Vernetzung mit anderen. Sein Credo: Wer beispielsweise anderen gute Kontakte oder auch Aufträge vermittle, bekomme früher oder später etwas zurück.

Der Consultant ist sicher, dass die Bedeutung von Xing und Co noch zunehmen wird. Zwei Dinge aber werden sie nicht abschaffen. Das Erste sind reine, spezialisierte Job-Portale wie Monster, Stepstone etc. Online-Jobbörsen und Social Media ergänzen sich, so Ahrens. Das Zweite ist ein kleines Rechteck aus dünner Pappe: die Visitenkarte. Der Hanseate schmunzelt: "Alles kommt irgendwann in der richtigen Welt an!"

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Rita Seidel

Beinahe überall lesen sich Empfehlungen zur Nutzung von Social Media zu Bewerbungszwecken so, als sei es mit einem Profil in dem einen oder anderen Netzwerk getan. Stephan Koß schreibt unten, dass ein gutes Profil wirkt und Recruiter anzieht. Stimmt. Aber das ist noch längst nicht alles, sondern bestenfalls die Spitze des Eisbergs. Das Profil ist statisch, der Wert zeigt sich erst in der Kommunikation.
Netzwerken ist nicht Fernsehen, es ist keine unidirektionale Kommunikation - das gilt im F2F-Kontext ebenso wie für die Aktivitäten im virtuellen Raum. Leute, werdet aktiv in den Netzwerk-Communities, zeigt euch (das Foto ist meistens, wie Stephan schreibt, eine Randerscheinung): Sichtbarkeit durch Stellungnahme, kundtun einer validen, fundierten Haltung macht den Menschen dahinter sichtbar. Das ist Netzwerken! Und das Schöne ist: es geht so einfach mit LinkedIn, Xing & Co.

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