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Ein tragfähiges Geschäftsmodell?

11.01.2006
Von Thorsten Wichmann
Was Anbieter diesseits und jenseits des Atlantiks unterscheidet.

Zu Hochzeiten der New Economy hatten sich eine Reihe von Unternehmen als Linux- oder Open-Source-Dienstleister positioniert und mit den damals üblichen Wachstumskurven die Phantasie von Venture Capitalists geweckt. In Deutschland waren Innominate und ID-Pro die bekanntesten Hoffnungsträger; aber beide sind in dieser Form schon seit langem vom Markt verschwunden. Offensichtlich hat das Geschäftsmodell Linux-Dienstleister nicht so funktioniert wie gedacht.

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Das zeigt sich auch in der gegenwärtigen Landschaft von Linux- und Open-Source-Dienstleistern in Deutschland: Die meisten, die sich jetzt noch mit diesem Fokus positionieren, sind kleine oder kleinste, regional tätige Unternehmen, die oft von der Portalentwicklung bis zur Installation von Print-Servern all die laufenden Probleme ihrer mittelständischen Kundschaft lösen. So wie es viele andere kleine IT-Dienstleister auch tun, nur eben auf Open-Source-Basis.

In den USA läuft es anders

Auf den ersten Blick scheint die schwache Präsenz von Open-Source-Dienstleistern in Deutschland im Widerspruch zu stehen zum wachsenden Interesse, das quelloffene Lösungen derzeit finden. Anders in den USA: Nicht nur produktorientierte Open-Source-Unternehmen wie Astaro, SugarCRM, Jboss oder Jaspersoft, sondern auch Open-Source-Dienstleister wie Spikesource oder Black Duck konnten Millionen Dollar an Venture Capital einwerben und finden sich regelmäßig in der Fachpresse.

Gibt es dafür Gründe? Was haben diese Unternehmen, was andere Servicefirmen nicht haben? Drei Unterschiede zum typischen Open-Source-Dienstleister auf dieser Seite des Atlantik fallen recht schnell ins Auge: Fokussierung, Ausrichtung am Kundennutzen und professionelles Marketing.

Denn viele amerikanische Unternehmen entsprechen so gar nicht der üblichen Vorstellung von einem IT-Dienstleister, der relativ leise auftritt, seine Kunden über Empfehlungen und Kontakte akquiriert und sich in seinen Diensten in erster Linie danach richtet, was von den Kunden gerade nachgefragt wird. In Ausrichtung und Auftreten ähneln die bekannten Open-Source-Dienstleister aus den USA oft sehr viel mehr einem Produktunternehmen.

Ihr wohl wichtigstes Merkmal ist Fokussierung, etwa auf eine bestimmte Dienstleistung wie die Zusammenstellung und Pflege von Open-Source-Software-Stacks für den Unternehmenseinsatz (Spikesource) oder - zahlenmäßig noch bedeutender - Dienstleistungen im Umfeld einer bestimmten Software (zum Beispiel Jboss). Die eingesetzte Open-Source-Applikation ist für diese Unternehmen zwar essenziell, aber sie positionieren sich als Löser eines klar umrissenen Problems von Anwendern mit Hilfe von quelloffener Software.

Der dritte Unterschied schließlich, professionelleres Marketing bei den amerikanischen Open-Source-Dienstleistern, hat mehrere Ursachen: Kulturelle Unterschiede spielen eine Rolle. Deutsche Anbieter sind nicht so groß, wobei größere Unternehmen meist ein professionelleres Marketing betreiben. Und die mit Venture Capital finanzierten Open-Source-Dienstleister müssen einen hohen Bekanntheitsgrad erreichen, um die Investitionen des Geldgebers wieder einspielen zu können.

Zugespitzt lässt sich die schwache Entwicklung der Open-Source-orientierten IT-Dienstleistungen in Deutschland darauf zurückführen, dass zu viele Anbieter noch das Klischee des zwar versierten, aber technikverliebten und "No-Patents"- T-Shirts tragenden Techies erfüllen. Es wird also Zeit für viele Open-Source-Dienstleister in Deutschland, erwachsen zu werden. (ls)