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02.02.1979 - 

Alkoholgenuß am Bildschirmarbeitsplatz:

Ein untauglicher Versuch der Streßkompensierung

02.02.1979

BONN - Die Datenverarbeitung führt zum vermehrten Einsatz von Datenterminals. Diese "elektronischen Schreibtische" stehen in Redaktionen, Banken, Versicherungen, Rechenzentren. Täglich werden es mehr. Obwohl der Mensch im Mittelpunkt der Verbesserung der Arbeit stehen soll und die Technik lediglich Hilfsdienste leisten sollte, schaffen die zur Zeit vorhandenen Arbeitsbedingungen und praktizierten Arbeitsformen an diesen Arbeitsplätzen immens hohe Belastungen durch Streß. Aus dem Blickwinkel der Ergonomie sind Bildschirmarbeitsplätze kritische Arbeitsplätze, da der Bediener für die Dauer seiner Tätigkeit am Bildschirm zu völlig einseitiger Haltung gezwungen wird.

Dies gilt um so mehr, als neue Arbeitsmethoden gerade in Verwaltungen (Büros) vom Menschen Bewegungsabläufe und Haltungen verlangen, die seinem physischen Aufbau atypische Belastungen abverlangen und dadurch leistungshemmend und auf die Dauer sogar gesundheitsschädigend wirken.

Es besteht daher die Gefahr, daß besonders der Mitarbeiter am Bildschirmarbeitsplatz die aus dem Streß resultierenden physischen und psychischen Belastungen (Fehlhaltungen und unnatürliche Muskelspannung, verbunden mit Kopf-, Nacken- und Schulterschmerzen sowie Muskelmüdigkeit, Herabsetzung des Sehvermögens und visuelle Müdigkeit sowie vegetative Störungen) durch einen untauglichen Kompensationsversuch, wie zum Beispiel den Genuß von Alkohol (C2H5OH) während der Arbeitszeit zu beheben versucht. Denn die stärksten Beweggründe für den Griff zum Alkohol am Arbeitsplatz sind der Streß, die Spannung, die Höchst- beziehungsweise die Überbeanspruchung, denen der im Arbeitsprozeß eingegliederte Mensch ausgesetzt ist.

Worin sind nun die negativen Aspekte des Alkohols am Arbeitsplatz, speziell am Bildschirmarbeitsplatz, einschließlich des sogenannten Restalkohols aufgrund von Alkoholgenuß außerhalb der Arbeitszeit zu sehen? Während es bei den Arbeitsformen früherer Zeiten weitgehend auf die körperliche Leistung ankam, stehen bei der heutigen Entwicklung (Entwicklung von der ersten zur dritten industriellen Revolution) die geistige Belastung und die Beanspruchung des Nervensystems mehr und mehr im Vordergrund. Wer den heutzutage gestellten Anforderungen gewachsen sein will muß deshalb alles vermeiden, was zu einer Beeinträchtigung der Funktion seiner Sinnesorgane und seines Nervensystems beitragen könnte. Da der Alkohol sich in dieser Beziehung besonders ungünstig auswirkt, sollte der arbeitende Mensch auf alkoholische Getränke möglichst verzichten. Denn gerade der Mitarbeiter, der im Arbeitsprozeß meist unter einem gewissen Zeitdruck steht, wird nicht die Selbstkontrolle aufbringen und alkoholische Getränke, zum Beispiel Bier, so konsumieren, daß die Forderungen, die durch den Arbeitsprozeß an ihn gestellt sind, eingehalten werden.

Die Problematik des Alkoholkonsums am Arbeitsplatz beginnt nicht mit dem Sichtbarwerden von typischen Trunkenheitsanzeichen wie Lallen, Torkeln und

Erbrechen, sondern bei den durch Alkoholgenuß verursachten geistigen Mängeln.

Alkohol beeinflußt die Sinnesleistung negativ und erhöht zum Beispiel die Blendempfindlichkeit des Auges, setzt die Fähigkeit zur Wahrnehmung von Geräuschunterschieden herab, beeinflußt die Gleichgewichtsregulation des Körpers, führt zu einer verlängerten Reaktionszeit. Wichtig ist vor allen Dingen, daß die Aufmerksamkeit und Auffassungsgabe sowie Umsicht und Besonnenheit beeinträchtigt sind. Der Alkoholisierte unterschätzt den Einfluß des Alkohols auf seine Leistungsfähigkeit und verliert die Fähigkeit, seine Aufmerksamkeit für längere Zeit auf einen bestimmten Vorgang zu konzentrieren und sich gleichzeitig angemessen in kurzer Folge anderen Vorgängen zuzuwenden. Alkohol dringt schnell in die Blutbahn und in das Gehirn ein, dabei verursacht Alkohol, schon in kleinen Mengen genommen, eine Minderung der Leistungsfähigkeit und der Aufmerksamkeit. So führen bereits 0,5 Liter Bier in der Regel zu einer Verminderung der Konzentrationsfähigkeit, des manuellen Geschicks und der Selbstkritik. Nach etwa 20 Minuten sind bereits 50 Prozent des genossenen Alkohols vom Blut aufgenommen, nach 40 Minuten mindestens 80 Prozent und nach 1 ? Stunden nahezu der gesamte Alkohol. Dagegen geht der Abbau des Alkohols im Körper wesentlich langsamer vor sich.

Die Alkoholmenge eines Glases Bier zum Beispiel wird in etwa einer Stunde abgebaut. Die individuelle Verfassung des einzelnen bedingt eine unterschiedliche Wirkung des Alkohols, die besonders durch Medikamente verstärkt werden kann. Kaffee und sonstige Aufputschgetränke nach Alkoholkonsum genossen, täuschen nur Leistungsbereitschaft vor.

Resümee: Gerade in unserer Zeit, die durch Technisierung mehr denn je Entscheidung- und Reaktionsbereitschaft fordert, ist es von Bedeutung, daß der Alkoholkonsum während der Arbeit grundsätzlich eingestellt wird.

Norbert Barwick ist Mitarbeiter der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung, Bonn.