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13.11.1992

Ein verbessertes DOS wird sich neben Windows halten können

Bill Gates würde die Behauptung, daß DOS ein schlechtes PC-Betriebssystem ist, sofort zurückweisen. Schließlich hat er ein Programmiererteam an der Weiterentwicklung von DOS sitzen, das fast genauso groß ist wie die Truppe, die sich mit NT beschäftigt. Immer wieder betont er, daß DOS die Wurzel des Microsoft Erfolgs ist.

Im Jahr 1988 waren noch 95 Prozent aller Intel-PCs mit DOS pur ausgerüstet. Doch dieser Anteil sinkt stetig (zur Zeit beträgt er etwa 60 Prozent, jedoch hat sich der Markt in den letzten Jahren insgesamt erheblich vergrößert). Daher vermuten manche, mit DOS werde es zu Ende gehen. Auch bei Microsoft sinkt der Beitrag der Systemsoftware zum Firmenergebnis (von mehr als 50 Prozent im Jahr 1989 auf zirka 28 Prozent 1992), jedoch ist auch Microsoft in diesem Zeitraum um ein Vielfaches gewachsen. Betriebssysteme zu schreiben, sei nicht besonders lohnend, hat Bill Gates im letzten Jahr einmal gesagt: Viele "Lines of code" bringen vergleichsweise wenig Geld ein.

Tatsächlich sind jedoch die Zukunftsaussichten von DOS glänzend (siehe Seite 55) und es wird Microsoft nicht im Traum einfallen, das System aufzugeben. Schließlich ist DOS eines von zwei wichtigen Basis Betriebssystemen für Windows - und Windows wiederum ist die eine Karte, auf die Microsoft setzt. Ähnliches würde Darell Miller von Novell über das inzwischen hauseigene DR DOS sagen, das eine besonders wichtige Stütze in Novells Zukunftsstrategie ist.

Hier jedoch ist die Rede von der zeichenorientierten DOS-Welt, also von den vorhandenen DOS-Programmen und nicht vom darunterliegenden Betriebssystem. Es sei denn, das Betriebssystem DOS ist schuld an der schlechten Qualität von Anwendungssoftware.

Der Markt der zeichenorientierten DOS-Anwendungen in Deutschland umfaßt mindestens 4500 Produkte unterschiedlichster Art. Von der Lernsoftware fürs Zehn-Finger-Blindsystem über die mandantenfähige Buchhaltung zum Formelgenerator für das Gießereiwesen ist fast alles geboten, was der Kunde wünschen könnte.

Leidenswillige Freaks vor dem Bildschirm

Die Preise rangieren, grob gesagt, zwischen 10 und 10 000 Mark, die Hardware-Anforderungen sind durchweg relativ gering (Prozessoren ab Intel 286, VGA und Festplatte). Vertrieben wird die Vielfalt über vergleichsweise etablierte Kanäle: Viel läuft über Shareware oder kommt über den Fachhandel, über VARs, System- und Kaufhäuser zum Kunden.

Doch viel ist nur selten gut: Diese Erfahrung scheinen auch die Anwender von rein zeichenorientierten Systemen immer wieder zu machen. Die durchschnittliche Anzahl von Anwendungen pro PC ist deutlich geringer als auf Maschinen, die unter einer grafischen Benutzeroberfläche laufen. Ursache dafür scheint die zu sein, daß alle zeichenorientierten Programme ihrer eigenen Bedienlogik folgen und der Mensch nur eine gewisse Menge an Unverstand verkraften kann. Trotz IBMs Anstrengungen für einheitliche Gestaltungsregeln bezüglich Bildschirmaufbau und Tastaturbelegung sind nur wenige Firmen diesen Regeln gefolgt. In der Regel handelt es sich um solche Hersteller, die von strategischen Großkunden Accounts zu ihrem Glück gezwungen wurden, zum Beispiel Wordperfect und Lotus.

Die verwirrenden Unterschiede zwischen den Anwendungsprogrammen stammen natürlich aus den ersten Zeiten des Personal Computers, als man davon ausgehen konnte, leidenswillige Freaks vor dem Bildschirm zu haben. Innovation ist immer chaotisch. Die Idee des Style Guide für eine einheitliche Gestaltung der Benutzerschnittstelle wurde in der PC-Branche überhaupt erst viel später geboren. Daher ist es müßig, das Fehlen einheitlicher Regeln zu beklagen - der Benutzer leidet stumm. F2 ist einmal "Speichern", das andere Mal "Info", in einer dritten Umgebung vielleicht gar "Löschen". Vierfache Funktionstastenbelegung ist die Regel, Ausnahme ist jedoch, wenn diese Zuordnung einer erkennbaren Logik gehorcht.

Monolithische Klötze mit enormem Overhead

Hier einige Thesen, die bewußt etwas plakativ die Schwachstellen der etablierten DOS-Anwendungswelt aufzeigen sollen:

-DOS-Anwendungen sind monolitische große Klötze, die enormen Overhead mit sich herumschleppen. Silbentrennung und Fehlerkorrektur dürfen sowohl in der Textverarbeitung wie auch in der Präsentationsgrafik die Festplatte verstopfen.

-Adressen aus der Buchhaltung lassen sich nur unter großen Anstrengungen für das Schreiben von Briefen verwenden

Bei der Qualität von Import- und Exportfiltern ist man dem Können des jeweiligen Herstellers völlig ausgeliefert.

-Treiberprobleme sind immer noch häufig.

-Treiber in großer Zahl belasten die Festplatte. Schon die Installation eines neuen Druckers gerät sehr arbeitsaufwendig.

Das Mischen unterschiedlicher Dokumenttypen (Text, Grafik, Kalkulation) ist für Programmierer und Anwender ein Kunsstück.

-Konzepte wie dynamischer Datenaustausch oder gar das Einbetten von Dokumenten ineinander sind in der Regel fremdes Gebiet.

-Fehlermeldungen sind trotz der komplizierten Materie kurz und kryptisch.

-Tagelanges Sich-Versenken in die Unterschiede zwischen XMA, Expanded und Extended Memory ist für viele Anwender eine vertraute Übung.

-Multitasking und das Arbeiten in Fenstern liegen in weiter Ferne.

-Neuartige Anwendungen wie Multimedia, Sprachverarbeitung, Handschriften-Erkennung, 3D-Grafik oder CD-ROM-Anwendungen sind realistisch nicht mehr unter DOS pur zu betreiben.

DOS hat trotz allem Zukunft

Wer also will bei DOS pur bleiben? Die heutige Benutzergruppe auf der traditionellen Intel-Hardware für den Büroeinsatz verringert sich stetig. Dedizierte Anwendungen auf neuartiger Palmtop-Hardware sind ein relativ enger Markt, den nur zwei bis drei Herstellerfirmen dominieren können. Was machen die vielen anderen? Sie investieren in eine vernünftige Windows-Entwicklungsumgebung, lernen kräftig dazu und nehmen das vorhandene Know-how mit in die neue Welt der grafischen Benutzeroberflächen. Wenn sie noch länger warten, werden sie jedoch von der Bildfläche verschwinden. Was tun die Anwender? Sie werden mit sanftem Druck und allerhand Raffinessen dazu gebracht, über die nächsten Jahre auf Windows umzusteigen (siehe Seite 57). Und eines fernen Tages, zirka im Jahre 2004, wird dann die letzte zeichenorientierte DOS-Anwendung von unseren Desktops verschwunden sein. DOS selber jedoch wird ungeachtet dessen überleben und sich zu einem Betriebssystem unterhalb der Windows-Funktionalität entwickeln, von dem auch ein Bill Gates vor zehn Jahren noch nicht zu träumen gewagt hätte.