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26.03.1976 - 

So werden Siemens-DVer fit gehalten:

Ein völlig neues Frischegefühl

MÜNCHEN - "Wie mit Ihnen besprochen, haben wir Sie im Einvernehmen mit unserem Betriebsarzt für eine Kreislauftrainingskur in Eschenlohe bei Garmisch-Partenkirchen vorgesehen. Die Kosten der Kur wie Unterbringung, Verpflegung (Frühstück, Mittag- und Abendessen), Arzt- und Fahrkosten werden firmenseitig übernommen. Für die Zeit der Kur erhalten Sie - mit Ausnahme von fünf Tagen, die auf den Jahresurlaub angerechnet werden - bezahlten Sonderurlaub. Wir wünschen Ihnen einen guten Kurverlauf."

Einen solchen Brief erhielten, bisher 18000 Mitarbeiter der Siemens AG. Seit über einem Jahrzehnt gehören diese dreiwöchigen Kreislauftrainingskuren in firmeneigenen Heimen zum Vorsorgeprogramm des Unternehmens. Hauptziel ist, dem Mangel an Bewegung und der einseitigen Belastung in der Alltagsarbeit entgegenzuwirken - was gerade den "Meistern der Bits und Bytes" gut tut.

Möglichst lange Wege

Wolfgang Hohberg (36), Lehrer an der Siemens-eigenen DV-Schule, schildert seine ersten Eindrücke: "Wir waren gebeten worden, nicht mit dem Pkw anzureisen, sondern mit der Bahn. Nach der Ankunft erhielten wir Jüngeren unsere Quartiere mitten im Ort. Das war der erste Trick. Das Freizeitheim liegt nämlich etwa 2,5 km entfernt an einem Berghang. Zu den Mahlzeiten mußten wir immer wieder in unsere Privatquartiere zurück, so daß die täglichen Fußmärsche schon von selber gemacht wurden."

Auch Robert Gaiser (40jähriger DV-Mitarbeiter in der Verfahrensentwicklung), der nicht wie Hohberg durch eigene Initiative zu dieser Kur kam, sondern auf Vorschlag seiner Vorgesetzten, gefiel der Tagesablauf, der frei von jedem Zwang war: "Aufstehen, ins Heim, auf der Wiese Laufschule und Gymnastik im Freizeitheim, dann zurück in die Quartiere zum Frühstück, wieder hoch ins Heim, Arbeit in der Halle oder Wanderungen, die mit fortschreitender Zeit immer länger wurden. In der ersten Zeit war es ganz schön anstrengend. Vor allem machte mir der Muskelkater zu schaffen."

Fundament für Verhaltensänderungen

Zur Kur gehören neben der Gymnastik auch Bürstenmassagen und Wasseranwendungen, die allgemeinen Anklang fanden: "Ein völlig neues Frischegefühl", freute sich Hohberg. In der Eschenloher Kur soll nur ein Fundament gelegt werden, auf dem der Patient zu Hause weiter aufbauen kann. Hauptziel ist, den Kurteilnehmer zu einer dauerhaften Verhaltensänderung anzuregen, das heißt vor allem zu einer regelmäßigen und ausreichenden körperlichen Bewegung.

"Ich finde die Kur schon aus dem Grund gut, weil Aufklärung über Zusammenhänge zwischen Kreislauf und Belastung aus medizinischer Sicht betrieben wird. Man wird nicht nur physisch gefordert, sondern in den Ruhepausen am Abend halten die jeweiligen Ärzte Vorträge über ihre Gebiete. Auf diese Weise wird einem das Ganze nähergebracht", meint Wolfgang Hohberg. "Ich glaube jetzt zu wissen, wie Urlaubsgestaltung richtig auszusehen hat. Ich habe dort Dinge gelernt und positiv verarbeitet, weil das Verständnis geweckt worden war."

Aber auch für Abwechslung am Abend wurde gesorgt. Hohberg: "Es kam keine Langeweile auf. Außerdem war es tabu, über das Geschäft zu reden." Aber auch beim geselligen Teil wurde auf Gesundheit geachtet: Als die Teilnehmer das Kloster Ettal besichtigten und natürlich auch den weltbekannten Klosterlikör probierten, wurden sie prompt auf die schädigende Wirkung des Alkohols hingewiesen.

Nach mehreren Monaten Alltagstrott über die Konsequenzen der Kur für ihn persönlich befragt, konnte sich Wolfgang Hohberg immer noch begeistern: "Ich habe die Absicht, einem Sportverein beizutreten. Außerdem werde ich als Vater das sportliche Angebot der Schule etwas näher betrachten. Vielleicht gibt es bei den Kindern und mir Gemeinsamkeiten, die wir nutzen können." ob