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29.10.1982 - 

Computer Aided Design sollte jedem Konstruktionsbüro zugänglich sein:

Ein Weg zu CAD führt übers Rechenzentrum

Die meisten Tätigkeiten in der Konstruktion und Arbeitsvorbereitung werden heute noch weitgehend manuell vorgenommen. Die EDV-Industrie bietet für diesen Bereich CAD-(Computer Adieu Design-)Verfahren an. Es sind zur Zeit fast nur große Unternehmen in der Lage, die Investitionen für dieses Rationalisierungsinstrument zu erbringen. Um eine Wettbewerbsverzerrung zu verhindern, sollte CAD jedem Konstruktionsbüro - vor allem kleineren Unternehmen - zugänglich sein. "CAD-Rechenzentren" könnten diese Marktlücke schließen.

Für Investitionen im CAD-Bereich sind enorm hohe Steigerungsraten prognostiziert. Diese erscheinen deshalb als möglich, weil im Bereich der Konstruktion bisher kaum rationalisiert wurde. Aus einer Mitte der 60er Jahre durchgeführten Untersuchung ist bekannt, daß die Produktivität seit 1900 im Fertigungsbereich um zirka tausend Prozent gestiegen ist, im Konstruktionsbereich dagegen lediglich um 20 Prozent. Diesen Zwang zur Produktivitätssteigerung haben sich fast alle EDV-Hersteller zunutze gemacht. Die Anzahl, der auf dem Markt angebotenen graphisch-orientierten CAD-Systeme für die Konstruktion, kann auf über 150 geschätzt werden. In der Bundesrepublik Deutschland dürften gegenwärtig bei etwa 250 bis 300 Unternehmen graphisch-orientierte CAD-Systeme für die Konstruktion angewendet werden. Am CAD-Einsatz interessierten Unternehmen stellt sich somit die schwierige Aufgabe, geeignete CAD-Systeme auszuwählen.

Zwei Lösungsansätze

Es wird hier auf einen Vergleich verschiedener CAD-Systeme verzichtet. Es soll nur aufgezeigt werden, daß am Markt prinzipiell zwei unterschiedliche Lösungen angeboten werden. Dies sind zum einen die "Stand-alone-Systeme" und zum anderen die "Großrechnerorientierten CAD-Systeme".

Stand-alone-Systeme sind in der Regel Kleinrechner mit ein bis vier graphischen Arbeitsplätzen. Dieser Kleinrechner stellt eine Insellösung dar, er ist "nur" mit CAD-Software ausgestattet.

Großrechnerorientierte-CAD-Systeme setzen einen General-Purpose-Computer voraus. Die graphischen Arbeitsplätze werden dezentral betrieben. Diese Konfiguration gestattet die Integration des gesamten produktionsbezogenen Informationsflußes. Dem Anwender steht das gesamte Leistungsspektrum (Hard- und Software) eines Rechenzentrums zur Verfügung, und er ist von der zu speichernden Datenmenge her kaum begrenzt.

Für Maschinenbauunternehmen mit weniger als 600 Beschäftigten liegen die realisierten Anwendungen von CAD für Konstruktion und Entwurf noch unter fünf Prozent. Die Gründe für diese geringe Durchdringung mit CAD-Verfahren sind vor allem

- im Ausbildungsstand der Mitarbeiter,

- im Informationsdefizit der Entscheider,

- in der Unsicherheit gegenüber großen Investitionen und

- in den komplexen Auswahl- und Bewertungsvorgängen zu suchen.

Um eine breite Anwendung von CAD-Verfahren - auch bei diesen Unternehmen - durchzusetzen, sind gezielte Maßnahmen zu ergreifen. Eine dieser Maßnahmen - der Aufbau eines CAD-Rechenzentrums - wird hier nachfolgend erläutert. Es ist dies eine Geschäftsidee des technischen Büros Holl in München, das sich mit diesem Thema aktiv beschäftigt und seit Mitte 1982 "CAD außer Haus" anbietet.

"CAD außer Haus" ist der Begriff für CAD-Anwendung, die bei Bedarf durch ein EDV-Dienstleistungsunternehmen abgedeckt wird. Für einen umfassenden CAD-Service muß das CAD-Rechenzentrum die nötige Infrastruktur bieten. Dazu zählen:

- Beratung,

- Programmierung,

- Rechenzentrumsbetrieb und

- Führen eines Benutzergremiums.

Die Beratung setzt qualifiziertes Fachpersonal voraus, sie ist branchenspezifisch und beinhaltet:

- die Klärung von organisatorischen Randbedingungen für einen CAD-Einsatz,

- Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen,

- Abgleich mit bestehenden CAD-/ CAM-Verfahren,

- Unterstützung und Einweisung des Kunden,

- Erarbeitung von Verfahrensabläufen,

- Standardisierung von Arbeitsschritten.

Die Beratungsleistung setzt nicht erst bei der Installation eines CAD-Systems ein. Eine wesentliche Aufgabe ist das Vermitteln des CAD-Verständnisses, das durch Vorführungen, Schulungen und durch praktische Erprobungen am CAD-Arbeitsplatz vermittelt wird.

Aus der Erfahrung heraus, daß kaum ein CAD-System ohne kundenbeziehungsweise branchenspezifische Zusatzsoftware auskommt, muß ein CAD-Rechenzentrum in der Lage sein, Anpassungen und Erweiterungen durchzuführen. Dies ist in der Regel aber nur dann sinnvoll, wenn diese Zusätze nicht für eine allgemeine Kundenfreigabe durch den CAD-Hersteller geeignet sind. Das CAD-Rechenzentrum kann somit auch als Impulsgeber für CAD-Hersteller angesehen werden.

Durch die intensive Beratungstätigkeit ist es dem CAD-Rechenzentrum möglich, den Erfahrungsaustausch unter den CAD-Anwendern zu fördern. Durch regelmäßige Veranstaltungen können branchenspezifische, wie auch branchenübergreifende Probleme diskutiert werden. Ein besonders hoch einzuschätzendes Aufgabengebiet eines CAD-Benutzergremiums ist der Austausch von Standards.

Durch den Einsatz von Standardmenüs, Standardsymbolen und Prozeduren wird der Produktivitätsfaktor eines CAD-Systems wesentlich erhöht. Das CAD-Rechenzentrum fungiert hier sowohl als Vermittler als auch als Ersteller dieser Standards.

Das CAD-Rechenzentrum arbeitet sinnvollerweise mit einem Großrechnerorientierten-CAD-System. Es bietet vor allem kleineren Unternehmen die Möglichkeit, CAD-Systeme zu benutzen, ohne eigene Investitionen zu tätigen. Im CAD-Rechenzentrum werden Graphikarbeitsplätze zur Verfügung gestellt, die von Interessenten stunden- beziehungsweise tageweise gemietet werden können. Dieser CAD-Service bietet dadurch auch jenen Unternehmen den Einstieg in CAD-Verfahren an, die eine eigene CAD-Anlage wirtschaftlich nicht sinnvoll betreiben können.

Kostenintensive Systemvergleiche, die vor jeder größeren Investition durchzuführen sind, entfallen. Das unternehmerische Risiko wird minimiert, da bei "CAD außer Haus" die Abrechnung der CAD-Anwendung nutzungsorientiert erfolgt.

Das CAD-Rechenzentrum bietet somit jedem Unternehmen - vom Kleinbetrieb bis zum Großbetrieb - über ein gut abgestuftes Konzept, die wirtschaftliche Nutzung von CAD. Der Kunde kann zwischen einem eigenen Graphikarbeitsplatz, dem tageweise gemieteten Graphik-arbeitsplatz oder der Zeichnungserfassung beziehungsweise -änderung durch das CAD-Rechenzentrum wählen.

* Erich Reifinger, Technisches Büro Jürgen Holl, Software: Wolfratshauser Straße 191, 8000 München 71, Telefon 089/7 91 70 41/44.