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25.06.1995

Eindruecke von der Drupa Nun steht das Druckgewerbe vor der digitalen Revolution

Die "Drupa" in Duesseldorf gehoert mittlerweile zu den vier grossen internationalen Fachausstellungen fuer das grafische Gewerbe. Aufgrund des verstaerkten Einzugs digitaler Technik in dieser Branche mutierte die alle fuenf Jahre stattfindende und mittlerweile 11. Veranstaltung auf der halben Ausstellungsflaeche zu einem CeBIT-Special - mit dem Vorteil, zu 90 Prozent von Fachpublikum besucht zu werden. Ueber seine Eindruecke von der Messe, deren Besucherzahl um etwa zehn Prozent ruecklaeufig war, berichtet Michael Mittelhaus*.

Beherrscht wurde die Mammut-Show im Bereich der Druckvorstufe von fuenf Themen: digitaler Druck, digitale Fotografie, Computer-to- Plate, digitaler Proof sowie Color- und Daten-Management. Das Fazit vorneweg: Die Setzer haben die digitale Revolution bereits lange hinter sich, die Lithografen (Bildverarbeitung) machen sie gerade durch, als naechste sind die Drucker an der Reihe. Mit dem Einzug von digitalen Druckmaschinen, dem Verschwinden des Films aufgrund der direkten Laserbelichtung von Druckplatten sowie der Vernetzung des Drucksaals wird sich auch dieses Gewerbe in den naechsten zehn Jahren erheblich veraendern. Das gilt auch fuer Belichtungsstudios und In-House-Belichter (Agenturen, Hausdruckereien).

Noch ist nicht entschieden, welche Technologie zuerst die Drucksaele besetzt: die digitalen Druckmaschinen von Xeicon, Indigo & Co beziehungsweise Heidelbergs DI-Technik oder die digitale Belichtung der Platten fuer den konventionellen Offsetdruck. Wahrscheinlich wird sich letzteres ab der Jahrtausendwende fuer einige Jahre durchsetzen, um dann als Interimsloesung wieder zu verschwinden und voellig neuen Entwicklungen Platz zu machen. Schliesslich: Wer hat schon auf der Drupa 1990 an Digitaldruck gedacht?

Interessantes im Detail: Mit den neuen Digital-Druckern werden die RIPs (Raster Image Processor) schneller (Xeicon), und es laesst sich eine groessere Auswahl an Papier einsetzen (Agfa). Ausserdem werden die Maschinen in verschiedene Richtungen diversifiziert: So etwa zur Verarbeitung von Rollenpapieren (Indigo Moebius), Sonderfarben oder zum Bedrucken von Dosenblech (Indigo Omnius). Neu dabei ist Scitex mit nunmehr drei Varianten des Iris-Tintenstrahldruckers sowie einem Kooperationsprodukt mit Xerox, einer mit 200 000 Dollar preisbrechenden Maschine namens "Spontane". Selbst IBM zeigte sich auf der Messe und praesentierte eine eigene Version der "DC P-1" von Xeicon, bei der die Barco-Technologie genutzt wird.

Fast als Teilbereich des digitalen Drucks gelten inzwischen Farbkopierer, die mit mehr Geschwindigkeit (Canon CLC X mit 1800 Seiten pro Stunde), Farb-Management, Spezialausfertigungen fuer den Druck von Visiten- und anderen Karten sowie RIPs fuer die Netzwerkintegration aufwarten (Minolta, Xerox). Das Gleiche gilt fuer die grossformatigen Displaydrucker: etwa bei Cymbolic Sciences "Light Jet 2000", Scitex, Lasermasters "Displaymaker", oder dem "Xerox 8954 II", der bis zu einer Breite von 1,32 Meter arbeitet.

Ebenso dicht umlagert wie die Digitaldruckmaschinen war die neue Heidelberg "Quickmaster-DI", eine beinahe normale Offsetdruckmaschine, die aber die Druckplatte direkt in der Maschine belichtet, daher der Name "Direct Imaging". Gleichzeitig stellten insgesamt 25 Hersteller Belichter fuer Druckplatten auf Aluminiumbasis aus - bisher gab es weltweit nur acht Anbieter dieser Technologie, die auch als "Computer to Plate" (CTP) bezeichnet wird. Nicht eingerechnet sind OEM-Anbieter und die Systeme fuer den Klein-Offset-Bereich mit verschiedenen Polyesterplatten.

CTP, auf den ersten Blick technisch nicht ganz so weit entwickelt, hat einige Vorteile gegenueber den rein digitalen Systemen: Es deckt den gesamten Qualitaetsbereich des Offsets ab und weist nicht die hohen Stillstandszeiten der digitalen Drucker und der DI- Technik auf. Insbesondere aber die bisher mangelnde Erfahrung der meisten Druckereien mit einer kompletten digitalen Vorstufenproduktion hemmt die Einfuehrung dieser neuen Technologie. Ausserdem: Bei Preisen zwischen 200 000 und einer Million Mark fuer komplette CTP-Systeme faellt die Investitionsentscheidung nicht gerade leicht. So darf man denn insgesamt davon ausgehen, dass nach einer zwei- bis dreijaehrigen Pilotphase die Einstiegspreise Zug um Zug sinken, bis auch CTP zu einer Massentechnologie wird.

Firmen wie Roland, Komori und Heidelberg starten in Zusammenarbeit mit CTP-Herstellern wie Creo mit Techniken, um die Daten zur Farbzonensteuerung an den Steuerrechner der Druckmaschine zu uebergeben. Die Anbieter von Branchensoftware gehen noch einen Schritt weiter und beziehen BDE und PPS mit ein, (Alpha-Graf, Graphisoft, Kubus und Prologic). Am Ende steht die komplett vernetzte digitale Druckerei. Die daraus resultierende Performance, die sich sehr wahrscheinlich nur groessere Haeuser leisten koennen, werden die Marktchancen der traditionellen Klein- und Mittelbetriebe reduzieren, deutliche Umstrukturierungen in der Branche sind daher vorhersehbar.

Attackiert werden die Drucker auch von der Digitalfotografie: In nicht mehr ferner Zukunft wird der Kunde keine Farbfotos mehr abliefern, sondern einen Datentraeger vorlegen. So waren bei den meisten Vorstufenanbietern Digitalkameras zu sehen, wie Agfas "Studio CAM", Dicomed, Fuji (auf Nikon-Basis), Kodak (auf Canon- Basis), Minolta, Lumina, Kontron oder Scanview mit einem Kamera- Rueckteil fuer Hasselblad-Apparate.

Bei den RIPs (es handelt sich um Controller, die Seitenbeschreibungen in Rasterpunkte fuer Laserdrucker und - belichter umsetzen) sind die Zeiten der Hardware-Techniken vorueber. Selbst Linotype zeigte auf der Messe seine erste Softwareloesung. Die marktgaengigen Systeme sind noch einmal schneller geworden und laufen immer oefter unter Windows NT. Das gilt auch fuer die verwendeten Datenserver, die immer haeufiger den RIP-Vorgang uebernehmen koennen. Die entsprechenden Hochleistungssysteme laufen zunehmend auf der DEC-Alpha-Plattform, die IBM versucht es bei ihrem Digitaldrucker mit dem hauseigenen Power-PC. Ausser den absolut fuehrenden Harlequin- und Adobe-RIPs ist auch Hyphen mit "Ripware II" wieder im Kommen.

Aufgrund der Anforderungen an Digitaldrucksysteme und Plattenbelichter, eine Seite schnellstmoeglich wiederholen zu koennen, wird es mittlerweile zum Standard, die gerippten Daten zwischenzuspeichern oder zur Archivierung und Wiederverwendung auszulagern. Fuer einen vierfarbigen mittelformatigen Druckbogen bedeutet das ein Datenvolumen in der Groessenordnung von rund 3 Gigabyte abzulegen. Weder marktuebliche MOD-Systeme noch Bandtechnologien genuegen derzeit den dadurch entstandenen Anforderungen, so dass die Druckindustrie auch hier interessante Anreize fuer technologische Neuerungen bietet.

Gegenueber der Leistung von Trommel-Scannern und ihren Photomultipliern haben die Flachbett-Pendants mit CCD-Zeilen nicht nur aufgeholt, auf der Drupa zeichnete sich vielmehr ab, dass sie mit ihrem Siegeszug den Markt kuenftig beherrschen werden.

Softwareseitig hat die Messe gezeigt, dass sich Design und Retusche auch in Echtzeit bearbeiten lassen, sofern man etwa einen SGI- Rechner als Hardwareplattform waehlt. Dedizierte Systeme fuer Verpackungsentwurf und andere Spezialzwecke behalten weiterhin ihre Marktbedeutung. Quark Xpress behauptet sich nach wie vor gut gegen die Herausforderer Viva und Mega Press; statt sich aber um das Flaggschiff des Hauses "Xpress" zu kuemmern, will Quark mit dem Programm "Xposure" Marktanteile von

"Photoshop" ergattern. Die auf der Drupa gezeigten Demos konnten allerdings nicht von der neuen Alternative ueberzeugen. Gleichzeitig koennen Layout- und Satzsysteme fuer Spezialanforderungen (CCS-Textline, Wintegrator) sowie professionelle Programme wie "3B2" einen stabilen und weiter expandierenden Marktanteil aufweisen.

Ein Trend in der Software zeichnete sich auf der Messe auch fuer Systeme ab, mit denen man in Form eines Workflow-Management kuenftig die Massendaten der digitalen Produktion verwalten kann. Neben den bekannten Loesungen "Open" von Aldus oder "Mainstream" von Agfa (das inzwischen zu Open kompatibel ist) fiel hier besonders "Opix Control" auf.

Darueber hinaus gab es eine ganze Reihe von neuen Ansaetzen bei CTP- Anbietern, darunter auch viele proprietaere Loesungen (Creo "Platemaster Server", IGCs "Workflo"). In diesem Marktsegment tummeln sich nach wie vor auch traditionelle Vorstufenanbieter (etwa Dalim, Scitex, Lino und Screen), die schon seit geraumer Zeit mit ihren geschlossenen Systemen antreten.

Auffaellig ist auch der neue Umgangston insbesondere unter den grossen Anbietern: Zusammenarbeit und direkte Kooperationen werden offen zelebriert, OEM-Produkte muessen nicht mehr mit dem Original- Label dekoriert werden. Lino und Kodak demonstrierten Naehe, schon aufgrund der Standnachbarschaft, was Lino jedoch nicht daran hindert, auch mit Polaroid zu kooperieren. Statt Abgrenzungen zu verschaerfen, werden Produkte untereinander kompatibel. Agfa uebernimmt Teile von Hoechst; Scangraphic, Berthold und Monotype sind alle unter dem Dach einer Finanzgruppe vereint und Scitex kooperiert mit Xerox. Aber das sind logische Folgen des Innovationskarussels, wo die Entwicklungskosten auch von Branchengroessen nicht mehr allein aufzubringen sind.

*Michael Mittelhaus ist freier Fachjournalist in Ochtrup