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09.09.1994

Eindruecke von der Konferenzmesse Groupware 94 Lotus liess sich von Microsoft in eine Randposition draengen Von Michael Wagner*

Mit dem Eintritt von Microsoft kommt Bewegung in den Groupware- Markt. Eindeutig dominierte der Softwareriese aus Redmond, Washington, die "Groupware 94" im kalifornischen San Jose. Doch neben den grossen Anbietern gab es auch wieder eine Menge interessanter Neuerscheinungen zu entdecken. Auf der Messe in San Jose zeigte der Redmonder Softwaregigant nicht nur Praesenz in Sachen Groupware, sondern machte seinen Anspruch auf die Marktfuehrerschaft deutlich. Groupware-Primus Lotus Development und Aufholjaeger Wordperfect werden sich anstrengen muessen, ihre Positionen in diesem schnellebigen Markt zu behaupten. Das bisher eher zoegerliche Engagement von IBM, Digital Equipment und anderen scheint sich nun zu raechen. Kampflos wird aber wohl keiner der etablierten Anbieter Microsoft das Feld ueberlassen, zumal die Produktpalette aus dem Bundesstaat Washington noch einiges zu wuenschen uebrig laesst. Nach der Ende Juni erfolgten ersten Demonstration des lange erwarteten Microsoft-Produkts und dem Ende des Namenswirrwarrs (Touchdown, Enterprise Message Server, Microsoft Information Exchange und diverse Namensderivate) zeigte Microsoft das nun Microsoft Exchange Server oder kuerzer Microsoft Exchange genannte Produkt in San Jose einer breiten Oeffentlichkeit. E-Mail-Nachrichten und OLE-Objekte Die Verfuegbarkeit ist fuer 1995 geplant. Dann soll das Produkt eine an X.500 angelehnte Verzeichnisstruktur bieten, die normale E-Mail-Nachrichten, spezielle elektronische Formulare oder beliebige OLE-Objekte speichern kann. Der auf einem Windows NT Advanced Server aufsetzende Microsoft Exchange Server stellt diese Verzeichnisstruktur unter der Kontrolle des NT-Sicherheitssystems im lokalen Netz zur Verfuegung. Bei Bedarf koennen mehrere Exchange Server gemeinsame Verzeichnisse, sogenannte Shared Folders, ueber RPC-Mechanismen im LAN oder via X.400-Messaging ueber WANs abgleichen, sprich: replizieren. Der Zugriff auf die gespeicherten beziehungsweise verteilten Informationen erfolgt ueber entsprechende Windows, Mac- und Unix-Clients sowie ueber Systembestandteile kommender Microsoft-Betriebssysteme wie Windows 4.0 (Chicago). Auch wenn bei Demonstrationen meist alles klappt - wer die Tuecken der elektronischen Post aus eigener, leidvoller Erfahrung kennt, wird bei der Messaging-basierten Replikation seine Zweifel haben. Einschraenkungen bei der Zuverlaessigkeit oder dem Durchsatz sind nicht auszuschliessen. Fuer die Entwicklung eigenstaendiger Anwendungen auf der Basis von Microsoft Exchange steht neben dem bekannten Electronic Forms Designer ein API fuer Visual Basic zur Verfuegung. Damit ist ein signifikanter Entwicklungsaufwand fuer anwendungsspezifische Loesungen allerdings unumgaenglich. Der Exchange Server wird sein volles Potential nur in Verbindung mit weiteren, zum Teil noch nicht angekuendigten Microsoft- Produkten erreichen. So ist die komfortable Verwaltung von Benutzern und Unternehmensstruktur nur mit Hilfe des System- Management-Servers (SMS, Codename "Hermes") moeglich. Ebenfalls nicht in den Hochglanzbroschueren zu lesen ist, dass die derzeitige Implementation auf der Access-Datenbank-Engine aufsetzt und daher in der Datenverwaltung auf ein fuer umfassende Einsaetze voellig unzureichendes Datenvolumen von acht Gigabyte begrenzt ist. Aus demselben Grund wird der Exchange Server zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht Microsoft-intern eingesetzt. Die eigene Datenbasis hat die Obergrenze naemlich laengst ueberschritten. Erst mit der zweiten Version, voraussichtlich also nicht vor 1996, wird der SQL-Server als Implementationsplattform genutzt, wodurch diese Grenze ueberwunden werden kann. Die Microsoft-Strategie ist klar auf die Abloesung bestehender Systeme durch Windows-NT-Loesungen angelegt. Viel war in San Jose zum Thema Migration, wenig ueber Integration zu hoeren. Die Integrationsmoeglichkeiten beschraenken sich im wesentlichen auf Gateways, Programmierschnittstellen und andere Zusatzprodukte, die zum Teil von den mehr als 60 Exchange-Partnerunternehmen angeboten werden. Eine klare Unterstuetzungsabsicht fuer bereits verbreitete oder kommende Standards wie EDI oder Corba liegt kaum im Interesse von Microsoft. Ob die reine Marktmacht fuer das Festhalten beziehungsweise Neudefinieren eigener proprietaerer Schnittstellen ausreicht oder diese Vorgehensweise im Zeitalter der offenen Systeme und herstellerunabhaengigen Standards ueberholt ist, werden die Reaktionen der Mitbewerber sowie letztendlich die Kaufentscheidungen der Kunden zeigen. Der Marktfuehrer im Groupware-Geschaeft, Lotus Development, hinterliess angesichts der massiven Praesenz des Erzrivalen nur einen schwachen Eindruck. Ausser marginalen Verbesserungen des "Notes"-Produktes war wenig Neues zu registrieren. Zwar wurde das schon seit einiger Zeit bekannte "Phone Notes" eindrucksvoll demonstriert. Insgesamt aber trat Lotus gegenueber der Vorjahresveranstaltung eher reserviert auf. Ueberarbeitete Benutzerschnittstelle Auch mit inoffiziellen Informationen bezueglich des ueberfaelligen Lotus Communication Servers (LCS) sowie der Notes-Version 4.0 und des langersehnten "Notes Lite" wurde mehr als sparsam umgegangen. Entweder will Lotus nicht mehr mit verfruehten Ankuendigungen den Markt verprellen oder die ohnehin hinter dem offiziellen Zeitplan hinterherhechelnde Entwicklungsabteilung in Massachussetts ist endgueltig eingeschlafen. Bleibt zu hoffen, dass die drohende Konkurrenz aus Redmond Wirkung zeigt. Das wenige, das ueber die kommenden Lotus Produkte zu erfahren war, ueberraschte kaum. Notes 4.0 wird eine voellig ueberarbeitete Benutzerschnittstelle erhalten, die in wesentlichen Teilen angepasst werden kann. So soll die bereits bekannte Integration des Visual-Basic-Derivates "Lotus Script" auch die Oberflaeche steuern koennen, um beispielsweise die Darstellung der Strukturansicht und des ausgewaehlten Dokuments in einem Fenster zu verbinden. Die von vielen Anwendern geforderte Endbenutzervariante von Notes soll sich unter dem Namen "Notes Express" auf Auswahl und Anzeige von Dokumenten beschraenken und zu einem Kampfpreis angeboten werden. Eine willkuerliche Beschraenkung auf fuenf Datenbankdesigns setzt der Anwendbarkeit von Notes Express jedoch enge Grenzen. Wordperfect hat mit "Groupwise" nun in kurzer Zeit den dritten Namen fuer sein zuvor Office und zwischenzeitlich Symmetrie genanntes Groupware-Produkt vergeben. Die aktuelle Version 4.1 wurde um die Unterstuetzung fuer zusaetzliche Plattformen ergaenzt. Server- wie Client-Software sind nun fuer OS/2 und diverse Unix- Versionen verfuegbar. Ueberraschen konnte jedoch lediglich die Vorstellung eines "Power-Mac"-Client. Zusaetzlich zum NLM-Server werden nun auch diverse Gateways zu Snads, SMTP und Mapi angeboten. Trotz der beachtlichen Marketingaktivitaeten liegt die weitere Strategie des Zweitplazierten im Dunkeln - vor allem im Hinblick auf die Uebernahme durch Novell und die eigene Akquisition von Softsolutions. Als wahrscheinlich bezeichnen Insider die Verbin- dung der separat angebotenen Produkte mit der Appware-Technologie, deren Entwicklung jedoch von der gesamter Betriebssystem-Strategie Novells abhaengt. Die uebrigen etablierten Hersteller - Apple, IBM, Bull, ICL und Oracle - geben ein recht heterogenes Bild ab, aehnlich wie die mehr spezialisierten Grossen der Branche, also Action, Softarc oder Ventana. Mit Einzelprodukten, aber ohne sichtbare Strategie bleibt ihnen nur die Anlehnung an die Groupware-Giganten oder der Weg in die Nische. Vor diesem Hintergrund ist es wenig verwunderlich, dass sich ein Anbieter wie Digital Equipment mit dem technologisch guten Produkt Link Works gar nicht erst der Herausforderung stellte. Bull oder ICL zeigten zwar Praesenz, hatten aber kaum Innovationen zu bieten. Selbst die IBM ist trotz guter Technologie mit ihrem Produkt Flowmark weitgehend auf angestammte Maerkte angewiesen und hat den Marktfuehrern keine adaequate Strategie entgegenzusetzen. Mit Einzelprodukten und Partnern wird versucht, auf dem Groupware- Spielfeld Punkte zu machen, doch umfassende Loesungen sind nicht in Sicht. Dabei stuende IBM mit dem System Object Model (SOM) eine der besten Ausgangstechnologien zur Verfuegung. Konferenzsysteme und Business-Design-Tools Keinen Mangel hingegen gab es an Neuheiten von kleinen Unternehmen und Neueinsteigern. Insbesondere im Bereich Konferenzsysteme und Business-Design-Tools tut sich einiges. Mindestens ein halbes Dutzend Anbieter lehnt sich mit vormals zumeist eigenstaendigen Konferenzsystemen an Microsoft Exchange an oder entwickeln zumindest Gateways oder Add-on-Produkte dafuer. Zu den Anbietern gehoeren Collabra mit dem Produkt Share ebenso wie DCA mit Open Mind sowie Mesa mit Conference+. In der Sonderschau "Emerging Technologies" war von File-Sharing- Werkzeugen wie Network Central von First Floor ueber Diskussionssysteme wie Inforum von Bernier bis hin zu Groupware- Entwicklungswerkzeugen wie Derive IT von UIMS eine breite Palette interessanter neuer Produkte zu sehen. Das bereits auf der CeBIT vertretene finnische Unternehmen Datafellows gewann mit seinem Groupware-/Hypertext- Produkt Vineyard den "Best Emerging Produkt Award". Am Rande der Konferenz viel diskutiert, aber von den Herstellern wenig beachtet, entwickelt sich das Thema Integration mit bestehenden Informationssystemen allmaehlich zu einem Pruefstein fuer die weitere Entwicklung des Groupware-Marktes. Viele moegliche Einsatzfaelle sind ohne ein direkte Einbindung bestehender Loesungen in die Gesamtarchitektur nicht zu verwirklichen. Die Abloesung dieser Systeme steht aus Kostengruenden nicht zu Diskussion.