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19.08.1994 - 

Eine Reise durch das Internet oder das Maerchen von der grossen Freiheit (Teil 1)

Eine allzu archaische Oberflaeche verleidet die Lust am Info-Surfen

Von CW-Redakteur Juergen Hill

Surfing in the USA ? Dies soll keine Hommage an Hawaii oder den legendaeren Song der Bee Gees sein. Die Rede ist vielmehr von einem Wellenritt durch das Internet rund um den Globus. Das Netz erfreut sich seit Monaten einer wahren Woge an Medienaufmerksamkeit. Mal wird es zur bereits existierenden Datenautobahn im Sinne von Al Gore hochstilisiert, mal zum Informations-Marktplatz des globalen elektronischen Dorfes gekuert.

Waehrend mancher Chronist das Internet bereits als Reisemittel fuer einen 80-Sekunden-Trip rund um die Welt lobt und Jules Vernes 80taegige Reise angesichts solcher Euphorie als Schneckenrennen erscheint, ist die Realitaet leider deutlich langsamer.

Vor dem Wellenritt um den Globus braucht der neue Surffreund erst einmal das geeignete Brett - sprich den entsprechenden Diensteanbieter, der den Zugang zu den Informationen ermoeglicht. Studenten und andere Hochschulmitglieder sind hier fein heraus, haben doch die meisten Hochschulen als urspruengliche Initiatoren des Internets einen eigenen Knoten.

Doch fuer den privaten oder beruflichen Anwender in der freien Wirtschaft sieht es anders aus. Er muss sich einen Anbieter suchen, der einen Einwaehlpunkt ins Netz zur Verfuegung stellt. Die freie Marktwirtschaft laesst in Form der sogenannten Service-Provider gruessen: Gegen eine monatliche Grundgebuehr und entsprechende Kommunikationsentgelte kann die Reise losgehen. Je nach Anbieter werden die Kosten in Abhaengigkeit von der Datenmenge oder der Nutzungsdauer berechnet (vgl. Tabelle). Ins Reisegepaeck fuer die elektronische Weltreise gehoert zudem ein Modem oder ein ISDN- Adapter zur Anwahl des entsprechenden Knotens sowie eine Software zur TCP/IP-Unterstuetzung.

Bevor die Kasse der Service-Provider bei der Weltreise ihrer Kunden richtig klingelt, hat der Anwender die Huerde der Installation zu nehmen. Die ist nicht jedermanns Sache. So muss sich der Reisende in spe bei der Einrichtung der beispielsweise vom Service-Provider Eunet mitgelieferten Windows-Software "Chameleon TCP/IP for Internet" mit den 32 Bit langen Internet- Adressen herumschlagen (Zu Bedeutung und Aufbau dieser Adressen vgl. CW Nr. 27 vom 8. Juli 1994, Seite 16). Zudem sind so interessante Dinge wie der Mail-Server-Name, das Gateway und aehnliches bei der Installation anzugeben. Zwar hilft dem Neuling im Falle Eunet eine ausfuehrliche

Anleitung bei der Beantwortung der Fragen des wissensdurstigen Installationsprogramms - aber nach rund 30minuetiger Installation funktioniert erst einmal nichts. Doch nicht verzagen, weder Eunet noch Chameleon sind daran schuld, denn nach weiteren zehn Minuten findet der frustrierte Anwender dann den Uebeltaeter: Eine Tippfehler bei irgendeiner der kryptischen Eingaben hat das System lahmgelegt.

Doch es geht auch anders, wie bei der Software "Pipeline for Windows". Hier ist die Installation mit der einfachen Eingabe des Namens und der Telefonnummer des naechsten Knotens bewaeltigt. Keine Spur von langen Internet-Adressen, keine unbequemen Fragen nach Domain-Servern, Mailbox-Servern etc.

Spaetestens nach der erfolgreichen Einwahl ins Internet herrscht zwischen den Anwendern wieder Gleichberechtigung: Die Verbindung zu einem Gopher-Server ist hergestellt. Die archaische Oberflaeche des Gophers laedt eigentlich zum sofortigen Logout ein. Triste Buchsymbole mit wenig aussagekraeftigen Namen wie University of Minnesota verkoerpern die grosse elektronische Freiheit und Informationsvielfalt.

Oft klappt die Verbindung erst beim zweiten Versuch

Zahlreiche Mausklicks auf unzaehlige Buchsymbole spaeter, die sich als Entgegenkommen an die computerisierte Animationswelt von heute beim Anklicken in ein symbolisches offenes Buch verwandeln, schlaegt das Herz ploetzlich hoeher. Einer der Gopher-Server bietet dem Reisenden die Liste der weltweit verfuegbaren Internetserver an.

Nach weiteren Fingeruebungen auf der Maus offenbart sich endlich das Verzeichnis der deutschen Server, das sich wie ein Who is who der hieisigen Hochschullandschaft liest. Doch die Ernuechterung folgt sofort. Den Versuch, zum Gopher-Server der Uni Saarbruecken zu reisen, quittiert Chameleon mit der lapidaren Meldung "Server does not respond". Also Fehlanzeige, dafuer klappt aber eine Verbindung zum Ausleihcomputer der Universitaet Konstanz - fuer Studenten vielleicht ganz interessant, der Teilnehmer wollte allerdings keine Buecher ausleihen, sondern Informationen oder Diskussionsforen zum Thema Information-Highway finden.

Ein spaeterer, erneuter Anbandelversuch mit der Hochschule in Saarbruecken hat diesmal Erfolg. Also nicht ins Bockshorn jagen lassen, wenn die Verbindung einmal nicht auf Anhieb klappt, denn dank der grossen Freiheit im Internet steht es auch den Server- Betreibern frei, ob sie ihre Rechner die ganze Zeit betreiben. Sehr zum Leidwesen der Anwender, denn die Verbindung, die heute muehelos klappt, kommt morgen womoeglich ueberhaupt nicht zustande.

Soviel zum Thema generelle Verfuegbarkeit - doch weiter geht die Reise durch den Saarbruecker Server. Hier ist Wissenswertes zum Thema Drogen und Kinder zu lesen, der Besucher erfaehrt nebenbei, mit welcher Software der Student von heute sich herumaergern muss. Doch wieder keine Spur von interessanten Foren oder einer Tips- und-Tricks-Ecke, die dem Anwender bei seinen Problemen weiterhelfen koennte. Auch die Besuche an anderen Unis fuehren nicht weiter: Hier ist nicht einmal eine Information ueber die eingesetzte Software zu bekommen, dafuer aber der Hinweis, dass der Gopher-Dienst eingestellt sei und ein World-Wide-Webster-(WWW-)- Server aufgebaut werde.

Nach zwei Stunden und etlichen weiteren Fehlversuchen faehrt der Mauszeiger auf den Menuepunkt "Disconnect" und beendet damit das Trauerspiel fuer den Anwender. Dafuer duerften die Abrechnungsabteilungen des Service-Providers sowie der Telekom einen Freudentanz vollfuehren. Mehr als zwei Stunden Kommunikationsgebuehr fuer den Diensteanbieter, und der Bonner Carrier kann sich ueber ein langes Ferngespraech von Muenchen zum Zugangsknoten nach Dortmund freuen. Deshalb sollte bei der Wahl des Providers nicht nur dessen Kommunikationsentgelt beruecksichtigt, sondern auch darauf geachtet werden, ob ein Knoten im Nahbereich verfuegbar ist. Ansonsten entpuppt sich das vermeintlich guenstigere Angebot aufgrund der hohen Telekom- Rechnung schnell als die teurere Loesung.

Insgesamt faellt das Resuemee der ersten Reise um den elektronischen Globus enttaeuschend aus: Archaische Oberflaeche, uninteressante Informationen. Darauf kann doch der Mythos Internet nicht beruhen? Praesentierte denn nicht Sun gerade erst zur Fussball-WM via Internet farbenfrohe Tabellen mit dem aktuellen Spielstand, untermalt mit Musik und Bildern der entsprechenden Mannschaften? Richtig, als Oberflaeche wurde "Mosaic" verwendet, und die Verbindung erfolgte ueber die sogenannten WWW-Server, ueber deren Spuren "WWW-Server im Aufbau" der Infonaut erst bei der letzten Weltreise in Sachen Internet gestolpert war.

Eine Suche in den zahlreichen mit Chameleon ausgelieferten Werkzeugen fuehrt nicht zum Erfolg: Tools zum File-Transfer (FTP), zum Versand von E-Mail oder zur Verwendung von Telnet sind zwar vorhanden, doch von Mosaic findet der Netzwanderer keine Spur. Ein Griff zu einem der zahlreichen Internet-Buecher hilft jedoch weiter. Das Objekt der Begierde soll auf dem Server "ftp.nsca.uiuc.edu" via FTP zu bekommen sein.

Ueber die zweite Internet-Reise mit Mosaic via WWW und die Installationshuerden unter Windows werden wir in unserer naechsten Ausgabe berichten.

Auch Ihre Erfahrungen interessieren uns! Schreiben Sie uns, falls Sie bereits nuetzliche Bereiche fuer den beruflichen Anwender - egal ob unter Gopher oder Mosaic - gefunden haben, oder schildern Sie uns einfach nur Ihre Erlebnisse auf der Reise durchs Internet. Sie koennen uns via Fax (089/3 60 86-109) oder per E-Mail ueber Compuserve (Adresse: 100141, 2137) sowie via Internet (Steffie)