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Kolumne


11.04.1997 - 

"Eine andere Platte auflegen"

Daß in der IT-Branche mit harten Bandagen gekämpft wird, dürfte spätestens nach den Gefechten, die sich Oracle und Informix liefern, jedem klar sein. Die Vorgehensweise mancher Player erschreckt dennoch. Um zu zeigen, daß Microsofts Active X Controls Java-Applets weit unterlegen sind, ließ Sun-Chef Scott McNealy auf der Entwicklerkonferenz Java One in San Franzisko einen Experten nachweisen, wie leicht die Technologie des Konkurrenten mißbraucht werden kann. Er verschwieg seinem feixendem Publikum allerdings, daß Sun den Mann bezahlt hatte, um ein Active X Control zu schreiben (siehe Seite 4), das nach dem Herunterladen die Kontrolle über den Rechner des Benutzers übernimmt.

Zum einen hätte McNealy dafür kein Geld ausgeben müssen, der Hack ist bereits seit einigen Wochen bekannt (siehe CW Nr.11 vom 14. März 1997, Seite 1: "Microsoft-Browser macht Hackern Freude"). Zum anderen muß er sich die Frage gefallen lassen, ob er solche Showeinlagen ê la David Copperfield tatsächlich nötig hat. Java kommt ohne diese Tricks aus. Die Investitionen etlicher Softwarehäuser und die zahlreichen Pilotinstallationen bei Anwendern lassen kaum noch Zweifel an der Zukunft dieser Sprache zu. Darüber hinaus hat inzwischen auch ohne McNealys Zutun jeder aufmerksame IT-Manager mitbekommen, daß Microsofts Versuch, Desktop- und Internet-Software eng zu verzahnen, Sicherheitsprobleme birgt.

Bleibt nur der Schluß, daß sich der Sun-Chef in der Rolle des Kastenteufels pudelwohl fühlt, obwohl er damit Gefahr läuft, nicht nur sich selbst, sondern auch sein Unternehmen zur Lachnummer zu degradieren. Was schade wäre, da Sun tatsächlich Hard- und Software-architektonisch einer der wenigen Player ist, der nicht Microsoft und Intel zum Maß der Dinge macht.

Auch die "Koalition" der Microsoft-Gegner - darunter IBM, Oracle und Netscape - wird über die Sottisen des Sun-Chefs nicht lachen können. Klingen sie doch in den Ohren der Anwender immer nach der Häme schlechter Verlierer.

McNealy sollte endlich eine neue Platte auflegen. Wer sich auf diese Weise an der Übermacht Microsofts reibt, trägt dazu bei, daß sie im Bewußtsein der Anwender fest verankert wird. Das hat bekanntlich Einfluß auf Kaufentscheidungen und kann weder im Interesse von Sun noch in dem der "Koalitionäre" sein.