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Ausbildung zum Datentypisten:


18.06.1976 - 

Eine Chance für Körperbehinderte

Aus "Sorgenkindern" werden oft Sozialfälle. Zahlreiche staatliche und private Institutionen bemühen sich deshalb um die Rehabilitation von Körperbehinderten. Das Bestreben gilt dabei in erster Linie ihrer Wiedereingliederung in den Arbeitsprozeß. Das Angebot an Ausbildungsstätten ist jedoch begrenzt und die Arbeitsplatzbeschaffung oft ein echtes Problem. Das auf der Hannover-Messe vorgestellte "W.-Hecker-Modell" soll Behinderten die Möglichkeit eröffnen, eine Beschäftigung etwa als Datentypist(in) auszuüben.

HATTERSHEIM - Ein Versuchsmodell "Fachausbildung für Körperbehinderte" hat die Firma Hecker,

Datenerfassung/Datenverarbeitung (Hattersheim/Taunus), in die Tat umgesetzt: Das Ausbildungsprogramm ermöglicht Behinderten die Wiedereingliederung ins Berufsleben. Zur Zeit bildet W. Hecker neun Körperbehinderte zu Datentypisten aus - sieben Damen und zwei Herren. Im August soll eine weitere Schülerin hinzukommen. Die Ausbildung dauert mindestens sechs Monate - die ersten sechs Wochen sind als Probezeit angesetzt. Das Hecker-Modell zeichnet sich durch einen praxisbezogenen Lernprozeß aus. Die Lehrgangsteilnehmer werden von Beginn an in den Arbeitsprozeß des EDV-Unternehmens integriert. So lernen sie gleichzeitig Datenverarbeitungsmaschinen und Arbeitsvorgänge kennen.

Die praktische Ausbildung erfolgt an 32 Einzelplatzgeräten verschiedener Hersteller (NCR, IBM, Univac, Teleprint und Singer).

Durch eigenständiges Lernen entwickelt der Auszubildende Fähigkeiten, die ihm eine Chance zur Ausübung des Berufs als Datentypist geben. Dazu Elke Weber, die durch einen Unfall ein Bein verloren hat und seitdem an den Rollstuhl gefesselt ist: "Körperbehindert heißt noch lange nicht geistig behindert zu sein, wie viele unserer Mitmenschen annehmen. Gerade im Bereich der Datenverarbeitung, gilt es mitzudenken. Ich freue mich, daß ich wieder eine Stätte der beruflichen Anerkennung gefunden habe."

Das Ausbildungsprogramm sieht neben dem praktischen auch einen theoretischen Unterricht vor (Einführung in die Datenverarbeitung, Betriebswirtschaftslehre).

IHK-Prüfung

Während der Ausbildungszeit werden die Schüler durch einen öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständiger für EDV-Anwendungstechnik von der Industrie- und Handelskammer Frankfurt auf ihren Leistungsstand getestet. Die dabei erstellten Zwischengutachten geben Aufschluß über Lernfähigkeit und Entwicklung der Behinderten. Am Ende des Lehrgangs wird eine Prüfung vorgenommen und ein Zeugnis ausgestellt. Die erreichten Leistungen werden dabei wie folgt bewertet:

1200 Anschläge pro Minute = "Mit Erfolg"

2240 Anschläge pro Minute = "Mit Erfolg"

3300 Anschläge pro Minute = "Mit sehr gutem Erfolg"

Was in der Ausbildungszeit nur einen lernpädagogischen Sinn hat, spielt für den Absolventen bei der Arbeitsplatzbeschaffung eine wichtige Rolle. Im Laufe seiner Schulung hat er die Programme von Kunden der Firma Hecker kennengelernt und verfügt somit über Erfahrungen bestimmter EDV-Sachbereiche. Er kann so den Nachweis erbringen, den Anforderungen der Berufspraxis gewachsen zu sein und hat darüber hinaus die Möglichkeiten, einen Arbeitsplatz als Datentypist in der Firma zu bekommen, deren Aufträge er während seiner Schulung bearbeitet hat.

Hilfe vom Arbeitsamt

Der Weg zur Rehabilitation Behinderter gewinnt gerade auch für diejenigen Unternehmen an Bedeutung, die aufgrund ihrer Beschäftigtenzal gesetzlich verpflichtet sind, Körperbehinderte einzustellen. Bei den meisten zahlen die Arbeitsämter eine Eingliederungshilfe von 50 Prozent des tariflich festgesetzten Arbeitsentgeldes. Auch Landesversicherungsanstalten

tragen einen Teil der Kosten.