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13.07.1990 - 

Unruh will Schulden um 800 Millionen Dollar reduzieren

Eine einheitliche Software soll Unisys wieder Profit bringen

BLUE BELL (IDG) - Kostenreduktion hat bei der Unisys Corp. oberste Priorität. Allerdings sieht CEO James A. Unruh das Heil nicht in der Entlassung weiterer Mitarbeiter, sondern in erster Linie darin, die Software-Produkte zu vereinheitlichen. Diese sollen in Zukunft über alle Rechnerklassen hinweg - vom Mainframe bis zu Unix-basierten Workstation und Servern - lauffähig sein.

"Das Wichtigste ist im Moment die Verbesserung der Finanzkraft, um das Unternehmen wieder zu einer profitablen Gesellschaft machen zu können", betont Unruh. Als Unisys im letzten Jahr mit 639,3 Millionen Dollar den größten Verlust der noch jungen Unternehmensgeschichte ausweisen mußte, reduzierte man die Belegschaft um 8000 Mitarbeiter. Auch heute kann Unruh weitere Freisetzungen oder sogar Vermögensverkäufe nicht ausschließen. Schließlich will er bis zum Ende des Jahres die Schuldenlast des Unternehmens um 600 bis 800 Millionen Dollar reduziert haben.

Im Zuge dieser Maßnahmen verkaufte der US-Hersteller vor zwei Wochen Vorzugsaktien im Wert von 140 Millionen Dollar an die japanische Handelsgesellschaft Mitsui & Co, die bereits Teilhaber von Unisys-Japan ist. Im Gegenzug erhielt Unisys einen 50-Millionen-Dollar-Kredit mit fünfjähriger Laufzeit.

Vor allem von vereinheitlichten Softwareprodukten, die auf allen Rechnern des Herstellers einsetzbar sind, erwartet Unruh wichtige Impulse. Sie sollen dazu beitragen, die Company wieder in die Gewinnzone zu bringen. Der "Kleister", der die Systeme miteinander verbinden wird, besteht aus zwei Komponenten: Die eine bilden die Unisys-eignen 4GL-CASE-Produkte, die andere das Commitment des Produzenten zu offenen Systemen und zu Kommunikationsstandards.

Allerdings werden die Betriebssysteme der nebeneinander existierenden inkompatiblen Mainframe-Produktlinien, die noch aus der Zeit von Sperry (A-Serie) und Burroughs (2200-Serie) stammen, nicht vereinheitlicht. "Unsere Kunden haben um diese Systeme herum ihre Anwendungen geschrieben, und diese riesigen Investitionen müssen wir als Hersteller schützen", betont Unruh.

Damit jedoch tat man sich schwer. Bereits nach der Umfirmierung von Sperry und Burroughs in Unisys begann man zwar, die verschiedenen Systeme zusammenzubringen, aber erst im Herbst dieses Jahres will der Hersteller eine Reihe von formalen Software- und Kommunikationsstandards definiert haben, die auf alle seine Produktlinien anwendbar sind.

Unisys-Vertreter ließen durchblicken, daß sie X/Open-Protokolle für Kommunikations- und Anwendungsentwicklung als Basis für eine Reihe vereinheitlichter Standards benutzen wollen, die auch De-facto-Standards wie SNA von IBM unterstützen. Zusätzlich soll die Architektur die Fähigkeit der Mainframes zum Online-transaction-processing (OLTP) verbessern und sie in die Lage versetzen, mehrere tausend Transaktionen pro Sekunde zu bewältigen.

"Mapper" und "Line" arbeiten zusammen

Nach Angaben von Scott Silk, Unisys-Direktor für 4GL-Marketing, die er gegenüber "Computerworld", der amerikanischen Schwesterzeitung der CW, machte, arbeiten die 4GL-Entwicklungssysteme "Mapper" (von Sperry) und "Linc" (von Burroughs) jetzt zusammen. Linc II kann demzufolge derzeit jeweils eine Anwendung für beide Mainframes kompilieren sowohl für die A- als auch für die 2200-Serie.

Für Mapper, das bereits auf die Unix-Workstation-Reihe U6000 portiert worden ist, versprechen die Unisys-Entwickler in Kürze auch Portierungen auf unternehmensfremde Rechner. Von Linc soll ebenfalls noch in diesem Jahr eine Unix-Version herauskommen. Zur gleichen Zeit haucht das Unternehmen dem 4GL-Tool "Ally", das auf Unix-, OS/2-, MS-DOS- sowie den CTOS-Plattformen von Unisys arbeitet und Zugang zu verschiedenen Datenbanken bietet, neues Leben ein und will es als wichtigste 4GL-Sprache für alle OLTP-Plattformen von Unisys positionieren.

"In gewissem Sinne müssen wir jeden Tag etwas an Restrukturierungsarbeiten vollziehen", beschreibt Unruh die Situation bei Unisys. Für die verbleibenden Monaten des Jahres prognostiziert er einen leichten Umsatzanstieg. Die Nachfrage in den USA sei leider wegen der Angst um die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung nach wie vor schleppende und das Europageschäft entwickle sich ebenfalls sehr viel langsamer als im vergangenen Jahr, begründete der CEO des US-Herstellers den nur langsam steigenden Absatz.