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10.09.1976

Eine Fachabteilung, die in Cleveland fremdgeht

- Seit nunmehr bald drei Jahren arbeitet das Zentralressort Planung und Kontrolle der Henkel-Holding Henkel KGaA auch in Cleveland, Ohio - nämlich als Kunde des Mark III-Dienstes der Honeywell Informationsservice GmbH. Zumindest ungewöhnlich, wo Ohio doch etwas ferner liegt und im Hause zwei 370/158-Systeme stehen. Wie kam es dazu und welche Aufgaben bearbeiten sie im Timesharing bzw. per transatlantischen Remote Batch?

Unsere Chemiker bearbeiteten schon seit längerer Zeit technische Probleme im Timesharing-Dialog. Das Henkel-Rechenzentrum hier in Düsseldorf bietet uns bis heute keine Timesharing-Verarbeitung und das sicherlich aus guten Gründen. Wir - also das Zentralressort, Planung und Kontrolle der Henkel KGaA - haben die Aufgabe, die Planung und Berichterstattung für die weltweit 60 Tochtergesellschaften zu koordinieren, diese Pläne und Berichte zusammenzufassen, auszuwerten und der zentralen Geschäftsführung vorzulegen. Unsere größte Tochtergesellschaft die Henkel & Cie GmbH, erstellt ihre Pläne und Berichte selbstverständlich auf dem eigenen Rechner - schon allein wegen der großen Datenmenge, die verarbeitet werden muß und weil der Zugriff auf vorhandene Dateien des Rechnungswesens erforderlich ist. Für die Weiterverarbeitung in der Konzernplanung und -berichterstattung benötigen wir verdichtete Daten, und zwar von allen Tochtergesellschaften ungefähr die gleiche Datenmenge, von der Henkel & Cie nicht mehr als beispielsweise von der Henkel Malaysia. Also fällt bei uns kein so großes Datenvolumen an, so daß die aus vielen Gründen vorteilhafte Dialog-Verarbeitung angewendet werden kann.

- Was für Aufgaben sind das im einzelnen, die Sie jenseits des Atlantik rechnen lassen?

Dazu gehören die Ergebnisplanung und die Ergebnisrechnung, die Personalplanung, die Investitionsplanung, neuerdings auch das Erstellen der Finanzpläne und der Planbilanzen. Jetzt gerade sind wir dabei, die Planung des investierten Kapitals und der Kapitalrendite mit diesem System zu realisieren. Hinzu kommen noch zahlreiche Sonderauswertungen, die unser Management von Fall zu Fall, und dann meist sehr eilig, bei uns abfordert.

- Wieviel Programme sind das etwa insgesamt?

Gut zwanzig.

- Und wer hat die geschrieben?

Diese Programme sind ausschließlich in den Fachabteilungen entstanden. Interessant ist, daß diese Anwendungen interaktiv programmiert wurden und auch im Dialog mit Cleveland gepflegt werden.

- Könnte man diese Anwendungen nicht im eigenen Rechenzentrum abarbeiten, selbst wenn es dann im Batch-Mode geschehen müßte?

Das ist natürlich grundsätzlich möglich. Aber der von uns benutzte Timesharing-Dienst bietet über die Schnelligkeit der Verarbeitung hinaus zahlreiche Vorteile die uns unser Henkel-Rechenzentrum wirtschaftlich gar nicht bieten kann. Neben der bereits erwähnten Möglichkeit der Dialog-Programmierung gehören dazu eine sehr komfortable Datenbank-Software, eine umfangreiche Methodenbank, ferner Planungssprachen, das heißt, benutzerorientierte Programmgeneratoren. Wichtig ist auch die Möglichkeit Corporate Models, also Simulationsmodelle, für die Unternehmensplanung mit geringem Aufwand entweder selbst zu bauen oder vorhandene Modelle zu verwenden. An Software-Vorteilen kommt noch die Möglichkeit der grafischen Aufbereitung der Rechenergebnisse hinzu. Zwei weitere Punkte sind noch zu erwähnen, nämlich die permanente Verfügbarkeit rund um die Uhr und die Kostentransparenz, denn auf Abruf - und nach jeder Sitzung sowieso - werden die angefallenen Kosten ausgewiesen, und zwar so, daß man dadurch kostenoptimales Verhalten sehr schnell lernt.

- Nutzen Sie auch die externen Datenbanken, die es bei Mark III wie übrigens ja auch bei anderen internationalen Timesharing-Diensten - wie etwa Infonet oder Cybernet - gibt?

Ja, das ist ein weiterer Vorteil, den wir künftig für die Unternehmensplanung nutzen wollen, indem wir Zeitreihen von ökonomischen Indikatoren - da gibt es Istdaten und auch Prognosen - als gesamtwirtschaftlichen Rahmen für die Unternehmensplanung aus dortigen Dateien übernehmen.

- Soweit die Liste der Vorteile. Gibt es auch Nachteile?

Aus unserer Erfahrung sehen wir eigentlich nur einen, aber sehr wesentlichen Nachteil: Das ist die langsame und im Vergleich zum eigentlichen Rechnen teure Datenübertragung von und zu unserer Datenstation. Gegenwärtig arbeiten wir mit einem 300 Baud-Modem. Das ist für den Dialogbetrieb völlig ausreichend, nicht jedoch für die Ein- und Ausgabe größerer Datenmengen. Ein 2400 Baud-Modem und ein entsprechend schnelles Terminal stellen aufgrund einer von uns durchgeführten Überprüfung keine wirtschaftlichere Alternative dar. Das hat zur Folge, daß wir nur Jobs mit geringen Datenmengen fahren sollten. Unser größter Job hat auf der Eingabeseite zirka 5000 Zeichen und auf der Ausgabeseite etwa 1 Million Zeichen. Der Ausdruck erfolgt in solchen Fällen auf einem Schnelldrucker des Timesharing-Services in Köln. Aufgaben von diesem Umfang werden natürlich nicht im Dialog, sondern im Remote Batch, möglichst über Nacht, abgewickelt.

- Wie steht es mit der Verfügbarkeit und der Betriebssicherheit?

Keine Probleme.

- Aber dann gibt es noch das Thema Datensicherheit.

Wir benutzen ein abgestuftes System von Passwords, unter anderem auch dynamische Passwords, und einiges mehr. Ich halte diese Absicherung für ausreichend, auch unter Berücksichtigung der Vertraulichkeit unserer Planungsdaten. Im übrigen halte ich es tatsächlich für einfacher, an diese Daten durch Einbruch in die Büros zu gelangen als Leitungen anzuzapfen und Bit-Ketten zu entschlüsseln.

- Um welche Beträge geht es hier eigentlich? Was geben Sie jährlich für die

Datenfernverarbeitung aus?

Unser Budget für die EDV-Unterstützung der Planung und Kontrolle beträgt in diesem Jahr etwa 300 000 Mark, wovon ein knappes Drittel für Timesharing beziehungsweise Datenfernverarbeitung mit dem Mark-III-Zentrum in Cleveland, Ohio, verwendet wird.

- Und was kosten solche Auswertungen im Detail? Dafür bitte ein Beispiel.

Ein typischer Job, der die Ergebnisrechnungen von 25 Firmen mit durchschnittlich je acht Produktgruppen verarbeitet, kostet für die Datenaufbereitung und Dateneingabe etwa 50 Mark, die reinen Rechnerkosten betragen 75 Mark in diesem Beispiel, während sich die Druckkosten auf 400 Mark belaufen. Der gesamte Output dieses Jobs beträgt ungefähr 650 Druckerseiten, so daß eine Seite Auswertungen etwa 80 Pfennig kostet.

- Wie läuft das nun im einzelnen, wie sieht das bei Ihnen in der Praxis aus?

Wir arbeiten mit zwei Terminals. Das eine ist ein Tektronix-Bildschirmterminal, das auch für grafische Darstellungen geeignet ist, ausgestattet auch mit einem Floppy-Disk-Doppellaufwerk und einer Hard-Copy-Einrichtung. Das andere Terminal ist ein tragbares Terminal mit akustischem Koppler.

- Wozu denn das tragbare Terminal?

Für den mobilen Einsatz, das heißt wir machen ja auch Service für andere Abteilungen des Hauses - wir gehen mit dem Terminal zum Anwender. Interessant ist auch, daß Mitarbeiter dieses Terminal mit nach Hause nehmen, um zum Beispiel am Sonntag nach der Tagesschau einen zuvor vorbereiteten Remote Batch-Job in Cleveland zu starten, weil das Rechnen nachts billiger ist und die Daten bis zum geplanten Drucken am Montagmorgen dann nur kurzfristig und damit billig zwischengespeichert werden müssen.

- Und wie läuft die Sache in Cleveland?

Vermutlich so wie in jedem anderes, großen Rechenzentrum. Unsere Daten und Programme lagern dort auf Bändern und werden auf Anforderung montiert - das geht übrigens blitzschnell - und dann entweder im Stapel abgearbeitet oder für den Dialog in das Datenbanksystem übernommen.

- Welche Pläne haben Sie als Planer für die Zukunft?

Zunächst zu den Anwendungen: Wir wollen verstärkt Corporate Models, insbesondere für Simulationen, nutzen. Das geschieht dann auf jeden Fall im Dialogbetrieb. Ferner überlegen wir, ob künftig ein Teil unserer Tochtergesellschaften über das internationale Mark-III-Netz ihre Plan- und Ist-Daten direkt eingibt und auch unsere Programme für sich selbst nutzen kann. Andererseits sind wir bemüht, datenintensive Probleme verstärkt auf das eigene Rechenzentrum zu übertragen. Für die weitere technische Entwicklung wird bereits geprüft, ob nicht durch eine Computer-Computer-Verbindung die in Cleveland errechneten Ergebnisse in unserem Rechenzentrum in Düsseldorf ausgedruckt werden können. Wenn das möglich ist, liegt es nahe, auch zumindest kleine Dateien zwischen den Rechenzentren in Cleveland und Düsseldorf auszutauschen. Damit wäre es möglich, im Dialog erstellte Dateien im Batch in Düsseldorf weiter zu verarbeiten oder umgekehrt im Batch aufgebaute Dateien für die Dialog-Verarbeitung in Cleveland bereitzustellen.

- Und was passiert, wenn Ihr Düsseldorfer Rechenzentrum morgen TSO oder sonstige Möglichkeiten der Dialogverarbeitung im Haus implementiert?

Dann werden wir jede einzelne unserer Anwendungen daraufhin überprüfen, wo sie am kostengünstigsten durchgeführt werden kann.

Dipl.-Ing. Klaus Schwarzrock (41)

studierte Allgemeinen Maschinenbau und auch Betriebswirtschaftslehre. 1967 ging er zu Henkel & Cie. GmbH, Düsseldorf, und zwar in die neu gegründete Stabsstelle für langfristige Unternehmensplanung. 1971 übernahm er die Leitung der Kurzfrist-Planung, 1975 zusätzlich die Konzernberichterstattung und das Controlling. Mit der Neuorganisation des Konzerns (Übernahme der Holding-Aktivitäten für 60 Tochterfirmen im In- und Ausland durch die Henkel Kommanditgesellschaft auf Aktien) wurden diese Aktivitäten der KGaA übertragen.