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14.10.1988 - 

Kampf um die Integrationsfähigkeit ist längst nicht ausgestanden:

Eine Fachabteilung für Telekommunikation wäre sinnvoll

Das diskutierte Thema "Telekommunikation" wird immer mehr ein zentrales Thema der Unternehmensführung und Organisation. Nicht ISDN auf der einen und LAN auf der anderen Seite, sondern Integrierbarkeit und eine gemeinsame Sprache sind gefragt. Private Datennetze wird es weiterhin geben, aber ISDN bestimmt dennoch langfristig die Infrastruktur der Kommunikationslandschaft. Die Anwender erwarten jetzt Beratung und nicht das reine Verkaufs-gespräch über ISDN-fähige Kommunikationsanlagen.

Am 1. Januar 1988 trat die neue "Verordnung über die Bedingungen und Gebühren für die Benutzung der Einrichtungen des Fernmeldewesens" der Deutschen Bundespost in Kraft. Darin wurde der Begriff "Fernmeldedienste" durch "Telekommunikationsdienste" ersetzt. Mit ISDN (Integrated Services Digital Network) verwandelt die Post herkömmliche Telefonleitungen in multifunktionale Übertragungswege.

Was Experten auf dem Gebiet der Datenverarbeitung skeptisch stimmt, bringt Nachrichtentechniker zum Jubeln: ISDN. Damit umfaßt die Telekommunikation jeglichen elektronischen Transport von Daten, Text, Bild und Sprache. Wechselseitig werden mit Telefon, Bildfernsprechen, Fernkopieren, Bildschirmtext, Datenfern-verarbeitung etc. Informationen ausgetauscht. Was bislang Sache der Datenverarbeitung auf der einen Seite und der Nachrichten-technik auf der anderen war, berührt immer mehr die planenden und strategischen Stellen eines Unternehmens. Um mit der technischen Entwicklung standhalten zu können, müssen sich Unternehmen neu orientieren.

Nach einer mündlichen Befragung der PA Computer und Telekommunikation Consulting Gruppe Frankfurt in deutschen Industrieunternehmen zeigt sich folgendes Bild: In vier von 14 Unternehmen gibt es einen Zentralbereich Organisation und Informationsverarbeitung. Drei von 14 Befragten verfügen über die getrennten Abteilungen Organisation und Datenverarbeitung, die für die Planung der Telekommunikation zuständig sind. Ebenfalls drei von 14 Unternehmen haben keine zentrale Organisationsabteilung; hier planen DV-Abteilung und Fernmeldetechnik die telekommuni-kative Zukunft. In den anderen Fällen kooperieren drei und mehr Abteilungen, wenn es um die Telekommunikation geht. Oder aber die Planung dieses Bereichs wird an ein außenstehendes Unternehmen vergeben.

Telekommunikation fordert das Management

Unternehmensstruktur und -strategie selbst sind häufig ein Hemmschuh für die sinnvolle Nutzung neuer Techniken. Erst allmählich wird das Problembewußtsein in den Unternehmen geweckt. Dementsprechend wächst der Bedarf an Informationen. Telekommuni-kation ist keine Frage mehr, die sich von Technikern oder Organisatoren allein beantworten läßt, sondern das Management muß sich mehr um diesen wichtigen Aspekt kümmern.

Für mehr Problembewußtsein sorgen Kampagnen der allerorts und jederzeit anwesenden Bundespost und der ebenfalls regen Anbieter von Kommunikationslösungen. Walter Schwabedissen, Leiter der Abteilung Kommunikationstechnik bei Dürkopp in Bielefeld, antwortete auf die Frage, was der Anwender von der Telekommuni-kation erwarte, spontan: "Viel! Ich glaube, die Hoffnungen sind allgemein groß."

Bundespost im Kreuzfeuer der Kritik

Auch wenn der Ruf nach mehr Freiheit im Fernmeldewesen laut wird, passen sich Unternehmen heute schon den neuen Techniken an. Das Universalnetz der Deutschen Bundespost wird erst in zirka fünf Jahren voll verfügbar sein. Heftig umstritten ist heute schon die neue Verordnung der DBP, genannt TKO (Telekommunikationsordnung), in puncto Gebührenregelung.

Einerseits kritisiert man verknöcherte Bürokratie und das Monopol, andererseits zeigen die Dienste der Post starke Zuwachsraten. Unsicherheiten in der Gebührenhöhe, der ISDN-Verfügbarkeit, den Schnittstellen zu anderen Systemen scheinen sich nicht auf die Anschaffungen beziehungsweise Anschaffungs-absichten auszuwirken. Anwender beklagen ferner zu hohe Preise der Endgeräte, komplizierte Handhabung und die Bindung an einen Hersteller.

Auch Alfred Lotzinq, Deutsche Lufthansa Hamburg, sieht für ISDN gute Chancen. Ein Unternehmen könne durch die Mehrfachnutzung der Terminals für Sprache, Daten, Text und Bild seine Wirtschaft-lichkeit und Flexibilität erhöhen. Sowohl auf Anwender- als auch auf Anbieterseite verspricht man sich in den nächsten Jahren steigenden Einsatz von ISDN-fähigen Anlagen.

Allerdings ist der Kampf um konsequente Integrationsfähigkeit verschiedener Systeme noch nicht ausgestanden. Bei Einführung einer ISDN-Anlage sollte eine Verbindung zu einer anderen Kommunikationsanlage genauso möglich sein wie die freie Endgeräte-wahl ohne Kompatibilitätsprobleme. Internationale Gremien wie zum Beispiel die International Organisation for Standardization (ISO) oder das Comité Consultatif International Télégraphique et Téléphonique (CCITT) bemühen sich, Standards und Normen für offene Kommunikationssysteme zu liefern.

Durch das flächendeckende Netz der Mainkraftwerke (MKW) in Frankfurt ist das Energieversorgungsunternehmen auf volle Integrationsfähigkeit verschiedener Systeme angewiesen. Hubertus Wernersbach erwartet von der Telekommunikation "umfassenden schnellen Zugriff auf unterschiedliche Systeme".

Die Dienste der Post, insbesondere die Datex-Leitungen, werden in erheblichem Maße genutzt, weil die Energieversorgung ohne Fernmessen und Fernwirken nicht auskommt. In Zukunft werden auch die MKW wie andere große Unternehmen ihre Fernsprechanlagen auf ISDN-fähige Kommunikationsanlagen mit multifunktionalen Endgeräten umstellen.

Industrie sieht gute Chancen für ISDN

Gefragt sind beim Einsatz von Kommunikationsanlagen Betriebs-sicherheit, Flexibilität bei Erweiterungen, Vereinfachungen im gesamten Netzwerkbetrieb und besonders die Zentralisierung sämtlicher Aktivitäten, die mit Administration, Prozeßsteuerung etc. zu tun haben. Bei gleichzeitiger Erhöhung der Rentabilität sollen dadurch langfristig Kosten reduziert werden. Man spricht inzwischen von Netzwerkmanagement, Network Control Center oder Informationsmanagement, wenn es um einen zentralen Überbau für Netze und Kommunikationsanlagen geht. In der Tat existieren schon derartige Einrichtungen.

Die Quantität an Nachrichtenträgern, Teilnehmern, Endgeräten bedingt ein Zentrum für die Kontrolle sämtlicher Systeme. Wenn Mensch mit Mensch, Maschine mit Maschine oder Mensch mit Maschine relativ reibungslos kommunizieren sollen, muß eine Fachabteilung die Auslastungen des Netzes, den effizienten Einsatz von Endgeräten, Störungen etc. überblicken können.

In der Abteilung "Telekommunikation" bei Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) in Ottobrunn geht es schon lange nicht mehr um die Dienste im einzelnen, sondern um die vollständige Integration unterschiedlicher Datenflüsse, die zum Beispiel Administration, Produktion, Prozeßverarbeitung betreffen. Klaus Lenz, Leiter der Abteilung, weiß um die Bedeutung der Diensteintegration. Geplant ist bei MBB ein Network Control Center: Von hier aus kann man beispielsweise die gemeinsame Nutzung teurer Peripheriegeräte (Resource Sharing) steuern. Als Service werden die Geräte zusammengefaßt, so daß sie dann mehreren Benutzern zur Verfügung stehen.

Das NCC übernimmt Netzsteuerungsaufgaben und administrative Funktionen. Sind zahlreiche Bildschirmarbeitsplätze und mehrere Rechner miteinander verbunden, lassen sich Auslastungen im Netz kontrollieren und Wartezeiten verkürzen.

Die Anwender fordern "schnellen Informationszugriff" und "Datensicherheit". Damit diese beiden Ansprüche langfristig erfüllt werden können, benötigt das Unternehmen einen Überblick über die gesamte Vernetzung. Dazu sind die Netze selbst mit ihren Leistungswegen Knoten, Endgeräten und Postkabeldaten (bei ISDN mehrfach belegt) genau zu dokumentieren.

Erst wenn eine vollständige Dokumentation vorhanden ist, wird es möglich sein, zukünftige Kommunikationsnetze transparent zu gestalten und Planungen zu erleichtern. Neu- oder Umplanungen im Netz sollten computergesteuert an einem Punkt machbar sein. Dazu sind Verfahren notwendig, die beispielsweise Netzbelegungen automatisch optimieren oder Leitungswege automatisch suchen.

Die Installation eines Softwarepaketes zur computergestützten Netzverwaltung schafft bei MBB eine Reduktion der Montagekosten an der Telefonanlage von zirka einer halben Million Mark pro Jahr, weil weit mehr als 50 Prozent der Mitarbeiter stets im Umzug begriffen sind. Mit der Einführung der digitalen Nebenstellen-anlage gibt es quasi eine elektronische Verflechtung, damit jeder Mitarbeiter auch nach seinem Umzug weiter seine alte Telefonnummer behält.

Telekommunikation wächst mit den Jahren

Klaus Lenz von MBB meint, daß Telekommunikation erst dann sinnvoll wird, wenn es im eigenen Haus eine Fachabteilung gibt. Diese ist mit der Planung und Betreuung des gesamten Kommunika-tionsprozesses betraut. Aus der Masse der Angebote an kommunika-tiven Einrichtungen sucht sie das Sinnvollste für das Unternehmen aus. Weitere Programmierungen und Anpassungen können dann den spezifischen Bedingungen des Unternehmens gerecht werden. Lenz: "Wer hat was? Und wie ist es am besten kombinierbar?" Dabei dürfe die momentane Kostenfrage nicht im Vordergrund stehen, sondern die langfristige Wirtschaftlichkeitsberechnung.

Das Thema der zweckmäßigen Vernetzung und Integration ver-schiedener Dienste kennzeichnet dieses Jahrzehnt. Große Unter-nehmen werden neben ISDN-fähigen Anlagen, die sie für Sprach und Textkommunikation nutzen, weiterhin private Netze für den Transport von Daten einsetzen. In ihren LANs und GANs (Local/ Global Area Network) übertragen sie Daten nach herstellerbedingten Strukturen. Man bedient sich zudem für die Datenfernübertragung der Datex-L/-P-Dienste der Post.

Trotzdem sollten beide Bereiche auch miteinander kommunika-tionsfähig sein. In kleineren und mittleren Unternehmen dürfte die komfortable Sprach- und Textkommunikation dominieren. Nach der letzten Comtec-Erhebung von Infratest zur Telekommunikation im vergangenen Jahr erfolgt der Übergang von analogen zu digitalen beziehungsweise multifunktionalen Endgeräten nur schrittweise und langsam. Zunächst wird allgemein der Bereich der Sprachkommuni-kation verbessert. Der Einsatz multifunktionaler Terminals erfolgt erst verstärkt im Laufe der kommenden Jahre mit der schrittweisen Einführung von ISDN.