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05.05.2009

Eine Faser revolutioniert die TK-Landschaft

Bandbreite satt und zu bezahlbaren Preisen – mit dem bundesweiten Glasfaserausbau dürfte dieser Traum für viele Bürger und Unternehmen Realität werden. Gleichzeitig fällt damit endgültig das Monopol der Telekom.

München, Köln, Hamburg, aber auch Schwerte, Coburg, Hanau oder Lünen - in immer mehr bundesdeutschen Kommunen werden Glasfasernetze bis zum Endkunden geplant oder schon verlegt. Wer in den Ausbaugebieten wohnt, erhält bereits heute Bandbreiten von bis zu 100 Mbit/s oder gar höher – während Bundeskanzlerin Angela Merkel für den Rest der Republik im Zuge der Breitband-Initiative bis Ende 2010 gerade einmal die flächendeckende Verfügbarkeit von 1 Mbit/s schnellen Internet-Zugängen fordert. Erneut drohen zahlreiche Regionen hinter der ITK-Entwicklung zurückzubleiben und damit einen schweren Standortnachteil im Wettbewerb um Firmenansiedlungen zu erhalten. Erschwerend kommt hinzu, dass die Nutzer der neuen Glasfasernetze für den Geschwindigkeitsturbo kaum mehr bezahlen als für einen klassischen DSL-Anschluss (siehe Rechenbeispiele "Das kostet die Zukunft heute"). Und Unternehmen können zumindest im Access-Bereich auf spezielle Business-Lösungen wie SDSL verzichten, denn die Glasfasernetze locken auch im Upstream mit Bandbreiten von bis zu 10 Mbit/s – hier bildete ADSL/ADSL2+ mit dem üblichen 1 Mbit/s in der Vergangenheit ein Nadelöhr. Zudem liebäugeln etliche der Netzerbauer mit neuen Services. Beim Glasfaserprojekt in Böblingen/Sindelfingen plant man beim Bau des zentralen Technikraums "Fibercollects" – hier laufen die Glasfaserstränge ähnlich wie in einer Vermittlungsstelle zusammen – bereits zusätzlichen Platz ein, um später Server-Hosting und -Housing als Service offerieren zu können.

Das kostet die Zukunft

Unternehmen und Bürger, die in einem der Glasfaser-Ausbaugebiete wohnen, können sich nicht nur über höhere Geschwindigkeitsraten freuen, sondern zahlen auch deutlich weniger als der klassische DSL-Kunde bei der Telekom.

Schwerte: Dort kann sich der Glasfaserkunde sein Access-Angebot bei Ruhrpower (Stadtwerke Schwerte) aus einzelnen Bausteinen zusammensetzen. Für einen 5-Mbit/s-Internet-Zugang (Geschwindigkeit im Down- sowie Uplink) zahlt er inklusive Flatrate 15 Euro im Monat. Wünscht er dazu noch den Service Telefon mit Flatrate, kostet dies zusätzlich 15 Euro pro Monat – ein Feature, auf das technikaffine VoIP-Nutzer sicher verzichten können. Will der User mehr Speed, so wird ihm für jedes zusätzliche Mbit/s ein Euro pro Monat berechnet.

München: Während der Anwender in Schwerte seinen Glasfaserzugang aus einzelnen Bausteinen auf seine spezifischen Bedürfnisse zuschneiden kann, verfolgt die bayerische Landeshauptstadt ein anderes Geschäftsmodell: Hier sind Basispakete zu beziehen. So kostet etwa der 25 Mbit/s schnelle Glasfaseranschluss (im Upstream 2,5 Mbit/s) inklusive Internet- und Telefon-Flatrate 29,90 Euro. Für eine monatliche Zusatzgebühr von 4,90 Euro erhält der Kunde ein Upgrade auf 50/5 Mbit/s (Down-/Upstream). Als Aktionspreis ist derzeit für den gleichen Betrag auch ein Upgrade auf 100/10 Mbit/s erhältlich.

Der Klassiker T-DSL: Für Anwender, die in unterversorgten Gebieten wohnen – hier offerieren meist nur die Telekom und Reseller auf Basis von TelekomVorprodukten DSL-Zugänge –, müssen die Angebote aus den Glasfasergebieten wie ein Märchen aus dem Schlaraffenland erscheinen. Sie zahlen nämlich 39,95 Euro pro Monat für Internet- und Telefon-Flatrate. Dafür erhalten sie dann lediglich eine Download-Geschwindigkeit von bis zu 6 Mbit/s und im Upstream gar nur 576 Kbit/s.

Angesichts der Schwelgerei in technischen Daten und dem Herumrechnen mit Gebührenmodellen wird ein anderer Aspekt des Glasfaserausbaus schnell übersehen. Etwas über zehn Jahre nach der Liberalisierung des deutschen TK-Marktes zum 1. Januar 1998 vollzieht sich mit dem Aufbau der Glasfaserinfrastruktur eine stille Netzrevolution: Die Telekom verliert jetzt ihr letztes Monopol, die Teilnehmeranschlussleitung (TAL, das Telefonkupferkabel zwischen Endkunde und Vermittlungsstelle (HVT)). Die neuen Glasfasernetze errichten nämlich die unterschiedlichsten Bauherren. So engagieren sich neben Stadtwerken auch Telekom-Konkurrenten wie Hansenet oder Vodafone/Arcor, und die Telekom geht Kooperationen ein, die vor kurzem noch undenkbar schienen. In Augsburg baut der Bonner Konzern mit dem regionalen Konkurrenten Mnet gemeinsam ein Glasfasernetz auf.

Konkurrenz für die Telekom

Auf den ersten Blick funktioniert also der Wettbewerb. Doch die Sache hat einen Haken: Als Monopolist im Kupfernetz unterliegt die Telekom der Regulierung und muss die TAL an ihre Wettbewerber vermieten sowie Entgelte von der Bundesnetzagentur genehmigen lassen. Zudem wurde dem Konzern ein Versorgungsauftrag aufgebürdet. Rechtliche Basis hierzu war beziehungsweise ist das Telekommunikationsgesetz, das entsprechende Maßnahmen für TK-Unternehmen mit marktbeherrschender Stellung vorsieht. Darüber, ob nun beispielsweise die Stadtwerke einer Region eine marktbeherrschende Stellung besitzen und deshalb ihr Netz an andere Carrier und Provider als Resale-Produkt vermieten müssen, lässt sich trefflich streiten. Nicht umsonst geht auch die Telekom mit Begeisterung beim Thema Glasfaser Kooperationen ein. Sie hofft, wie Vorstandsmitglied Timotheus Höttges freimütig einräumt, so die Eingriffe der Regulierung loszuwerden. Da die Berliner Politik das Problem noch gar nicht erfasst hat und von der technischen Entwicklung mal wieder überholt wird, dürfte auf die Verwaltungsgerichte – wie schon zu Beginn der TK-Liberalisierung – eine Menge Arbeit zukommen.

Warum Glasfaser für alle?

Noch vor ein bis zwei Jahren wurde der Gedanke an einen flächendeckenden Glasfaserausbau für alle als unbezahlbares Hirngespinst abgetan. Mittlerweile sprechen etliche Punkte dafür:

  • In den Ballungszentren stößt die DSL-Technik an ihre Leistungsgrenzen.

  • Die Entgelte für die TAL-Miete (letzte Meile) sind für die Carrier ein enormer Kostenfaktor. So wird beispielsweise Mnet bei einem Jahresumsatz von 176 Millionen Euro (2008) im laufenden Jahr an die Telekom 28 Millionen Euro an TAL-Miete entrichten.

  • Die Telekom liebäugelt ab 2015 mit einem drastischen Rückbau der Hauptverteiler. Carrier, die in ein eigenes Teilnehmernetz investiert haben, würden damit in die Rolle der Reseller mit einer geringeren Wertschöpfungskette gedrängt.

  • Ein eigenes Anschlussnetz ist für die Carrier dagegen eine zusätzliche Einnahmemöglichkeit.

  • Der große Kostenfaktor beim Aufbau einer eigenen Infrastruktur sind die Grabungsarbeiten (zirka 300 Euro pro Meter in bebautem Gebiet). Dagegen ist der Kostenunterschied zwischen Kupferkabel und Glasfaser marginal.

  • Im Zuge des Konjunkturpakets II gibt es Fördergelder für die teuren Grabungsarbeiten.

  • Die Energieversorger müssen im Rahmen des Energiewirtschaftsgesetzes intelligente, vernetzte Stromzähler beim Endkunden einführen. Hierzu brauchen sie eine Netzinfrastruktur.

  • Glasfasernetze weisen eine bessere CO2-Bilanz auf, da ihr Energieverbrauch im Vergleich zu DSL 20 Prozent niedriger ist.

Für Unternehmen, die etwa ein bundesweites Filialnetz betreiben, könnte diese Situation zu der unschönen Konsequenz führen, dass sie mit vielen Betreibern künftig Einzelverträge abschließen müssen. Auch die Rufe der "Breitband für Alle"-Propagandisten könnten künftig ungehört verhallen, wenn es nur lokale Netzbetreiber gibt. Unternehmen und interessierte Bürger sind deshalb gut beraten, wenn sie über IHKs, Anwendervereinigungen und Wirtschaftsverbände Druck auf die politische Entscheidungsebene ausüben. Dass es auch anders geht, zeigt der Blick zu unseren europäischen Nachbarn. Dort wird häufig beim Glasfaseraufbau das mehrstufige Modell des "Open Access" propagiert. Hier ist dann beispielsweise ebenfalls ein lokaler Energieversorger Eigentümer der Glasfaser im Boden. Die vermietet er aber diskriminierungsfrei an verschiedene Netzbetreiber, die für die Vermittlungstechnik sorgen. Diese offerieren wiederum ihr nun beschaltetes Netz (Internet-Zugang, Telefon etc.) ebenfalls diskriminierungsfrei Content-Providern (etwa IP-TV, Video on Demand, Value-Added-Services wie VPN oder WAN-Ethernet). Hierzulande haben sich die Stadtwerke Sindelfingen und Böblingen als erste zu diesem Ansatz durchgerungen.

Infrastruktur für Generationen

Noch haben es alle Beteiligten in der Hand, daran mitzuwirken, wie unsere Kommunikationszukunft aussieht, für die wir derzeit, wie es der Sprecher eines Glasfasernetzbetreibers formuliert, "die Grundsteine einer Infrastruktur legen, mit denen noch die Generation unserer Kindeskinder leben wird" – aber auch mit den Fehlern. Zur Erinnerung: Das alte Kupfertelefonnetz, das nun langsam zu Grabe getragen wird, hatte seine Ursprünge im Deutschen Reich, als 1881 die ersten Fernsprechnetze eingerichtet wurden.