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01.11.1985 - 

Bausteine für ein effizientes Kapazitätsmanagement

Eine grundlegende Veränderung der Organisationsstrukturen ist nicht unbedingt notwendig:

01.11.1985

Kapazitätsmanagement in heterogenen Rechnernetzen ist derzeit bei vielen Großanwendern ein heißdiskutiertes Thema. Jürgen Beust von der Insotec Consult* beschreibt im folgenden Beitrag den funktionalen Umfang eines allgemeingültigen Modells, innerhalb dessen jeder Anwender seine Variante spezifizieren kann.

Bei der Planung eines Kapazitätsmanagements (KM) ist zunächst festzulegen, welche unternehmenspolitischen Ziele erreicht werden sollen. Jedes Unternehmen wird unter anderem die Ziele Kostensenkung, effiziente Nutzung der installierten Ressourcen und Entscheidung auf Basis gesicherter Erkenntnisse (Daten) formulieren.

Um das technisch-organisatorische Konzept entwickeln zu können, muß definiert werden, für welche DV-Komponenten das KM eingerichtet werden soll. Es ist zu erwägen, ob neben den Host-Rechnern auch Kommunikationsnetze einbezogen werden sollen und wenn ja, welche Komponenten. Hier kann zum Beispiel ein stufenweises Vorgehen geplant werden, das zuerst die klassischen Netze und später neue Kommunikationstechnologien erfaßt.

Anschließend muß beschrieben werden, welchen Funktionsumfang das einzurichtende KM haben soll, etwa Planen und Überwachen des Service, Planen und Überwachen der Last, Planen und Überwachen der Ressourcen. Diese Funktionsgruppen werden Parameter (Meß- und Erfassungsgrößen) zugeordnet. Die Parameter müssen exakt definiert werden; es muß untersucht werden, mit welchen Werkzeugen sie gemessen und ausgewertet werden können. Darüberhinaus sind geeignete Modelle, Statistikpakete, Datenbanken etc. auszuwählen.

Einführungsstrategie

Aus den Funktionsgruppen ergibt sich der organisatorische Aufbau des KM. Jede Funktionsgruppe wird von einem KM-Bereich bearbeitet. So entsteht beispielsweise ein Lastmanagement und ein Serviceunternehmen.

Nachdem das technische und organisatorische Konzept entwickelt ist, wird eine Einführungsstrategie entworfen, die etwa die folgenden Stufen umfaßt:

1. Stufe: Einsetzen vorhandener Tools; Entwickeln fehlender Komponenten; Probebetrieb aufnehmen.

2. Stufe: Erkennen organisatorischer Erfordernisse, Erarbeiten von Empfehlungen; neue Organisationsformen erproben.

3. Stufe: Ausbau der Technik; Erlassen von Richtlinien.

4. Stufe: Eingeschwungener Betrieb; ein effizientes KM führt zu dem Ergebnis

- optimale Anpassung der notwendigen Ressourcen an den aktuellen und zukünftigen Kapazitätsbedarf und hat die Wirkung

- hohe Systemverfügbarkeit;

- gute Antwortzeiten (beim Anwender);

- kostengünstige Hardware;

- spätere Installationstermine;

- minimierte Betriebsstörungen;

- zufriedene Anwender.

Ein Kapazitätsmanagement benötigt zusätzlich zu den mit Hilfe eines DV-gestützten Systems gewonnenen Daten Informationen über

- Anwender- und Anwendungsveränderungen,

- DV-Ressourcen, die am Markt vorhanden sind.

Diese Informationen haben Quellen wie Anwender, Management und Produkthersteller. Die gesammelten Informationen werden zu einer Gesamtsicht integriert, die eine verbesserte Nutzung der Hardware- und Softwarekomponenten als Objekte der Dienstleistung für den Anwender ermöglicht. Durch diese Informationsintegration können Anwenderanforderungen an die DV-Ressourcen umgesetzt werden.

Die weitgesteckte Kommunikationsbasis (Einbeziehung vieler Personen aus unterschiedlichen Organisationseinheiten) mit dem gemeinsamen Interessenschwerpunkt "Dienstleistung der DVA und Netze" schafft nicht nur ein allgemeines Bewußtsein für die Belange der DV et vice versa ihrer Anwender, sondern er zeugt auch eine Rückkopplung zwischen den betroffenen Abteilungen und Personen eines Unternehmens (siehe Bild 1).

Die Einführung eines Kapazitätsmanagements in ein Unternehmen erfordert keine grundlegende Veränderung der bestehenden Organisationsstrukturen. An dem gemeinsamen Ziel der Bereitstellung effizienter Dienstleistungen für den Anwender muß sich der Informationsfluß zwischen den unterschiedlichen Einheiten einer Unternehmensorganisation zweckgebunden ausrichten.

Für ein "Kapazitätsmanagement" ist ein Management-Tool hilfreich, welches kapazitätsbezogene Informationen

- sammelt,

- erzeugt,

- analysiert,

- verwaltet,

- verdachtet,

- nutzungsspezifisch überschaubar darstellt und

- verfügbar macht.

Die einzelnen Managementteilbereiche des Kapazitätsmanagements sind als in sich geschlossene organisatorische Bereiche zu sehen und müssen in die bestehende Unternehmensorganisation eingebettet werden.

Nachfolgend wird ein Rahmen beschrieben, in dem alle sinnvollen, aber eventuell nicht bei jedem Anwender notwendigen Bereiche eines KM dargestellt sind. Er umfaßt:

- Servicemanagement;

- Lastmanagement;

- DVA/Netzmanagement;

- Kostenmanagement;

- Berichtswesen;

- Ressourcenplanung.

Die Ziele und Tätigkeitsschwerpunkte der Funktionsbereiche werden beispielhaft diskutiert (Bild 2).

Die Zielsetzung des Servicemanagements ist die Ermittlung und Planung der den Anforderungen der Anwender genügenden Servicegrade. Die Dienste einer DVA und des zugehörigen Netzes bestehen aus drei Servicetypen: - Dialogverarbeitung: Die Transaktionen stellen sich zufällig verteilt an der DVA- bzw. Netzoberfläche ein.

- Reguläre Stapelverarbeitung: Die Transaktionen stellen sich zu vorher festgelegten Zeiten ein.

- Remote-Stapelverarbeitung: Die Transaktionen kommen am "remote job entry" zufällig verteilt an bzw. sie werden zufällig verteilt durch einen Dialog angestoßen.

Der Servicegrad ist ein Maß für die Güte der von den obengenannten Servicetypen verlangten und erbrachten Leistungen. Er ist eine Funktion der Antwortzeit bzw. der Durchlaufzeit und der Verfügbarkeit der benötigten DV-Ressourcen. Tätigkeitsschwerpunkte sind:

- Übersetzen, Darstellen, Verfolgen und Dokumentieren der Anwenderanforderungen an die Dv-Systeme- und Netze.

- Umsetzen dieser Anforderungen in quantifizierbare Meßgrößen eines Servicegrades.

- Definieren, Implementieren und Weiterentwickeln von Modellen, mit deren Hilfe Aussagen generiert werden können, welcher Servicegrad mit den vorhandenen bzw. geplanten Ressourcen erreichbar ist.

- Überwachen der Vorhersagegenauigkeit der Modelle.

- Messen, Verfolgen und Dokumentieren des Servicegrades im laufenden System.

Lastmanagement

Die Zielsetzung des Lastmanagements ist das Durchführen von Lastmessungen und - vorhersagen.

Tätigkeitsschwerpunkte sind:

- Identifizieren und Beschreiben der Hauptlasttypen und Umsetzen in DV-technisch quantifizierbare Meßgrößen.

- Erstellen von Prognosen (Lastaufkommen, Ressourcenbedarf zukünftiger Lasttypen) auf der Basis der aktuellen bzw. geplanten Anwendungen.

- Messen, Verfolgen und Dokumentieren des Lastaufkommens.

- Identifizieren und Beschreiben der Lastverteilung.

DVA- und Netzmanagement

Die Zielsetzung des DVA- und Netzmanagements ist das Bereitstellen von Systemsoftware und Hardware, die die spezifizierten Serviceanforderungen der Anwender und der Betreiber optimal erfüllen.

Tätigkeitsschwerpunkte sind:

- Inventarisieren der gesamten Hardware und Software.

- Identifizieren und Beschreiben der Bindung von DVA- und Netz-Ressourcen durch DV-Anwendungen.

- Einstellen der Systemsoftware und der Konfigurationen gemäß den spezifizierten Anforderungen (Tuning).

- Ermitteln der Konfigurationseffizienz der DVA und der Netze (Engpaß-/Overhead-Analyse).

-Messen, Verfolgen und Dokumentieren der Auslastung der DVA und der Netze.

Kostenmanagement

Die Zielsetzung des Kostenmanagements ist das Herstellen der Relation zwischen den bereitgestellten DV-Dienstleistungen und ihren Kosten.

Tätigkeitsschwerpunkte sind

- Kostenerfassung;

- Kostenanalyse;

- Kostenplanung zur Unterstützung der Budgetierung;

- Kostenüberwachung;

- Verursachergerechte Abrechnung der Kosten.

Berichtswesen

Die Zielsetzung des Berichtswesens ist das Verfolgen, Dokumentieren und Bereitstellen von Informationen aus dem Kapazitätsmanagement.

Tätigkeitsschwerpunkte sind:

- Sammeln und Ordnen von Daten;

- Verdichten von Daten und Analysieren von Teilberichten, die zu Managementinformationen zusammengefaßt werden;

- Darstellen und Verfügbarmachen von Daten in übersichtlicher Form.

Das Berichtswesen hält den gesamten Berichtsfluß und die gesamte Informationsbeschaffung (innerhalb des Kapazitätsmanagements und nach außen) aufrecht.

Ressourcenplanung

Die Zielsetzung der Ressourcenplanung ist die Planung und Bereitstellung von DV-Ressourcen.

Tätigkeitsschwerpunkte sind:

- Sicherstellen einer "weichen" Einführung neuer Technologien;

- Auswählen von Hardware- und Software anhand bestehender Anforderungen;

- Planen und Aufbau ausreichender physikalischer Reserven;

- Erfassen und Dokumentieren von Liefer- und Vertragskonditionen.

*Jürgen Beust ist bei der Insotec Consult GmbH Darmstadt, als Projektleiter im Bereich "Leistungsoptimierung von Kommunikationsnetzen" tätig.