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04.05.2005

Eine gute Idee ist nur der Anfang

Kreativität reicht für eine erfolgreiche Firmengründung nicht aus. Für August-Wilhelm Scheer sind die Zusammensetzung des Teams und die Internationalisierung entscheidend.

Albert Einstein, Daniel Düsentrieb, James Bond und Willy Brandt - auf den ersten Blick haben die teils realen, teils fiktiven Figuren nichts miteinander gemein. Auf den zweiten Blick stehen sie für Eigenschaften, die in keinem Gründerteam fehlen dürfen. Diese Meinung vertrat August-Wilhelm Scheer vor Studenten an der Technischen Universität München: "Die Gründungsmannschaft sollte mit relativ breiten Fähigkeiten ausgestattet sein. Für den Erfolg braucht es analytisch-kritische Menschen, die wie Einstein alles hinterfragen, aber auch handlungsstarke und sehr mobile Mitarbeiter, wenn man international arbeiten will." Für Letztere stehe James Bond als Sinnbild. Den Reigen der unterschiedlichen Fähigkeiten komplettierten Mitarbeiter mit hoher Sozialkompetenz, die integrieren können (Brandt), und erfinderische Geister, die stets neue Ideen produzieren (Düsentrieb).

Als sich Scheer Mitte der 80er Jahre aus seiner Tätigkeit als Professor für Wirtschaftsinformatik an der Universität Saarbrücken heraus mit seinem IT-Beratungshaus IDS Scheer selbständig machte, wurde ihm bewusst, wie lang der Weg von der guten Idee zum erfolgreichen Produkt sein kann. "Innovation ist immer die wirtschaftlich erfolgreiche Umsetzung neuer Ideen durch Forschung", schließt sich Scheer der Definition des Ökonomen Joseph Schumpeter an. In der Forschung hatte er sich schon lange mit seiner Idee beschäftigt, wie man die Informationssysteme eines Unternehmens modellieren kann, und dafür eine Architektur (Aris) entwickelt.

In Gesprächen mit großen Unternehmen wie IBM oder Siemens stellte sich jedoch schnell heraus, dass diese am entwickelten Prototypen nicht interessiert waren. Scheer wusste bald, warum: "Der Entwicklungsaufwand für ein Produkt ist acht- bis zehnmal so hoch wie für Prototypen." Die Zwei-Zimmer-Wohnung, in der er anfing, reichte bald nicht mehr aus. In wenigen Jahren erhöhte sich die Mitarbeiterzahl von zwölf auf 120 - heute arbeiten 2300 Beschäftigte für die IDS Scheer AG. Finanziert hat sich das ganze Unternehmen in den Anfangsjahren vor allem über Beratungen im CIM (Computer Integrated Manufacturing)-Umfeld.

Im Rückblick empfindet es Scheer als wichtig, dass seine Geschäftsidee auf jahrelangen Forschungen beruhte und deshalb nicht so schnell von der Konkurrenz kopiert werden konnte. Wer selbst die Ideen anderer nachahmt und etwa wie die Samwer-Brüder das Ebay-Modell in Deutschland aufzieht, um sich dann von Ebay aufkaufen zu lassen, ist in seinen Augen kein "echter Unternehmer". Darüber hinaus sei langfristiger Erfolg auch eine Frage der richtigen Internationalisierungsstrategie. Da Scheer wusste, wie schwer es für deutsche Firmen ist, in Ländern wie Japan oder den USA Fuß zu fassen, suchte er die Zusammenarbeit mit großen Unternehmen, die in diesen Ländern schon vertreten waren. So zogen die IDS-Scheer-Mitarbeiter in Tokio anfangs ins SAP-Büro mit ein, um Mietkosten zu sparen und auch Anknüpfungspunkte zu potenziellen Kunden zu finden. Denn die Kundenansprache ist oft ein Kapitel für sich, wie auch Scheer erfahren musste: Zu seinem ersten Vortrag in Japan kamen nur sieben Zuhörer, von denen zwei den ganzen Vortrag verschliefen.

Auch in den USA hatte IDS Scheer über sieben Jahre lang mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, angefangen von einem Missverhältnis zwischen Mitarbeiterzahl und Aufträgen bis hin zu dem Problem, dass durch die in den USA verbreitete Hire-and-Fire-Mentalität ständig die Ansprechpartner auf Seiten der Kunden wechselten. Wie viel der Kunde in seinem eigenen Unternehmen tatsächlich zu entscheiden habe, lasse sich laut Scheer am besten an dessen Büro ablesen: "Für amerikanische Führungskräfte sind eigene Büroräume Statussymbole. Wenn das Büro ein Fenster hat, ist es schon eine Auszeichnung. Noch höher angesehen ist nur das Eckbüro mit Fenster." (am)